Deutsche Bank
- Andreas Deutsch - Redakteur

Deutsche Bank: "Lange Leidenszeit" - aber Draghi lässt die Puppen tanzen

EZB-Chef Mario Draghi hat die Möglichkeit zusätzlicher geldpolitischer Lockerungen signalisiert. Anshu Jain, der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, sieht kein schnelles Ende der seit Jahren andauernden Niedrigzinsphase.

Die Europäische Zentralbank hält an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Der EZB-Rat werde die Wirkung bereits beschlossener Maßnahmen genau beobachten, sagte Notenbankchef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Sollte es notwendig werden, sei der Rat einig darin, zusätzliche unkonventionelle Schritte - dazu gehören Wertpapierkäufe - zu ergreifen. Der EZB-Rat habe seinen Mitarbeiterstab bereits damit beauftragt, Vorbereitungen für weitergehende Maßnahmen zu treffen.

Viele Bankvolkswirte gehen davon aus, dass die Notenbank ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten weiter lockern wird. Als denkbare Schritte gelten Käufe von Unternehmens- oder Staatsanleihen. Seit einigen Wochen erwirbt die Notenbank mit Forderungen besicherte Bankanleihen (Covered Bonds). Der bereits beschlossene Kauf von Kreditverbriefungen (ABS) soll nach Worten Draghis bald beginnen. Die Käufe sollten mindestens zwei Jahre lang vorgenommen werden, sagte Draghi.

Warten auf Wachstum

Unterdessen erwartet der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Anshu Jain, eine lange Leidenszeit für Europa. Ein schnelles Ende der seit Jahren andauernden Niedrigzinsphase sei nicht in Sicht, sagte er beim "Zeit"-Wirtschaftsforum am Donnerstag im Hamburger Michel: "Das kommt erst, wenn das Wachstum in Europa ein nachhaltiges Level erreicht. Das wird sicher nicht in den nächsten zwei Jahren passieren."

Im Vergleich zu den Märkten in Asien und den USA drohe Europa seine Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Als gutes Zeichen, Vertrauen zurückzugewinnen, wertete Jain aber den Bankenstresstest. Der Test der Europäischen Zentralbank (EZB), bei dem die Krisenresistenz von 130 Instituten im Euroraum untersucht wurde, habe die nationalen Regulatoren bestätigt. "Die nationalen Vorschriften sind alles andere als einfach."

Die gesamteuropäische Bankenaufsicht schaffe jetzt eine einheitliche Stimme. "Europäische Banken können verglichen werden, das bringt Vertrauen zurück."

Kursziel: 33 Euro

Der DAX macht am Donnerstag nach den Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi einen Freudensprung um 1,4 Prozent auf 9.446 Punkte. Die Deutsche-Bank-Aktie liegt mit 1,5 Prozent im Plus und überwindet die Marke von 25 Euro. DER AKTIONÄR sieht den fairen Wert des Titels bei 33 Euro. Der Stoppkurs sollte bei 21,50 Euro gesetzt werden.

 (Mit Material von dpa-AFX)

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