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Der neue Greenspan

Ben Bernanke beerbt wohl Alan Greenspan als Chef der US-Notenbank. Der 51-Jährige dürfte den erfolgreichen geldpolitischen Kurs seines Vorgängers fortsetzen. Der 51-Jährige ist ein Anhänger von Greenspans Strategie und forderte bereits im Jahr 2000, dass dessen Weg weiterge-gangen werden müsse.

Ben Bernanke beerbt wohl Alan Greenspan als Chef der US-Notenbank. Der 51-Jährige dürfte den erfolgreichen geldpolitischen Kurs seines Vorgängers fortsetzen.

Von Andreas Deutsch

Es gibt etliche Fragen, mit denen sich die Börsianer erst dann beschäftigen wollen, wenn es nicht mehr anders geht. Hierzu zählte jahrelang: Was passiert, wenn Alan Greenspan, der "Magier der Märkte", nicht mehr Chef der US-Notenbank ist? Wird sein Nachfolger die erfolgreiche Geldpolitik der vergangenen Jahre fortsetzen? Seit knapp zweieinhalb Wochen können die Anleger beruhigt sein: US-Präsident George W. Bush hat Ben Bernanke zum neuen Fed-Vorsitzenden nominiert. Die Zustimmung des US-Senats gilt als beschlossene Sache. Der 51-Jährige ist ein Anhänger von Greenspans Strategie und forderte bereits im Jahr 2000, dass dessen Weg weiterge-gangen werden müsse. Experten trauen Bernanke zu, dass er das wichtigste Amt der internationalen Finanzszene genauso souverän ausgeübt, wie dies Greenspan 18 Jahre lang getan hat.

Exzellente Referenzen

Bernanke wurde am 13. Dezember 1953 in Augusta, Georgia, als Sohn eines Apothekers und einer Lehrerin geboren. Nach dem Wirtschaftsstudium in Havard machte er 1975 seinen Doktor am Massachusetts Institute of Technology. Gleich nach der Promotion übernahm Bernanke seine erste Lehrtätigkeit an der Stanford-Universität, von wo aus er 1985 nach Princeton wechselte. Seit 2002 war er Mitglied des Notenbank-Direktoriums. Im Juni dieses Jahres ernannte ihn US-Präsident George W. Bush zum Vorsitzenden seines wirtschaftlichen Beraterstabs. Damit wollte Bush offensichtlich testen, ob Bernanke für den Posten des Notenbankchefs geeignet ist. Die Prüfung hat der Ökonom mit Bravour bestanden. Die Aktienmärkte nahmen die Nomi-nierung Bernankes fast schon euphorisch auf: Unmittelbar nach der Meldung schoss der Dow Jones um 170 Punkte nach oben. Denn Bernanke machte unmissverständlich klar: "Meine oberste Priorität ist es, Kontinuität zu wahren." Allerdings wird der designierte Fed-Chef wohl ein Inflationsziel einführen. Dies dürfte nach Meinung von Volkswirten aber sehr breit gefasst sein und die Flexibilität der US-Notenbank nur minimal einschränken. Darüber hinaus wird es das "Greenspeak", jene viel-deutigen Reden Greenspans, in Zukunft wohl nicht mehr geben. Experten rechnen damit, dass sich Bernanke für mehr Transparenz bei der amerikanischen Geldpolitik einsetzen wird.

Im Sinne der Börsianer

George W. Bush hat mit Ben Bernanke den idealen Nachfolger für Alan Greenspan gefunden. Der 51-Jährige dürfte die investoren freundliche Geldpolitik des "Magier der Märkte" fortsetzen. Die Bekämpfung der Inflation ist notwendig, sollte aber keine negativen Auswirkungen auf die Arbeit der Fed haben. Besonders positiv ist, dass Bernanke - im Gegensatz zu seinem Vorgänger - für mehr Offenheit steht.

Artikel aus Ausgabe 46/2005

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