- DER AKTIONÄR

Dem Schmelzpunkt entgegen

Die Produzenten von Eisenerz haben einen saftigen Preisaufschlag durchgesetzt. Die Gewinne bei Rio Tinto und BHP Billiton bewegen sich auf Rekordniveau. Kurzfristig dürften die Papiere aber heiß gelaufen sein.

Die Produzenten von Eisenerz haben einen saftigen Preisaufschlag durchgesetzt. Die Gewinne bei Rio Tinto und BHP Billiton bewegen sich auf Rekordniveau. Kurzfristig dürften die Papiere aber heiß gelaufen sein.

Von Olaf Hordenbach

Wer bei dem Wort Mine nur an so glanzvolle Metalle wie Gold und Silber denkt, der wird beim Anblick von Eisenerz wohl eher enttäuscht sein. Das rötliche Produkt kommt recht fad daher, sieht aus wie zerbröselte Erde. Und doch war es das Eisenerz - und nicht Gold und Silber - mit dem Anleger in den vergangenen Monaten richtig gut Geld verdienen konnten.

Unstillbarer Hunger nach Rohstoffen

Der Grund für die positive Entwicklung ist mal wieder China. Das Land hat seit dem Jahr 2000 seine Einfuhren von Eisenerz aus aller Welt auf 210 Millionen Tonnen verdreifacht. Damit wandert fast die Hälfte der globalen jährlichen Eisenerzproduktion in das Riesenreich. Davon profitieren vor allem die australischen Eisenerzproduzenten Rio Tinto und BHP Billiton, die auch zu den Favoriten vom AKTIONÄR gehören. Seit der Empfehlung haben ihre Aktien um 39 Prozent beziehungsweise 61 Prozent zugelegt.

Sagenhafte Preiserhöhungen

Doch jede positive Seite hat auch ihre negative. Denn worüber Rio Tinto und BHP Billiton frohlocken können, treibt den Stahlherstellern und Stahlverarbeitern, die auf die Eisenerzlieferungen angewiesen sind, die Schweißperlen auf die Stirn. So hat der weltweit größte Eisenerzproduzent, die brasilianische Gesellschaft Companhia Valle do Rio Doce (WKN 897 998), erst vor wenigen Tagen mit der südkoreanischen Posco eine Preiserhöhung um sagenhafte 71,5 Prozent vereinbart. Posco ist der weltweit fünfgrößte Stahlhersteller. In Verhandlungen stehen die Brasilianer derzeit auch mit ThyssenKrupp. Es ist zu befürchten, dass auch die deutschen Stahlhersteller einen ähnlich saftigen Preisaufschlag hinnehmen müssen. Um 71,5 Prozent nach oben geht es auch mit den Preisen, die Rio Tinto, der zweitgrößte Eisenerzlieferant, mit dem japanischen Abnehmer Nippon Steel ausgehandelt hat.

Schwierige Zeiten für Stahlhersteller

Aus Branchenkreisen war zu hören, dass die Stahlproduzenten die Preiserhöhungen zwar nicht akzeptieren wollten - man war ursprünglich von einer Anhebung um "nur" 50 Prozent ausgegangen -, letztendlich aber zum Zuschlag gezwungen waren, um nicht einen Produktionsausfall zu riskieren. Das Problem für die Stahlproduzenten ist dabei, dass sie die Preiserhöhungen nicht unmittelbar an ihre eigene Kundschaft, zu der unter anderem die Automobil- und Bauindustrie gehört, weitergeben können. Sie sind ihrerseits wiederum an langfristige Verträge gebunden, die die Preise für Stahl festschreiben. Nun muss in mühsamen Verhandlungen ein neues Preisgefüge vereinbart werden. Und obwohl auch noch hohe Energiekosten auf die Margen der Stahlproduzenten drücken, ist schon jetzt absehbar, dass der Preisaufschlag für das Ausgangsmaterial Eisenerz nicht im vollen Umfang an die Endkunden weitergegeben werden kann. Damit dürfte klar sein, dass die jüngsten Rekordergebnisse der Stahlhersteller im Jahr 2005 kaum zu wiederholen sein werden. Auf der Gewinnerseite bleiben dagegen die Eisenerzproduzenten Companhia Valle do Rio Doce, Rio Tinto und BHP Billiton. Sie werden nach Rekordergebnissen für das zurückliegende Jahr - so hat BHP für das im Dezember beendete erste Halbjahr eine Gewinnsteigerung um 110 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar gemeldet - auch im neuen Jahr sensationelle Ergebnisse einfahren.

Konsolidierung abwarten, dann einsteigen

Fazit: Mit KGVs für das Jahr 2005 von 15 bei BHP Billiton und 14 bei Rio Tinto ist noch reichlich Aufwärtspotenzial vorhanden. Kurzfristig dürften die Papiere jedoch etwas heiß gelaufen sein, so dass man erst nach einer kleinen Konsolidierung einsteigen beziehungsweise bestehende Depotpositionen ausbauen sollte. Bei Rio Tinto bietet sich in Deutschland ein Abstauberlimit bei 25,50 Euro an, bei BHP Billiton kann man im Bereich der 10-Euro-Marke Käufe tätigen.

 

Hinweis: Der Artikel ist in Ausgabe #11/05 von DER AKTIONÄR erschienen.

 

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