Commerzbank
- Andreas Deutsch - Redakteur

Chaostage an der Börse - jetzt kaufen? Das sagen die Profis

So eine Woche haben die Anleger lange nicht gesehen. Wie ein Stein fiel der DAX unter die Marke von 9.000 Punkten. Die Angst geht an der Börse: Angst vor Rezession, Deflation, Ebola, Terror und so weiter. Was sollen Anleger jetzt tun? Sollte man schon einsteigen oder noch warten?

Anlegern drohen auch in der neuen Woche weitere Chaostage an den Aktienmärkten. Selbst wenn es in den kommenden Tagen zu einer kleinen Erholungsrally kommen sollte, würde sie auf sehr tönernen Füßen stehen. Weltpolitische Risiken und die fragile Konjunktur in den Industrieländern können die Aktien jederzeit wieder in die Tiefe reißen.

„Im Grunde genommen war die Börsenkorrektur lange überfällig“, meint Christoph Bruns, Fondsmanager des Loys Global. „Zu viele zittrige Hände haben sich in den vergangenen Monaten auf den Börsenzug aufgeschwungen.“

Bruns sieht in der Korrektur eine gute Kaufchance. „Wir werden die Korrektur nutzen, um die bestehende Kassenquote abzubauen. Sollten einzelne Aktien während der Korrektur zu stark im Kurs verfallen, planen wir Aufstockungen und Neuengagements bei etlichen Werten.“

„EZB hat Pulver noch nicht verschossen“

Uwe Streich, Investmentanalyst bei Landesbank Baden-Württemberg, sieht zwar einige Gründe für den jüngsten Kursverfall – unter anderem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Frankreichs sowie die sich abschwächende Konjunktur in Deutschland. Zu diskutieren sei jedoch, ob der in Kursen ausgedrückte Pessimismus nicht übertrieben sei. „Denn der zuletzt vor allem im Vergleich zum US-Dollar spürbar gefallene Euro sollte einen konjunkturell bedingten Gewinnrückgang bei den Unternehmen abfedern“, so der Profi.

Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank räumt ein, dass die Kurse in den kommenden Tagen und Wochen weiter stark schwanken könnten. Doch die Anleger seien zuletzt zu pessimistisch geworden, zumal die EZB ihr Pulver noch nicht verschossen habe. "Mittlerweile ist die Wahrscheinlichkeit deutlich gestiegen, dass die EZB bereits in diesem Jahr handelt", schätzt Krämer. Dabei geht es um einen breit angelegten Kauf von Staatsanleihen nach US-amerikanischem Vorbild, den Experten eigentlich erst für das kommende Jahr erwarten.

Die Aussicht auf ein beherztes Eingreifen der Europäischen Zentralbank könnte Krämer zufolge die Kurse stützen: "Die Renditen deutscher Bundesanleihen haben wegen der sich abzeichnenden EZB-Staatsanleihenkäufe wohl noch nicht ihr Tief gesehen." Wenn die Kurse von Anleihen steigen, dann drückt das ihre Rendite. Das lasse Aktien mit hohen Dividendenrenditen attraktiv erscheinen und sei sein Hauptargument, warum sich die Aktienmärkte schrittweise beruhigen und auch wieder steigen dürften.

(Mit Material von dpa-AFX)

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