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Der blanke Hohn

Kaum eine Hauptversammlung wurde jemals mit so viel Spannung erwartet wie die der Deutschen Börse AG am heutigen Mittwoch. Allerdings scheint das Gefecht...

Kaum eine Hauptversammlung wurde jemals mit so viel Spannung erwartet wie die der Deutschen Börse AG am heutigen Mittwoch. Allerdings scheint das Gefecht zwischen Management und dem "Rebellen-Hedgefonds" TCI größtenteils schon gelaufen.

Von Stefan Eichner

Ein Manager führt sein Unternehmen von Rekordgewinn zu Rekordgewinn und wird dennoch vor die Tür gesetzt. Diese schmerzliche Erfahrung musste jüngst Werner Seifert, (Ex-) Chef der Deutschen Börse machen. Dieser stolperte über die von Ihm angestrebte Übernahme der London Stock Exchange (LSE) für zwei Milliarden Euro.

Der Deal wurde in erster Linie von Hedgefonds - dank Franz Müntefering nun besser bekannt als "Heuschrecken" - vereitelt: Die rebellischen Anteilseigner unter der Führung des britischen Hedgefonds "The Childrens Investment" (TCI) forderten vehement eine Ausschüttung der prall gefüllten Kriegskasse an die Aktionäre. Wochenlang machte TCI-Chef Chris Hohn gegen Werner Seifert Stimmung, bis dieser schließlich am 9. Mai aufgab und aus seinem Amt ausschied - ein Novum in der deutschen Unternehmensgeschichte. Heute nun kommt es zum mit Spannung erwarteten ersten öffentlichen Zusammentreffen zwischen der Unternehmensführung und den ausländischen Anteilseignern.

DAX-Elite als Zaungäste

Rund 90 Journalisten haben sich heute für die möglicherweise brisante Sitzung akkreditiert, um den Wortführer der kritischen Aktionäre Chris Mohn zu Gesicht zu bekommen. Doch auch viele DAX-Vorstände haben sich im Vorfeld ein Ticket gesichert, um die Machenschaften der Hedgefonds unter die Lupe zu nehmen - ein nachvollziehbares Interesse. Schließlich suchen immer mehr "Heuschrecken" Beteiligungen an den deutschen Elite-Firmen und weiten so auch Ihren Einfluss auf die Unternehmensstrategien aus.

(Heu-) Schreck, lass nach!

Trotz aller Brisanz sieht es derzeit nicht nach einem spektakulären Showdown in der Frankfurter Jahrhunderthalle aus. Dies verwundert nicht, schließlich hat Chris Mohn seine Ziele größtenteils erreicht und zuletzt auch nicht mehr auf die sofortige Abwahl von Aufsichtsratschef Rolf Breuer bestanden. Die Deutsche Börse begrüßte zuletzt sogar die "konstruktive Haltung" Hohns. Die "Explosionsgefahr" scheint gebannt. Somit ist zur Stunde nicht mehr damit zu rechnen, dass der öffentlichkeitsscheue Chris Mohn überhaupt, wie zuvor angekündigt, in Frankfurt auftaucht.

Was bleibt, ist lediglich ein Gegenantrag der Fondsgesellschaft Union Investment, die eine vollständige Ausschüttung des Bilanzgewinns in Höhe von 227 Millionen Euro beantragt hatte. Das Börsenmanagement hatte nur 78 Millionen (70 Cent je Aktie) zur Ausschüttung vorgeschlagen, der Rest soll in die Gewinnrücklagen fließen.

Hohes Konfliktpotenzial ist also nicht mehr vorhanden, Chris Hohn bleibt ein "Phantom" und die Unterrichtsstunde für die DAX-Manager zum Thema "Mythos Hedgefonds" entfällt.

Die Aktie der Deutschen Börse fällt bis 12 Uhr 30 um 0,4 Prozent auf 58,95 Euro.

 

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