Thestreet.com
- DER AKTIONÄR

Der Börsenpsychopath

Wenn sich der Mann mit der Glatze und dem Haifisch-Lächeln aufregt, dann verändert sich seine Gesichtsfarbe schlagartig in ein dunkles Rot. Laut, grell, polarisierend: TheStreet.com-Gründer James Cramer ist das Enfant terrible der US-Finanzszene.

Laut, grell, polarisierend: TheStreet.com-Gründer James Cramer ist das Enfant terrible der US-Finanzszene.

Wenn sich der Mann mit der Glatze und dem Haifisch-Lächeln aufregt, dann verändert sich seine Gesichtsfarbe schlagartig in ein dunkles Rot. Und James Cramer regt sich oft auf: Über unfähige Manager, unfähige Notenbanker oder ahnungslose Anleger, die in seiner Fernsehshow „Mad Money“ anrufen, um sich Rat in Aktienangelegenheiten zu holen. Die Show genießt, ebenso wie die regelmäßigen Gastauftritte bei CBS oder im Radio, trotzdem längst Kultstatus. Kaum weniger populär ist die Finanzseite TheStreet.com, die von Cramer in den Neunzigern gegründet wurde und die heute als eine der besten Adressen gilt, wenn es um unabhängige Finanzberichterstattung geht.

Expansion in Riesenschritten

Aber so sehr sich die Anleger für die zahlreichen Anlagetipps auf den Seiten interessieren – allein im dritten Quartal verbuchte TheStreet.com 300 Millionen Pageviews – so wenig Notiz haben sie in den vergangenen Jahren von TheStreet.com als Aktie genommen. Was fehlte, war ein überzeugendes Konzept, wie sich der Erfolg der Seite in Geld verwandeln ließ. Nun aber liegen Pläne auf dem Tisch, die das ändern sollen. Zunächst steht ein überarbeitetes Design für Thestreet.com auf der Agenda. Videobeiträge werden dann auf allen Seiten verfügbar sein, nicht mehr nur in der TV-Sparte. Zudem wird an neuen Online-Werbeformen gefeilt und wie sich diese effizienter platzieren lassen. Der Aufbau von Mainstreet.com, einem neuen Finanzportal, ist ebenfalls in Planung, ebenso wie eine Vereinbarung mit AOL zur gemeinsamen Verbreitung von Inhalten. Besonderen Charme bietet darüber hinaus die Tochter Stockpicker.com, ein rasant wachsendes „Aktienguru“-Portal mit Web-2.0-Charakter.

Gut gerüstet

Schon im dritten Quartal konnte Thestreet.com mit guten Quartalszahlen überzeugen. Die Zahl der Seitenabrufe stieg im Jahresvergleich um 65 Prozent, Umsatz und Gewinn erhöhten sich auf 12,9 Millionen Dollar beziehungsweise 3,8 Millionen Dollar. Und Vorstandschef Thomas J. Clarke ist optimistisch, dass sich die positiven Trends dank der eingeleiteten Maßnahmen fortsetzen. Werden alle Projekte planmäßig umgesetzt, könnte Thestreet.com im kommenden Jahr 85 Millionen Dollar umsetzen und dabei einen Gewinn von 0,70 Dollar pro Aktie erzielen. Die Zahlen könnten aber auch besser ausfallen, denn durch den Verkauf von Firmenanteilen sind dem Unternehmen jüngst 55 Millionen Dollar in die Kasse gespült worden – Geld, das für weitere Übernahmen eingesetzt werden kann.

Fazit

Es gibt nur wenige US-Finanzseiten, die es mit TheStreet.com aufnehmen könnten. Das macht das Unternehmen nicht nur für die Leser und die Werbekunden interessant, sondern auch für andere Internetportale: Seit Längerem gilt TheStreet als Übernahmekandidat.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 50/2007.

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