DAX
- Michael Schröder - Redakteur

DAX vor heißer Woche: Explosive Kursrallye oder Hitzegewitter nach Griechenland-Referendum?

Zuletzt wurden DAX und Co vornehmlich von den Ereignissen rund um den Schuldenstreit zwischen Athen und seinen Gläubigern bewegt. Daran dürfte sich auch in der kommenden Woche nichts ändern. Unabhängig davon, wie die Griechen beim Volksentscheid am Sonntag abstimmen - die Anleger müssen sich weiterhin auf schwankende Märkte einstellen.


Am deutschen Aktienmarkt haben sich die Anleger vor der griechischen Volksabstimmung am Wochenende zurückgehalten. Impulse aus den USA fehlten am Freitag, da die dortigen Börsen wegen des Nationalfeiertags am Samstag bereits geschlossen blieben. Der lange wenig bewegte DAX rutschte am Nachmittag etwas ab und schloss 0,37 Prozent schwächer bei 11.058,39 Punkten. Auf Wochensicht büßte der hiesige Leitindex damit 3,8 Prozent an Wert ein.

Wenn Sie in Sachen Griechenland mittlerweile den Überblick verloren haben, was da eigentlich los ist, gibt es auf FAZ.net einen Grundsatzartikel: Was passiert eigentlich gerade mit Griechenland?

Am Sonntag wird es also ernst: Die Griechen stimmen über das umstrittene Reformprogramm ab. Die Wahllokale schließen um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Zwei bis vier Stunden später dürften aussagekräftige Ergebnisse vorliegen, wie das Presseamt der Regierung mitteilte. Worauf müssen sich die Investoren bei einem "Nein" einstellen? boerse.ARD.de stellt das mögliche DAX-Szenario vor.

Die meisten Ökonomen sehen in dem Volksentscheid eine Entscheidung für oder gegen Europa. Durch das Referendum werde endlich klar, was das griechische Volk wolle, sagt Börsenexperte Robert Halver von der Baader Bank . Stimmte die Mehrheit dagegen, die Forderungen der Gläubiger anzunehmen, rücke ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone näher. Das dürfte die Märkte zunächst belasten. Stimmten die Griechen mit "Ja", sollten sich die Börsen kurzfristig freundlich zeigen. Die Probleme seien dann aber nicht vom Tisch. "Es gibt keine optimale Lösung. Auf lange Sicht wäre ein Grexit aber die bessere Variante", sagt Halver. Denn dann müsse Griechenland ernsthaft Reformen angehen und habe gleichzeitig die Chance, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Bei einer Einigung mit den Gläubigern seien dagegen "Kosmetikreformen" wahrscheinlicher. Würde ein griechisches "Ja" den Aktienmarkt tatsächlich beflügeln? boerse.ARD.de stellt das mögliche Szenario für den Fall vor, dass die Griechen sich für die Fortsetzung des Reformprozesses entscheiden.

Dass sich der Markt an Enttäuschungen gewöhnt hat, zeigte bereits die abgelaufene Woche. Nach einer wiederholten gescheiterten Einigung blieben die griechischen Banken geschlossen. Der DAX erlebte am Montag zwar seinen größten Tagesverlust seit Jahren und wurde im Wochenverlauf auch mal unter die Marke von 11.000 Punkten gedrückt, erholte sich aber immer wieder.
Ähnliches könnte sich in der neuen Woche wiederholen. Eine genaue Prognose fällt schwer. „Kurzfristig gibt es zwar noch zu viele Fragezeichen hinsichtlich des weiteren Fortgangs der Verhandlungen, sodass weitere Kursschwankungen wahrscheinlich und der Zeitpunkt für einen Kauf von Aktien verfrüht erscheint“, heißt es denn auch im Wochenausblick der DZ Bank. Sobald sich die Gemengelage aufklärt, sehen „wir gute Chancen für Aktienkäufe“, schreiben die Experten. Ein Ja zum Reformpaket würde für Erleichterung sorgen, ein Nein dagegen für ein kurzes, aber heftiges Gewitter, heißt es im DAX-Ausblick vom Handelsblatt.

Zwar werden derzeit nicht-griechische Faktoren in den Hintergrund gedrängt. Doch zumindest zur Wochenmitte hin dürfte die Frage über den Zeitpunkt der Zinswende in den USA und in Großbritannien im Fokus stehen: Am Mittwoch wird das Protokoll der US-Notenbanksitzung vom 17. Juni veröffentlicht, und am Folgetag entscheidet die Bank of England über den Leitzins. Auch in China stehen über kurz oder lang Zinsentscheidungen an. Deswegen dürften die Verbraucher- und Produktionspreise am Donnerstag die Börsianer interessieren. Der Shanghai-Composite-Index hatte seit seinem Hoch im Juni um mehr als 25 Prozent nachgegeben.

Wie es in Griechenland und bei DAX und Co weiter geht, erfahren Sie - wie gewohnt - börsentäglich an dieser Stelle.

(Mit Material von dpa-AFX)

Erinnern Sie sich noch an die Situation im Sommer 2007? Damals nahm still, heimlich und leise ein Desaster seinen Anfang, welches gut ein Jahr später im Lehman-Kollaps und einer schweren globalen Bankenkrise gipfelte. Die lange als „unbedeutendes lokales Ereignis“ eingestufte Subprime-Krise schwappte im weiteren Verlauf auch auf andere Anleihenbereiche über, was eine weltweite Kreditverknappung nach sich zog. Auch jetzt hat wieder eine Entwicklung ihren Anfang, deren volle Tragweite den Markteilnehmern wohl erst viel später bewusst werden wird. Wie Sie jetzt Ihr Vermögen clever absichern und auf welche krisenfesten Investments Sie jetzt setzen sollten, erfahren Sie in der aktuellen 29/15 Ausgabe des AKTIONÄR.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

Rallye - Draghi ist gut zum DAX

Die Europäische Zentralbank hat zwar nicht ganz das gemacht, was die Marktteilnehmer von ihr erwartet hatten. Unter dem Strich ist die jüngste Entscheidung der europäischen Notenbanker aber im Sinne der Aktionäre. Nach einem kurzen Rücksetzer unter die Marke von 11.000 Punkten hat der DAX umgehend … mehr
| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

Na endlich – Jahresendrallye im DAX

Es ist vollbracht: Der deutsche Leitindex hat nach monatelangem, nervenaufreibendem Auf und Ab den Ausbruch auf ein neues Jahreshoch gemeistert. Und wie! Der DAX eröffnete den Handel am Morgen mit einem dicken Aufwärtsgap und schwang sich sofort auf, auch die Marke von 10.900 Punkten zu überwinden. mehr