Deutsche Bank
- Andreas Deutsch - Redakteur

Deutsche Bank: Keine KE, keine Übernahme - alles gut?

Die Aktie der Deutschen Bank legt am Montagmorgen kräftig zu. Grund ist ein Interview des Konzernchefs John Cryan im Spiegel. Gleich mehrere Aussagen kommen bei den Anlegern gut an.

Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, sieht den deutschen Branchenprimus trotz des extrem abgesackten Börsenkurses nicht als Übernahmekandidat. "Wir leben nicht in einer Zeit, in der die Regulatoren große Übernahmen sehen wollen. Und wir sind weiter eine sehr große Bank", sagte Cryan dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. "Ich sehe uns daher nicht als Übernahmeziel."

Auch wenn die Folgen des Brexit-Votums für die Finanzmetropole Frankfurt als Sitz der Deutschen Bank noch nicht absehbar sind: Cryan ist sich sicher, dass sein Haus von einem möglichen Austritt der Briten aus der EU profitieren kann, weil viele Kunden dann auf die Expertise des Geldhauses angewiesen seien.

Eine Kapitalerhöhung hält Cryan derzeit weder für nötig - und angesichts der anhaltenden Diskussion um offene Baustellen auch nicht für möglich: "Ich rechne damit, dass wir unser Kapital organisch aufbauen können, was wir bedauerlicherweise über viele Jahre nicht getan haben", sagte Cryan.

Cryan sagte weiter, dass die rechtlichen Auseinandersetzungen viele Investoren immer noch abschreckten. Die größten Brocken dieser Auseinandersetzungen sollen möglichst noch im laufenden Jahr aus dem Weg geräumt werden. Das kann indes noch einmal teuer werden. Für drohende Strafen hat die Bank 5,4 Milliarden Euro zurückgelegt. Das könnte nicht reichen, wie der Vorstand wiederholt prognostizierte.

Derzeit kein Kauf

Endlich hat sich John Cryan, der bislang große Schweiger, aus der Deckung gewagt und ein paar Antworten auf wichtige Fragen gegeben. Das sollte den Markt ein gutes Stück weit beruhigen. Eine Antwort ist Cryan aber schuldig geblieben: Welche Vision hat er für die Deutsche Bank? Welche Rolle soll der deutsche Marktführer im Konzert der Großen spielen? Solange sich das Sentiment nicht eindeutig verbessert hat, sollten mutige Anleger lieber auf die Commerzbank setzen.

(Mit Material von dpa-AFX)

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Andreas Deutsch | 1 Kommentar

Egbert Prior: Meine erste Aktie

Aller Anfang ist schwer an der Börse – das gilt sowohl für Profis als auch für Amateure. Exklusiv für den AKTIONÄR erinnert sich Egbert Prior, langjähriger Herausgeber der Prior Börse, an sein erstes Investment. mehr
| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Bank: Hört doch endlich auf!

Am Anfang war es einfach nur lästig: Mehrere demokratische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus forderten immer wieder Informationen von der Deutschen Bank über die Beziehungen zu Donald Trump. Der Konzern gilt als einer der größten Gläubiger des Präsidenten. Was anfangs nur wie ein politisches … mehr
| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Bank: Eine Million ist zu wenig

Wer mehr als eine Million Euro anlegen kann, hat sich bislang bei der Deutschen Bank von „Normal-Investoren“ unterschieden. Der Konzern hat dieses Klientel gesondert von den normalen Privatkunden in der Vermögensverwaltung betreut. Damit soll jetzt Schluss sein, denn die Bank will auch hier sparen. mehr
| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Bank: Vorsicht vor dem zweiten Quartal

Der Turnaround bei der Deutschen Bank ist in vollem Gange. Im Herbst will der Vorstand weitere Details zur Reintegration der Postbank in den Mutterkonzern bekannt geben. Und auch die organisatorische Abspaltung der Fondstochter Deutsche Asset Management für den Teilbörsengang soll dann … mehr
| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Bank: Der Nebel lichtet sich

Die Reintegration der Postbank in die Deutsche Bank und der Teilbörsengang der Deutschen Asset Management sind nur ein Teil der neuen Strategie des Gesamtkonzerns: CEO John Cryan will sich auch von unprofitablen Geschäftsfeldern trennen und Segmente verkaufen, die nicht zum Kerngeschäft der Bank … mehr