Deutsche Bank
- Andreas Deutsch - Redakteur

Bloß weg mit Aktien! Ist das wirklich clever?

Es ist paradox: Obwohl die Zinsen seit Monaten extrem mickrig sind, legen die Menschen in Deutschland ihr Geld bevorzugt auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto an. Um Aktien machen sie hingegen einen Bogen.

Die Vorliebe für scheinbar sichere Anlagen kommt die Bürger teuer zu stehen: Weil Sparzinsen meist unter der Inflationsrate liegen, verlieren sie real Geld. Experten werfen der Europäischen Zentralbank (EZB) vor, mit ihrer Nullzinspolitik zugunsten kriselnder Euroländer die Sparer hierzulande zu enteignen.

Europas oberster Währungshüter Mario Draghi will sich diesen Schuh nicht anziehen. Er nehme die Sorgen sehr ernst, doch "die Zinssätze, die wir festlegen, gelten für Banken, nicht für die Menschen". Der EZB-Präsident betont: "Die Behauptung, wir wollten Sparer enteignen, ist völlig falsch." Man wolle genau das Gegenteil: das Wachstum unterstützen. Dann werde auch das Zinsniveau wieder anziehen.

Tatsächlich zeigen Zahlen der Bundesbank, dass Sparer in den vergangenen 40 Jahren immer wieder reale Verluste hinnehmen mussten, wenn sie ihr Geld in kurzfristigen Spareinlagen (maximal drei Monate Kündigungsfrist) anlegten. Und zwar nicht nur, wenn der Leitzins wie aktuell bei 0,15 Prozent liegt. Auch weitaus höhere Zinsen liegen meist noch unterhalb der Inflation, die dann die Rendite auffrisst.

Deutsche verkaufen Aktien

Aktien vertrauen deutsche Sparer hingegen nicht. Obwohl die Börsen 2013 boomten - der deutsche Leitindex DAXlegte um 25 Prozent zu -, trennten sich nach Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) rund 600.000 Menschen von Aktien oder Fonds.

Damit waren nur noch 8,9 Millionen Deutsche direkt oder indirekt in diesen Wertpapieren engagiert. DAI-Chefin Christine Bortenlänger klagt: "Gerade in der derzeit anhaltenden Niedrigzinsphase müsste die Aktie Anleger anziehen. Als relativ renditestarke Anlageform ist sie bei einer ausgewogenen Geldanlage eigentlich unverzichtbar."

Faber warnt

Im Prinzip schon, meint auch Marc Faber. Aber jetzt nicht. „Es würde mich nicht wundern, wenn der Dow Jones in den kommenden sechs bis zwölf Monaten 20 oder sogar 30 Prozent fallen würde“, so Faber in einem Beitrag für den AKTIONÄR. „Das wäre aber gar nicht mal so viel, wenn man sich anschaut, wie stark der Dow Jones in den vergangenen Jahren gestiegen ist.“

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