DAX
- Michael Schröder - Redakteur

DAX vor Notenbanksitzung: Schaukelbörse oder Durchmarsch auf 12.000 Punkte?

Gestützt von guten Vorgaben der Börsen in Übersee dürfte der DAX zunächst mit Kursgewinnen in die neue Handelswoche starten. Neuerliche Eskapaden am Anleihemarkt oder auch der Eurokurs könnten im Anschluss aber für eine Rallye oder steile Talfahrt des Leitindex sorgen. Konjunkturdaten wie etwa der deutsche Ifo-Index oder auch Details aus den Sitzungsprotokollen der Notenbanken haben ebenfalls Potenzial, für eine Schaukelbörse zu sorgen. Dagegen neigt sich die Berichtssaison ihrem Ende zu.

Die weitere Entwicklung am Anleihe- und am Devisenmarkt dürfte weiter im Fokus stehen. Der Sturm nach der "Renditeeruption" bei den Anleihen dürfte sich etwas legen, erwartet Helaba-Analyst Ulf Krauss. Doch immer noch befinde sich das extrem niedrige Zinsniveau auf wackeligem Boden. Für "unklar" hält es die HSH Nordbank, ob der Ausverkauf von Staatsanleihen weitergeht, was dann wiederum für Verwerfungen am Aktienmarkt führen dürfte. Bei einigen Marktteilnehmern finde wegen der sinkenden Deflationsgefahr aktuell eine Neubewertung der Anleihemärkte statt. Die Ergebnislosigkeit der Griechenland-Verhandlungen spreche allerdings für bald wieder rückläufige Bond-Renditen.

Die Euro/Dollar-Entwicklung bleibt ebenfalls weiter entscheidend für die Tendenz am Aktienmarkt. Immerhin hat der Euro Mitte April weniger als 1,06 Dollar gekostet, zuletzt aber nach schwachen US-Wirtschaftsdaten auf über 1,14 Dollar zugelegt und auf den DAX gedrückt. Ein erstarkender Euro belastet die exportorientierten deutschen Unternehmen und damit auch deren Aktienkurse, da deren Waren außerhalb der Eurozone teurer werden.

Impulse von der Konjunkturseite seien kaum zu erwarten - die Daten kämen eher aus der zweiten Reihe, sagte Volkswirt Dirk Gojny von der National-Bank in Essen. Fortschritte im Griechenland-Prozess seien auch nicht zu erwarten. Dass das Land jedoch bereits eigene Mittel beim IWF habe nutzen müssen, um die fällige Kredittranche zu bedienen, mache deutlich, dass die Cash-Reserven wohl nahezu aufgebraucht seien. "Das Ende des Griechenland-Dramas dürften näher rücken: Ausgang offen", sagte Gojny.

Bevor am Donnerstag die Europäische Zentralbank ihr Protokoll vorlegt, wird zur Wochenmitte die Mitschrift des Offenmarktausschusses FOMC der US-Notenbank veröffentlicht und auf dessen Stimmungslage abgeklopft. Nach zahlreichen enttäuschenden Konjunkturdaten aus der weltweit größten Volkswirtschaft setzt sich zunehmend die Auffassung durch, dass die Fed ihre für den Spätsommer erwartete Zinswende verschieben könnte. Das würde die Aktienmärkte vorerst weiter unterstützen, da Aktien im Tiefstzinsumfeld damit weiter als Geldanlageform gefragt blieben.

Am Freitag rückt der Ifo-Index in den Fokus, der die Stimmung der gewerblichen heimischen Wirtschaft widerspiegelt, und wie die Stimmungsindikatoren aus der Eurozone am Donnerstag einen kleinen Dämpfer zeigen dürften. "Dies würde unterstreichen, dass es trotz der konjunkturellen Verbesserung keineswegs rund läuft", schrieb Analyst Christian Apelt von der Landesbank Helaba. Zudem stehen die Inflationsdaten aus den USA und der Eurozone zur Veröffentlichung an.

Unternehmensseitig dürfte es in der neuen Woche hingegen recht ruhig zugehen, denn die meisten großen Konzerne haben ihre Bilanzen bereits veröffentlicht. Einzig der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck steht in dieser Woche noch mit Geschäftszahlen auf der Agenda. Dank des Flüssigkristall-Geschäfts dürften die Darmstädter am Dienstag die Markterwartungen für das erste Quartal leicht übertreffen, erwartet die schweizerische Bank UBS. United Internet, Deutsche Wohnen und der Ingenieur-Dienstleister Bertrandt legen in der zweiten Reihe Zahlen vor.

Der wichtige, marktbreite US-Index S&P-500-Index hatte am Freitag erneut einen Schlussrekord erreicht. Auch an der Tokioter Börse waren die Vorzeichen am Morgen überwiegend grün. In der Vorwoche hatte der deutsche Leitindex noch seinen seit Mitte April vorherrschenden, leichten Abwärtstrend fortgesetzt und im Wochenverlauf ein Minus von 2,2 Prozent verbucht.

Anleger, die der Empfehlung des AKTIONÄR gefolgt sind, mit einem Abstauberlimit beim Turbo-Long mit der WKN DG3SRK (Kaufkurs: 12,09 Euro; Hebel; 7,8; Basispreis: 10.008,68 Zähler) zum Zuge zu kommen, liegen mittlerweile bereits rund 25 Prozent in Front. Es empfiehlt sich, die Gewinne mit einem Stopp auf Einstandsniveau bei 12,09 Euro oder 11.200 Punkten laufen zu lassen. Neueinsteiger sollten allerdings den Ausbruch über den kurzfristigen Abwärtstrend abwarten.


(Mit Material von dpa-AFX)

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