Deutsche Bank
- Werner Sperber - Redakteur

Deutsche Bank: Nach Draghi, nichts wie raus

Die Fachleute der Actien-Börse beziehen sich auf die heutige Sitzung der Europäischen Zentralbank, die allerdings erst nach Redaktionsschluss der Actien-Börse begonnen hat. (Anmerkung der Redaktion: Die EZB senkte den Hauptrefinanzierungssatz von 0,05 Prozent auf null Prozent und den Spitzen-Refinanzierungssatz von 0,30 auf 0,25 Prozent. Mit diesen Schritten hatten Bankvolkswirte nicht gerechnet. Der Einlagensatz fällt weiter ins Negative, er sinkt von minus 0,30 auf minus 0,40 Prozent. Das hatten die Volkswirte erwartet.) Sparkassen und Volksbanken reduzieren ihr Filialnetz um wohl ein Fünftel und dünnen ihr Angebot aus. Die Schweizer Nationalbank erwägt, die Negativ-Zinsen wieder abzuschaffen, weil sie zwecklos sind. Die deutschen Privatanleger reagieren ebenfalls: In Hamburg und München bildeten sich letzthin Schlangen bei Banken und anderen Institutionen, die Schließfächer anbieten. Gestapelt werden 500 Euro-Noten und Gold. Obskure Theorien machen inzwischen die Runde. „Helikopter-Geld“ oder gar kein Geld sind die neuesten Theorien, die schon 100 Jahre alt sind. Darüber mag man lächeln, doch es ist genau die Konsequenz, die die Märkte aus einer Politik ziehen, die falsch ist. Was klein anfängt, kann eine Lawine werden. Dann wird die 500-Euro-Note nicht abgeschafft, sondern die Auflage zu verdoppeln sein. Negativ-Zinsen sind für die Banken eine Erpressung und für die Anleger eine Zumutung. Wenn die Notenbanken nicht mehr weiterwissen und es dennoch mit Kraftübungen versuchen, führt dies unausweichlich zu einer erheblichen Reaktion der Märkte als Antwort, indem sich das Kapital bewegt und nicht die Meinungen oder die politischen Absichten.

Die Fachleute der Actien-Börse ändern ihre Einschätzung zur Deutschen Bank AG und schließen sich nun plötzlich den Staatsfonds der arabischen Ölförderländer an, welche schon vor längerem Aktien von Banken auf der ganzen Welt verkauft haben. Die Bestätigung für diese Verkäufe liegt nicht ganz zuverlässig vor, ist aber sehr wahrscheinlich. Die Deutsche Bank kann 20 Prozent Investment-Geschäft in der Bilanzsumme mit dem vorhandenen Eigenkapital schaffen. Dort werden immer noch sogenannte toxische, also derzeit nur mit sehr hohen Verlusten zu verkaufende Derivate mit einem Wert von etwa 200 Milliarden Euro verbucht. Die Restrisiken aus den Gerichtsprozessen in den USA belaufen sich auf 3,5 bis 4,0 Milliarden Euro. Das wird glaubwürdig bilanziert. Die Deutsche Bank könnte 12,8 Milliarden Euro verdienen. Das kann sie jedoch eben nicht, solange die EZB bei Negativ-Zinsen bleibt. Das ist der Punkt, um den es in der Bewertung aller Banken geht und was die Ölscheichs völlig richtig aus der Sicht von Investoren gedeutet haben. Es ist mithin eine Investment-Entscheidung auf Zeit.



DER AKTIONÄR glaubt, Short-Seller müssen sich nach dem jüngsten Kursgewinn der Deutschen Bank AG eindecken. Dennoch sollten bei dem Bull-Zertifikat (WKN CW85LV) der Citigroup auf die Deutsche Bank teilgewinne mitgenommen und der Stoppkurs auf 0,61 Euro nachgezogen werden. 

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema: