Deutsche Bank
- Thorsten Küfner - Redakteur

Deutsche Bank: "Das Schlimmste ist noch nicht vorbei"

Monatelang fiel und fiel die Aktie der Deutschen Bank. Nun aber sendet der Kurs endlich positive Signale. Lohnt sich jetzt der Einstieg? DER AKTIONÄR fragte nach bei Philipp Häßler, Analyst von Equinet.

Im Januar kostete eine Aktie der Deutschen Bank 40 Euro, noch vor wenigen Handelstagen mussten Anleger nur etwas mehr als 24 Euro auf den Tisch legen. Dabei war trotz aller Krisenherde die Marktstimmung keinesfalls derart schlecht. Doch der deutsche Branchenprimus fabrizierte Negativmeldungen en masse. Hohe Rechtskosten und eine Kapitalerhöhung beschleunigten den Kursverfall zusätzlich. Zuletzt hat der DAX-Titel allerdings wieder zulegen können. Dabei glückte es dem Kurs auch endlich, aus dem seit Januar gültigen Abwärtstrend auszubrechen. Dadurch hat sich das Chartbild nun erstmals seit Monaten wieder deutlich aufgehellt.

Philipp Häßler, Analyst von Equinet, führt den jüngsten Kursanstieg zudem auf das verbesserte Sentiment für Bank-Aktien zurück. 


DER AKTIONÄR: Herr Häßler, die Aktie der Deutschen Bank konnte zuletzt wieder anziehen. Worauf führen Sie die jüngste Stärke zurück?

Philipp Häßler: Es ist meiner Meinung nach eine Mischung verschiedener Faktoren. Vor allem das Sentiment für Bankaktien hat sich verbessert, was Folge einer erhöhten Risikofreude ist. Zudem könnten die im Juni angekündigten EZB-Maßnahmen (v.a. TLTRTO), die im September erstmalig in Anspruch genommen werden können, wieder etwas Fantasie für die Bankaktien entfacht haben. Man hat bei den letzten EZB-Aktivitäten bereits gesehen, dass der Markt oft etwas zeitverzögert reagiert hat. Dabei bleibt anzumerken, dass die Deutsche Bank wie auch die anderen deutschen Banken diese Unterstützung meiner Meinung nach nicht gebraucht hätten.

Glauben Sie, dass beim Thema Rechtsrisiken das Schlimmste hier schon vorbei ist?

Ich denke, dass das Schlimmste hier noch nicht vorbei ist. Da werden sicherlich noch hohe Strafen drohen: Libor-Skandal, Währungsmanipulationen, Goldpreismanipulation, der Verstoß gegen US-Sanktionen. Die Deutsche Bank hat allerdings schon erhebliche Rückstellungen gebildet. Hier wird man abwarten müssen, wie stark sich die Prozesskosten letztendlich auf das Ergebnis auswirken werden. Die Strafen werden zudem nicht alle auf einmal kommen, sondern weiterhin eher peu à peu. Das bedeutet, dass es leider keinen großen Befreiungsschlag geben wird, nach dem dieses Thema dann vom Tisch wäre.

Als eine Baustelle galt lange die Bilanz. Sehen Sie diese nach der jüngsten Kapitalerhöhung nun als stark genug an oder rechnen Sie noch mit weiteren Kapitalmaßnahmen?

Kurzfristig erwarte ich keine weitere Kapitalerhöhung. Die Frage ist letztlich: was muss die Deutsche Bank noch für ihre Rechtsrisiken bezahlen? Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt die Regulierung. Es ist durchaus möglich, dass sich die Regulierung noch einmal verschärft. Beispielsweise könnte die Leverage-Ratio von drei auf vier oder fünf Prozent angehoben werden. Ich erwarte dies zwar nicht, es ist aber auch nicht völlig abwegig. Insofern kann man auf Sicht von zwei oder drei Jahren eine Kapitalerhöhung nicht ausschließen. Auch der Stresstest der EZB bleibt ein Risikofaktor für alle Banken.

Für welche Geschäftssparten sind Sie für die kommenden Monate am zuversichtlichsten gestimmt?

Wegen der Saisonalität muss man natürlich im Auge behalten, dass im Investmentbanking das dritte und das vierte Quartal eher schwächer ausfallen. Außerdem sollten im 2.Halbjahr Restruktierungsaufwendungen und Rückstellungen für Rechtsrisiken das Ergebnis erneut deutlich belasten. In positiver Hinsicht erwarte ich, dass sich das Asset Management und das Retailbanking weiter positiv entwickeln, infolge der in den letzten Jahren eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen. Negativ ist – wie für alle Banken – das niedrige Zinsumfeld, was sich vor allem im Retailbanking und im Global Transaction Banking negative auf die Erträge auswirkt.

Bei welchem Wert sehen Sie die Aktie fair bewertet?

Wir stufen die Aktie mit Halten ein. Das Kursziel liegt bei 28,00 Euro.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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| Fabian Strebin | 0 Kommentare

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