TUI
- DER AKTIONÄR

Der Kampf um TUI

Wie 2005 konnte die TUI-Aktie auch in diesem Jahr der Kursentwicklung des DAX bisher nicht annähernd folgen. In den vergangenen Wochen gab das Papier des Mischkonzerns allerdings mächtig Gas. Der Grund: Mehrere Investoren drängen mit Vehemenz auf eine Zerschlagung von TUI in ein Touristik- und ein Schifffahrtsunternehmen. Sollte der Plan tatsächlich Gestalt annehmen, könnte das TUI-Papier den jüngsten Aufwärtstrend fortsetzen.

Einflussreiche Investoren fordern vehement die Aufspaltung von TUI. Dies könnte endlich die Initialzündung für den arg gebeutelten Aktienkurs sein.

Wie 2005 konnte die TUI-Aktie auch in diesem Jahr der Kursentwicklung des DAX bisher nicht annähernd folgen. In den vergangenen Wochen gab das Papier des Mischkonzerns allerdings mächtig Gas. Der Grund: Mehrere Investoren drängen mit Vehemenz auf eine Zerschlagung von TUI in ein Touristik- und ein Schifffahrtsunternehmen. Sollte der Plan tatsächlich Gestalt annehmen, könnte das TUI-Papier den jüngsten Aufwärtstrend fortsetzen.

Sehr unzufrieden

Laut einem Bericht der Financial Times Deutschland haben mehrere Großinvestoren, darunter der britische Vermögensverwalter Hermes, TUI-Chef Michael Frenzel zu einer Aufspaltung des Hannoveraner Konzerns binnen sechs bis 18 Monaten aufgefordert. Unzufrieden sind sie vor allem mit dem schwachen Aktienkurs des Unternehmens. „Die Intransparenz über das Renditepotenzial der beiden Sparten Touristik und Schifffahrt schreckt die Aktionäre ab“, heißt es. „Es ergeben sich zwischen den beiden Geschäftssparten einfach keine Synergien“, kritisieren die Analysten von Cheuvreux. Frenzel will diese Vorwürfe nicht gelten lassen. Der TUI-Chef hat in der Vergangenheit alles dran gesetzt, um sich neben der Touristik mit der Containerschifffahrt ein zweites, sicheres Standbein aufzubauen. Deswegen übernahm TUI im letzten Jahr für 1,7 Milliarden Euro die kanadische Reederei CP Ships.

Kommt die Übernahme?

Aus diesem Grund ist die Zukunft des Konzerns nun eng mit Frenzels persönlichem Schicksal verknüpft. Mit ihm an der TUI-Spitze wird sich eine Aufspaltung nicht machen lassen; das ist auch den Investoren klar. Daher ist es wahrscheinlich, dass Frenzel auf der nächsten Hauptversammlung im Mai 2007 als Vorstandschef abgelöst wird. Die jüngste Entwicklung bei TUI erinnert stark an den Fall Deutsche Börse im vergangenen Jahr, als Investoren erheblichen Druck auf den Vorstand ausübten und so den Aktienkurs nach oben trieben. Wie der damalige Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert will nun auch Frenzel kämpfen. Nach einem Bericht des Focus hat er bereits die Landesregierungen in Hamburg und Niedersachsen gebeten, ein größeres Aktienpaket von TUI zu kaufen. Damit will der Konzernchef eine Übernahme verhindern. Frenzel soll argumentiert haben, die Politik könne mit einem Einstieg den drohenden Verkauf von Hapag-Lloyd verhindern.

Die TUI-Tochter und Traditionsreederei ist das Filetstück des Konzerns. Laut Branchenkennern könnte Finanzinvestoren der Verkauf von Hapag-Lloyd inklusive CP Ships bis zu fünf Milliarden Euro einbringen. Damit wäre die Sparte derzeit 14 Prozent mehr wert als der gesamte TUI-Konzern (aktuelle Marktkapitalisierung: 4,38 Milliarden Euro). Potenzielle Käufer für Hapag-Llyod gibt es eine Menge – zum Beispiel den Marktführer APMøller-Maersk. Ebenso wie einige asiatische Konzerne verfügen die Dänen über die nötigen finanziellen Mittel. Obwohl die Gewinne der Reedereien wegen schwacher Frachtraten zuletzt deutlich gesunken sind, stehen die Unternehmen wegen des zunehmenden Welthandels vor einer exzellenten Zukunft. Experten bescheinigen der Branche langfristig die Chance auf zweistellige Renditen.

Es wird spannend

Das Ziel der Großinvestoren, TUI zu zerschlagen, zeigt, dass der Konzern in Einzelteilen viel mehr wert wäre, als es seine aktuelle Marktkapitalisierung aussagt. Je mehr Druck sie auf das Management ausüben, desto besser ist dies für den Aktienkurs. Sogar eine Übernahme des Konzerns ist bei einem Börsenwert von nur 4,38 Milliarden Euro durchaus wahrscheinlich. Anleger sollten aber Geduld mitbringen. Diese könnte sich – wie der Fall Deutsche Börse gelehrt hat – sehr lohnen.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 44/2006.

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