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Der Drache lebt

Die Volksrepublik ist allein in den ersten neun Monaten 2006 mit einer Jahresrate von 10,7 Prozent gewachsen. Und das trotz der verstärkten Bemühungen der Regierung, die Wirtschaft im Zaum zu halten. Zahlreiche Fondsmanager haben wegen der guten Aussichten in der Region ihre Assett Allocation verändert und setzen nun verstärkt entweder direkt auf chinesische Aktien oder auf solche, die den Großteil ihrer Erlöse im Reich der Mitte erzielen.

China wächst weiter in einem atemberaubenden Tempo. Kein Wunder, dass die Aktien chinesischer Internetfirmen wieder Gas geben.

Die Volksrepublik ist allein in den ersten neun Monaten 2006 mit einer Jahresrate von 10,7 Prozent gewachsen. Und das trotz der verstärkten Bemühungen der Regierung, die Wirtschaft im Zaum zu halten. Zahlreiche Fondsmanager haben wegen der guten Aussichten in der Region ihre Assett Allocation verändert und setzen nun verstärkt entweder direkt auf chinesische Aktien oder auf solche, die den Großteil ihrer Erlöse im Reich der Mitte erzielen. Der Konjunkturboom lässt Industrien wie die Telekommunikation oder auch das Internet aus allen Nähten platzen. So belegt China bei der Zahl der Handynutzer bereits den zweiten Platz in der Weltrangliste – lediglich in Amerika gibt es noch mehr. Mit der steigenden Zahl der Internetnutzer – aktuell sind rund 123 Millionen Chinesen online – und der zunehmenden Kaufkraft ist das Medium für die Werbeindustrie höchst interessant. Experten sagen der Branche jährliche Steigerungsraten von 30 bis 40 Prozent voraus. Von dieser Entwicklung profitieren sollten Firmen wie Baidu.com, vielfach als chinesische Google gepriesen, sowie die beiden Internetportale Sina und Sohu.

Sohu und Sina

Die Aktien haben seit Mai rund 22 Prozent an Wert verloren, bei Sina beträgt das Minus 15 Prozent. Damit sind die Titel gemessen an ihrem Potenzial wieder attraktiv bewertet. Sohu hat den Fokus auf Sportinhalte gelegt und positioniert sich bereits jetzt für die Olympischen Spiele 2008 im eigenen Land. Noch im November soll ein eigener Olympia-Channel eingerichtet werden, dies dürfte die Werbeeinnahmen weiter in die Höhe treiben. Viele Veranstaltungen, die mit Olympia 2008 in Zusammenhang stehen, werden bereits 2007 stattfinden – die Deutschen kennen das von der Fußball-WM 2006. Im dritten Quartal lagen die Online-Werbeeinnahmen mit 23,8 Millionen Dollar um 9,1 Prozent über denen des zweiten Quartals. Mit NuCom Media Group wird Sohu zukünftig zudem die chinesische Internetseite der US-Basketballliga NBA aufpeppen; geplant sind unter anderem 87 Live-Video-Streams von den Spielen.

Das Internet-Portal, spezialisiert auf Nachrichten, ist in vielerlei Hinsicht ein echter Hingucker: Unter Experten gilt Sina als das Portal mit dem stärksten Markennamen im chinesischen Internet. Zudem verfügt das Unternehmen über eine einkommensstarke Nutzerschaft und eine schnell wachsende Blog-Gemeinde. Dies alles macht Sina zu einem attraktiven Übernahmeziel. Aktuell hält der Game-Entwickler Shanda einen Anteil von rund 20 Prozent an Sina. Shanda braucht aber Kapital, um eine 2007 fällig werdende Anleihe zurückzahlen. Analysten gehen davon aus, dass Shanda seinen Anteil verkauft, um die Rückzahlung zu finanzieren und damit den Weg für andere Investoren ebnet. Als heißester Anwärter gilt Tom Online. Der Anbieter von Diensten für das drahtlose Internet verfügt über mehr als 200 Millionen Dollar an Reserven und könnte den Shanda-Anteil stemmen. Der Kauf der Aktien ist nicht ganz risikolos, denn immerhin werden die Titel bereits mit dem 31-Fachen ihrer nächstjährigen Gewinne bewertet. Das macht Sina anfällig für Kursschwankungen. Auf der anderen Seite nähren die guten Quartalszahlen von Baidu Fantasien auf eine positive Überraschungen auch bei Sina. Analysten erwarten für das dritte 52,8 Millionen Dollar Umsatz und einen Gewinn pro Aktie von 0,18 Dollar.

Baidu mit Heimvorteil

Im chinesischen Internet macht Baidu keiner was vor: Mit einem Marktanteil von mehr als 62 Prozent verweist die Suchmaschine den US-Riesen Google (23 Prozent) klar auf den zweiten Platz. Im dritten Quartal hat Baidu den Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 900 Prozent gesteigert. Insbesondere die Einnahmen aus der Online-Werbung haben die Geschäfte beflügelt. „Baidu wächst wie verrückt“, kommentierte Jason Brueschke von der Citigroup die Zahlen. Für das vierte Quartal hat der Konzern die Erwartungen gedämpft und Investitionen in ein neues Online-Werbe-Modell angekündigt. Die Entscheidung, kurzfristige Umsätze für langfristige Gewinne zu opfern, zeugt aber von der Qualität des Managements.

Drei Chinakracher im Depot

Baidu ist als Suchmaschine eine Macht und investiert ebenso wie Sohu aggressiv in neue Technologien. Sina hingegen gilt als heißer Übernahmekandidat und profitiert von der Qualität seiner Nutzer. Alle drei Unternehmen taugen hervorragend als Depotbeimischung für risikofreudige Investoren.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 46/2006.

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| Werner Sperber | 0 Kommentare

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