Deutsche Bank
- Andreas Deutsch - Redakteur

Deutsche Bank: Harte Kritik - Dividende besänftigt

Anshu Jain und Jürgen Fitschen mussten sich am Donnerstag auf der Hauptversammlung von Aktionärsschützern einiges anhören. Allerdings konnte die Doppelspitze der Deutschen Bank mit Offenheit und Ehrlichkeit punkten. Am Freitag notiert die Aktie ex Dividende. Ausgeschüttet werden 0,75 Euro je Anteil.

Kaum hat Anshu Jain seine Rede (auf Deutsch!) begonnen, wird der Co-Chef des größten deutschen Geldhauses unsanft unterbrochen. Ein Handvoll Kritiker beschimpft das Management bei der Hauptversammlung lautstark als "Krisenprofiteure", Jain lächelt unsicher und wirkt kurz etwas hilflos. Eigentlich will der Investmentbanker versichern, dass auch er voll und ganz hinter dem versprochenen "Kulturwandel" steht und mit Fehlern der Vergangenheit aufräumen will. Erst nachdem Ordner die Störer aus dem Saal gebracht haben, kann Jain den Faden wieder aufnehmen.

Jain wird kritisch gesehen

Aktionärsvertreter haben noch immer Zweifel, dass Jain der Richtige für einen Kurswechsel ist: "Erlauben Sie uns etwas reservierte Skepsis, was den ungeteilten Glauben an ihre Wandlung vom Saulus zum Paulus angeht", sagt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Markus Kienle, der für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) spricht, kann einfach nicht glauben, dass der langjährige Chef des Kapitalmarktgeschäfts nichts davon gewusst haben will, dass Investmentbanker des Instituts an Manipulationen des Referenzzinses Libor beteiligt waren: "Sie standen oben", urteilt Kienle, somit trage Jain Verantwortung. DSW-Vertreter Nieding wertet die Verwicklung von Mitarbeitern des Instituts in den Libor-Skandal als "größten Vertrauensbruch": "Das ist in etwa so, als würden Sie Falschgeld drucken und unter die Leute bringen."

Kulturwandel muss sein

Jain, Co-Chef Jürgen Fitschen und der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner beteuern immer wieder, dass es ihnen mit dem "Kulturwandel" ernst ist. "Nachhaltiger geschäftlicher Erfolg erfordert breite gesellschaftliche Akzeptanz", sagt Achleitner. Und Fitschen betont: "Der Kulturwandel gilt für jeden von uns. Wer sich da nicht dran hält, der muss sich halt was anderes suchen. Das haben wir immer gesagt, und daran wird auch nicht gerüttelt."

Chance für Mutige

Der Kulturwandel bei der Deutschen Bank wird gewiss noch länger dauern. Deutlich schneller kann es mit der Aktie aufwärts gehen - sofern das Sentiment für Finanztitel positiv bleibt. Nachholpotenzial haben die monatelangen Underperformer auf jeden Fall. DER AKTIONÄR sieht das Kursziel bei der Deutschen Bank bei 45 Euro. Der Stoppkurs sollte bei 29 Euro gesetzt werden.

Mit Material von dpa-AFX

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