Deutsche Bank
- Andreas Deutsch - Redakteur

Deutsche Bank: Ohne Rücksicht auf Verluste

Knapp sieben Monate ist John Cryan nun der starke Mann an der Spitze der Deutschen Bank. Seine Bilanz aus Sicht der Aktionäre fällt verheerend aus: Seit Amtsübernahme verlor die Aktie 37 Prozent. Wann geht es wieder aufwärts?


Dass er ein kühler Analytiker ist, zeigte John Cryan am Mittwoch. „Bargeld ist fürchterlich teuer und ineffizient“, sagte der Brite beim Weltwirtschaftsforum in Davos. „Cash hilft nur noch Geldwäschern und anderen Kriminellen, ihre Geschäfte zu verschleiern.“ Seine Prognose: In zehn Jahren gibt es kein Bargeld mehr.

Hat der Mann nichts Besseres zu tun, als sich über die ferne Zukunft Gedanken zu machen? Doch, hat er. Cryan muss die Deutsche Bank sanieren. Damit hat der 56-Jährige ohne Zweifel einen der härtesten Jobs in Europa. Aber Zeit für Visionäres bleibt trotzdem.

Ob er sich unbeliebt macht, wie mit der Aussage zum in Deutschland geliebten Bargeld, ist Cryan egal. Bei der Deutschen Bank lässt er keinen Stein auf dem anderen. Er schreibt Milliarden ab, baut um, streicht die Dividende, entlässt gestandene Manager, reduziert die Belegschaft. Außerdem legt er noch mehr Milliarden für anstehende Prozesse zurück – eine weise Entscheidung angesichts von 7.000 Rechtsstreitigkeiten.

Es wundert nicht, dass der brutale Kurs dem einen oder anderen Deutschbanker nicht in den Kram passt. Laut Börsen-Zeitung kritisiert so mancher in der Belegschaft, Cryan solle die Deutsche Bank nicht schlechter machen als sie ist. Offenbar wird schon über seine Nachfolge diskutiert, so das Blatt.

Ein Schönredner hilft keinem Unternehmen, auch nicht der Deutschen Bank. Das Unternehmen kann froh sein, dass Cryan im Hauruckverfahren vorgeht und nicht mal hier, mal da etwas ändert und zuerst immer schaut, wie die Maßnahmen ankommen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Wann die Deutsche Bank wieder nachhaltig Erfolg haben wird, kann niemand sagen, vor allem nicht, solange nicht etliche Rechtsstreitigkeiten aus der Welt geschafft sind. Wunderdinge darf man von Cryan nicht erwarten – und das tut die Börse nun wirklich nicht. Aber Cryan weiß auch: Der Markt will Antworten, zum Beispiel auf die Frage, wer in Zukunft die Cash Cow der Deutschen Bank sein wird. Das Investmentbanking - zu Jains Zeiten die Gewinnmaschine der Bank - wird nämlich kräftig zurechtgestutzt.

Alle brauchen Geduld

Sobald Cryan Antworten geben kann und sobald einige Rechtsrisiken verschwunden sind, sollte der Aktienkurs wieder ein gutes Stück steigen. Doch dafür braucht es Geduld. Alle sollten sie haben: die Belegschaft, die Aktionäre und Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Doch eines ist klar: So stark und mächtig und so wertvoll wie noch vor der Finanzkrise wird die Deutsche Bank wohl in zehn Jahren nicht mehr sein.

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