Gazprom
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Nach den Diskussionen um Altkanzler Gerhard Schröders Tätigkeit als Berater für ein Gaspipelineprojekt von Gazprom vor rund einem Jahr hat der russische Energieriese jüngst für erneute Aufmerksamkeit in den deutschen Medien gesorgt: Gazprom wird Trikotsponsor des Fußball-Bundesligisten Schalke 04. "Auf Schalke" feiert man das russische Unternehmen bereits jetzt als Heilsbringer.

Gazprom bekommt bei diversen Öl- und Gasprojekten Unterstützung von den russischen Behörden.

Nach den Diskussionen um Altkanzler Gerhard Schröders Tätigkeit als Berater für ein Gaspipelineprojekt von Gazprom vor rund einem Jahr hat der russische Energieriese jüngst für erneute Aufmerksamkeit in den deutschen Medien gesorgt: Gazprom wird Trikotsponsor des Fußball-Bundesligisten Schalke 04. Das Engagement kann dem Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet nach Expertenansicht in den kommenden sechs Jahren mehr als 100 Millionen Euro einbringen. „Auf Schalke“ feiert man das russische Unternehmen bereits jetzt als Heilsbringer.

Behörden als "Mäzene"

Gazprom kennt sich mit Heilsbringern gut aus, schließlich hat man selbst einen prominenten – den russischen Staat. Das macht sich derzeit an einer Entwicklung bemerkbar, die Konfliktpotenzial hat: Moskau legt sich mit westlichen Großkonzernen an, um Gazprom Zugang zu aussichtsreichen Öl- und Gasprojekten im eigenen Land zu verschaffen. So haben jüngst russische Behörden die Bohrgenehmigungen für ein Konsortium unter der Führung von Royal Dutch Shell wegen umweltrechtlicher Bedenken zurückgezogen. Das Milliardenprojekt namens „Sachalin 2“ im Osten Russlands steht damit vor einer monate- oder jahrelangen Verzögerung – wenn nicht gar vor dem Abbruch. Die russischen Einwände sind nichts Überraschendes. Bereits beim Projekt „Sachalin 1“ hat Moskau den beteiligten westlichen Konzernen, darunter BP und Total, Verletzungen ökologischer Auflagen vorgeworfen.

Umweltschutz? Von wegen!

Dass Russlands plötzliche Sorgen um den Umweltschutz allerdings nur Vorwände sind, scheint auf der Hand zu liegen. Moskau will vielmehr die westlichen Konzerne zu Zugeständnissen bewegen, um heimische Konzerne – in erster Linie Gazprom, bei dem der Staat Mehrheitsaktionär ist – in größerem Maße an der Ausbeutung der Bodenschätze des Landes zu beteiligen. So gehen Marktbeobachter davon aus, dass das bislang nicht unter den „Sachalin-2“-Anteilseignern befindliche Gazprom bis zum Ende dieses Jahres mehr als 30 Prozent des Anteils von Royal Dutch Shell übernommen haben wird. Dann wäre Gazprom zu einem Viertel an dem 20 Milliarden Dollar teuren Projekt beteiligt.

Treibstoff für Gazprom?

Dass Russland nicht davor zurückschreckt, Konditionen aus in den Neunzigerjahren abgeschlossenen Verträgen neu auszuhandeln, um Gazprom an aussichtsreichen Projekten zu beteiligen, hat einen faden Beigeschmack. Doch bei aller politischen Brisanz – diese Schützenhilfe von Vater Staat könnte Treibstoff für die Aktie des Energiekonzerns sein und die bisherigen Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre schnell Makulatur werden lassen.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 43/2006.

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