- DER AKTIONÄR

Deutsche Börse - bis auf den letzten Cent

Die Fondsgesellschaft Union Investment verlangt von der Deutschen Börse die vollständige Ausschüttung der Vorjahresgewinne. Ein entsprechender Gegenantrag für die Hauptversammlung wurde bereits gestellt.

Die Fondsgesellschaft Union Investment verlangt von der Deutschen Börse die vollständige Ausschüttung der Vorjahresgewinne. Ein entsprechender Gegenantrag für die Hauptversammlung wurde bereits gestellt.

Von Martin Weiß

Rund vier Wochen vor der Hauptversammlung (25.Mai) bläst den Verantwortlichen der Deutschen Börse der Wind kräftig ins Gesicht: Nicht genug, dass der US-Hedgefonds TCI (The Children's Investment Fund Management) kürzlich den Rücktritt von Vorstandschef Werner Seifert forderte, nun verlangt die Fondsgesellschaft Union Investment auch die komplette Ausschüttung des letztjährigen Bilanzgewinns an die Anlegerschaft. Union hält nach eigenen Angaben rund 1,24 Millionen Aktien an der Deutschen Börse, entsprechend einem Anteil von knapp über 1 Prozent.

Ausschüttung kontra Rücklagen

Nach Meinung der Fondsprofis sei die Deutsche Börse nach dem Abbruch der Übernahmeverhandlungen mit der Börse in London (LSE) überkapitalisiert. Die vollständige Gewinnausschüttung wäre daher die beste Kapitalverwendung. Die Deutsche Börse will der Hauptversammlung bislang 78,3 Millionen Euro zur Auszahlung vorschlangen. Der Gesamtgewinn beträgt jedoch 226,8 Millionen Euro. Früheren Plänen zufolge sollte die Differenz (148,5 Millionen Euro) in die Gewinnrücklagen fließen.

Breuer als Schlichter

Damals liefen die Kaufverhandlungen mit der LSE aber noch auf Hochtouren. Erst auf den Druck des US-Fonds TCI, der den Kaufpreis für die Börse als unangemessen hoch kritisierte, waren die Gespräche abgebrochen worden.

Vor wenigen Tagen hat der US-Fonds von Aufsichtsratschef Rolf Breuer nun die Entlassung von Vorstandschef Werner Seifert gefordert. Begründung: Seiferts Interessen seien am wenigsten auf die Anleger ausgerichtet. Breuer hat die Forderung zwar mittlerweile zurückgewiesen, jedoch Gesprächsbereitschaft signalisiert. Der frühre Chef der Deutschen Bank kann es sich auch kaum leisten TCI gegen sich aufzubringen. Laut Bloomberg besitzt TCI 6,15 Millionen Aktien der Deutschen Börse, entsprechend einem Anteil von 5,5 Prozent.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV