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- DER AKTIONÄR

Der Billionenmarkt

Im Jahre 1850 hatte Paul Julius Reuter, ein aus Kassel stammender Kaufmann, eine sensationelle Idee, die ihm innerhalb weniger Jahre Ruhm und Reichtum brachte. Er gründete zunächst in Aachen und ein Jahr später in London die Agentur Reuters und versorgte schon bald viele Zeitungen und deren Leser mit Nachrichten aller Art. Ein weiteres Kapitel in der Erfolgsgeschichte könnte die neue Devisenbörse FXMarketspace werden.

Der englische Traditionskonzern Reuters steigt in den Handel mit Devisen ein. Der Aktie könnte dies auf die Sprünge helfen.

Im Jahre 1850 hatte Paul Julius Reuter, ein aus Kassel stammender Kaufmann, eine sensationelle Idee, die ihm innerhalb weniger Jahre Ruhm und Reichtum brachte. Er gründete zunächst in Aachen und ein Jahr später in London die Agentur Reuters und versorgte schon bald viele Zeitungen und deren Leser mit Nachrichten aller Art. 156 Jahre später zählen nicht nur etliche Zeitungen, sondern auch Zeitschriften, Radiostationen, Fernsehsender und Internetseiten rund um den Erdball zu den Abnehmern von Reuters-Meldungen. Darüber hinaus versorgt der Konzern Investoren mit Finanzinformationen wie Charts und Kurse. Ein weiteres Kapitel in der Reuters-Erfolgsgeschichte könnte die neue elektronische Devisenbörse FXMarketspace werden, die im ersten Quartal 2007 an den Start gehen soll. Doch diese Innovation ist nicht der einzige Grund, warum die Reuters-Aktie einen genauen Blick wert ist.

Die Innovation

FXMarketspace ist ein 50/50-Joint-Venture von Reuters und der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME). Die neue Devisenplattform richtet sich vor allem an Großinvestoren wie Hedgefonds, die sich mittlerweile viel in Währungsgeschäften engagieren. Mark Robson, Chef von FXMarketspace, ist sich sicher, dass die Plattform ein voller Erfolg wird: „Es gibt mehrere Punkte, bei denen wir den Anforderungen der Kunden entsprechen“, sagte Robson vor kurzem in einem Interview mit der Financial Times Deutschland (FTD). „Die Schnelligkeit ist dabei entscheidend.“ Der Devisenmarkt ist einer der größten und liquidesten Märkte überhaupt. Nach Angaben von Reuters werden mit Devisen zwei Billionen Dollar umgesetzt – am Tag! Die großen Profiteure dieser Entwicklung sind die Plattformanbieter, die bei jeder Transaktion ordentlich mitverdienen. Laut FTD will FXMarketspace im Jahr 2008 schwarze Zahlen schreiben. Im nächsten Jahr wird indes voraussichtlich ein Anfangsverlust von 45 Millionen Dollar anfallen.

Günstiger als die Konkurrenz

Aber auch ohne FXMarketspace steht Reuters derzeit gut da. Nach besser als erwartet ausgefallenen Zahlen für das erste Halbjahr hoben die Engländer jüngst ihre Prognosen für das Gesamtjahr leicht an. So soll der Umsatz statt fünf nun fünf bis sechs Prozent zulegen. Bemerkenswerter ist allerdings die Dynamik beim Gewinnwachstum: Die Analysten gehen davon aus, dass Reuters im nächsten Jahr das Ergebnis um 33 Prozent auf 451 Millionen Euro steigern wird. Damit ergibt sich ein KGV für 2007 von lediglich 17, womit die Reuters-Aktie historisch günstig bewertet ist. Zudem sind die Konkurrenten Thomson Corp. und Dow Jones mit einem 2007er-KGV von jeweils 22 ein gutes Stück teurer. Positiv bei Reuters ist auch, dass der Nachrichtenkonzern verstärkt in boomende Märkte wie China und Indien investieren will. Für mehr Umsatz sollen auch neue Informationsangebote sorgen. Darüber hinaus hat das Traditionsunternehmen in den vergangenen Monaten deutlich an der Kostenschraube gedreht: Bis Ende dieses Jahres will Reuters-Chef Tom Glocer insgesamt umgerechnet rund 650 Millionen Euro eingesparen.

Für Langfristanleger

FXMarketspace könnte sich für Reuters als kleine Goldgrube erweisen. Auch die Konzentration auf stark wachsende Märkte wie China sollten die Kassen der Briten weiter klingeln lassen. Schnelle Kursgewinne sind mit der Reuters-Aktie zwar nicht zu erzielen, das Papier ist allerdings ein solides Langfristinvestment.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 35/2006.

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