DAX
- Michael Schröder - Redakteur

DAX vor dem Wochenende: Schwarzer Freitag oder Gegenbewegung?

Am deutschen Aktienmarkt könnte es zum Abschluss einer turbulenten Handelswoche zumindest zu einer kleinen Gegenbewegung auf die jüngsten Verluste kommen. In China erholten sich die Kurse zum Wochenschluss, nachdem die Regierung einen neuen umstrittenen Schutzmechanismus zur Unterbrechung des Handels bei großen Schwankungen wieder abgeschafft hatte.

Kurseinbrüche an den Börsen Chinas sowie Sorgen um den Zustand der Wirtschaft des Landes haben dem deutschen Leitindex in dieser Woche bereits ein Minus von sieben Prozent eingebrockt. Die Wachstumsaussichten für China haben sich eindeutig eingetrübt. Die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten im Reich der Mitte sind vorbei – die Regierung selbst geht noch von einem Zuwachs um 6,8 Prozent aus. Experten halten das allerdings das für viel zu optimistisch – ein Wachstum von rund fünf Prozent wird diskutiert.

Warum zieht das Börsenbeben in China den deutschen Markt mit runter? Das im Reich der Mitte ist nach den USA die zweitwichtigste Volkswirtschaft der Welt. China steht für rund 15 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Vor allem die deutschen Exportfirmen sind auf den gewaltigen Absatzmarkt angewiesen. Nach Berechnungen der Deutschen Bank erwirtschaften die 30 DAX-Konzerne im Durchschnitt neun Prozent ihrer Umsätze und sogar 15 Prozent der Gewinne in China. Dementsprechend groß ist die Sorge, dass Chinas Wirtschaft eine harte Landung hinlegt.

Nach dem Börsenbeben am Vortag haben sich die chinesischen Aktienmärkte am Freitag wieder ein Stück weit erholt. Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Werten der Festland-Börsen in Shanghai und Shenzhen schloss 2,04 Prozent höher bei 3361,56 Punkten.

Auch wurden Sorgen über die Schwäche der chinesischen Währung besänftigt, als der Yuan über Nacht zum ersten Mal seit neun Tagen wieder etwas stärker notierte. Der Kurseinbruch und die Ungewissheit über den Zustand der zweitgrößten Volkswirtschaft hatten am Donnerstag weltweit die Aktienmärkte in den Keller gezogen.

Zum Abschluss einer turbulenten Woche richten die Anleger jetzt noch einmal den Blick über den großen Teich. In den USA steht am Nachmittag die Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts für Dezember auf der Agenda. Die Investoren dürften versuchen, aus ihm Rückschlüsse auf die Zinspolitik der US-Notenbank Fed zu ziehen. Fallen die Daten gut aus, dürfte sich die Fed in ihrer jüngst eingeleiteten Zinswende bestätigt fühlen. Es bleibt also spannend – und die Volatilität in jedem Fall hoch.

Gestern glitt der DAX durch die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten wie ein heißes Messer durch Butter. Nach dem Bruch dieser wichtigen Unterstützung droht auch der seit fünf Jahren gültige Aufwärtstrend zu kippen. Die entsprechende Trendlinie verläuft bei etwa 9.720 Punkten. Auf Basis einer sogenannten "Measured-Move-Projektion" ergibt sich ein Kursziel von 9.550 Zählern. Dieses lässt sich dadurch ableiten, indem man den Kursrutsch von Anfang Dezember (circa 1.310 Punkte) an das jüngste Verlaufshoch bei 10.860 Punkten anlegt. Sollte auch hier noch nicht Schluss mit dem Abgabedruck sein, rückt das Verlaufstief bei 9.310 Zählern ins Visier. Für die Bullen wäre neben einer Stabilisierung die direkte Rückeroberung der 10.000-Punkte-Marke wichtig.

(Mit Material von dpa-AFX)

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