ETSY
- Benedikt Kaufmann

Der König ist tot! Es lebe der König!

Der Online-Marktplatz DaWanda macht ab August seine Pforten dicht – Kunden und Verkäufer des deutschen Marktführers will die US-Plattform Etsy übernehmen. Überragende Neuigkeiten für die Anleger: Die Etsy-Aktie ist im Rallyemodus.

Dass DaWanda sich nicht durchsetzen konnte, lag laut Gründerin Christina Helmig an technologischen Schwierigkeiten, die das junge Unternehmen an seine Wachstumsgrenzen stoßen ließen. Doch möglicherweise ist auch der Konkurrenzdruck von Etsy zu groß geworden. In der Nische ist oft nur Platz für einen Player – Konsolidierungen sind insbesondere bei E-Commerce-Plattformen keine Seltenheit. Angesichts der großen Konkurrenz von Amazon oder Ebay und zig tausender kleiner Webshops ist der Online-Handel ein knallhartes Geschäft. So sagte Linda Kozlowski, COO von Etsy, in einem Interview im SPIEGEL: „Wir mussten vergangenes Jahr Leute entlassen, weil wir uns auf Wachstum fokussieren mussten.“

Bereits in der Wachstumsphase achtet Etsy damit auf seine Kostenstruktur. Das Unternehmen hält diszipliniert eine Bruttomarge um 66 Prozent. Angesichts der Ausage des COO ist jedoch fraglich, ob Etsy noch Möglichkeiten hat, die Margen zu steigern. Insbesondere, wenn gleichzeitig mit den Entlassungen die Provisionen, die Etsy von seinen Verkäufern erhält, von 3,5 auf fünf Prozent angehoben werden. Wohin das Geld fließt? In das Marketing! 2018 will die Unternehmensführung die Investitionen in das Direktmarketing um 40 Prozent erhöhen. Es sollen noch mehr Käufer auf den Online-Marktplatz gelockt werden.

Heißgelaufen!

Etsy ist eine interessante Wachstumsstory und ein aussichtsreicher Nischenplayer. Nach der News um die Aufgabe DaWandas ist die Aktie noch heißer. Das KGV von 74 ist mit einem leichten Aufschlag gegenüber der Peergroup versehen. Zwar spricht die monopolartige Marktführerschaft in der Nische und das erwartete Gewinnwachstum im Bereich von 30% in den nächsten Jahren für einen gewissen Aufschlag, doch das Scheitern von DaWanda zeigt, dass unklar ist, ob das Geschäftsmodell auch nach der Wachstumsphase noch wirtschaftlich ist. DER AKTIONÄR meint: Top-Wachstum mit weiterem Potenzial – hier gilt es ein Auge drauf zu haben!

 

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