- DER AKTIONÄR

Der Crash des Jahrhunderts

Was am 19. Oktober 1987 - also fast genau vor 20 Jahren - an den Börsen geschah, hat so manchen Anleger für eine lange Zeit traumatisiert. Der Schwarze Montag hat die Finanzwelt erschüttert. Sind solch herbe Verluste heute noch möglich?

Der Schwarze Montag hat die Finanzwelt erschüttert. Sind solch herbe Verluste heute noch möglich?

Was am 19. Oktober 1987 - also fast genau vor 20 Jahren - an den Börsen geschah, hat so manchen Anleger für eine lange Zeit traumatisiert. An diesem Tag erlebte die Finanzwelt einen Crash nicht gekannten Ausmaßes. Der Dow Jones verlor über 500 Punkte oder 23 Prozent und riss alle anderen Indizes mit sich.

Was war passiert?

Um die Ursachen für den Crash zu verstehen, muss man weiter zurückgehen. Nach einem 10-jährigen Seitwärtstrend setzten die Märkte 1982 zu einer langen Hausse an. Bis zum Sommer 1987 hatte der Dow Jones um 170 Prozent zugelegt, sich seit 1985 sogar fast verdoppelt. Dies ist nicht zu einem geringen Teil das Verdienst von Ronald Reagan. Der damalige US-Präsident hatte die Steuern und die Sozialausgaben drastisch gesenkt, die Rüstungsausgaben deutlich erhöht und so für den Aufschwung gesorgt.

Kettenreaktion

Allerdings nahm auch die Verschuldung der USA während Reagans Amtszeit gigantische Ausmaße an. Außerdem stieg die Inflation bedrohlich an und der Dollar wertete immer weiter ab. Da die US-Regierung die wirtschaftlichen Probleme nicht in den Griff bekam, sprach im Spätsommer 1987 vieles für einen Abschwung. An den Märkten wuchs die Sorge, die amerikanischen Probleme könnten die Weltwirtschaft in die Krise stürzen. Die Folge: Bereits vor dem Schwarzen Montag verlor der Dow Jones in wenigen Wochen fast 500 Punkte.Die Ankündigung von US-Finanzminister James Baker am 18. Oktober 1987, den Dollar nicht weiter zu stützen, brachte das Fass zum Überlaufen. Für eine Verstärkung der Panik sorgten Gerüchte, US-Unternehmen seien in Schwierigkeiten geraten. Auch die damals noch neuen elektronischen Handelssysteme der institutionellen Investoren forcierten den Crash, indem sie unaufhörlich riesige Aktienpakete auf den Markt warfen.

Der Schwarze Montag war gleichzeitig die erste Bewährungsprobe für Alan Greenspan als US-Notenbankchef. Unmittelbar nach dem Crash machte Greenspan klar, dass er dem Finanzmarkt Liquidität zur Verfügung stellen wird. Innerhalb weniger Wochen senkte er die Zinsen von 7,5 auf 6,75 Prozent. Darüber hinaus begannen die Unternehmen zügig damit, eigene Aktien zurückzukaufen - und steigerten so das Vertrauen der Anleger.

Fazit

Der Schwarze Montag war die Summe mehrerer fataler Entwicklungen. Dass sich ein solcher Crash wiederholt, ist unwahrscheinlich. Dafür gibt es zwei Gründe: 1. Der Computerhandel ist mittlerweile mit Sicherheitsbremsen ausgestattet. Fällt der Dow Jones um 350 beziehungsweise 550 Punkte, wird der Handel automatisch 30 respektive 60 Minuten ausgesetzt. 2. Die Liquidität im Markt ist viel höher. Heute sind die Chancen, einen Abnehmer für große Aktienpakete zu finden, deutlich größer als 1987.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 42/2007.

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