DAX
- Michael Schröder - Redakteur

DAX mit starkem Comeback: Reicht die Kraft?

Angst und Panik regieren auf dem Parkett. Der DAX stürzte nach einer zunächst stabilen Eröffnung zwischenzeitlich um mehr als sieben Prozent ab. Bis zum Mittag wurden die Verluste wieder deutlich reduziert. Mit dem Handelsstart in den USA drehte der Leitindex zwischenzeitlich sogar in Plus. Die Verunsicherung bleibt dennoch groß. Kann die US-Notenbank am Abend wirklich für neues Vertrauen sorgen? DER AKTIONÄR mit dem aktuellen Stand der Dinge.

Allen Bemühungen der Politik zum Trotz hat sich die Talfahrt der Börsen rund um den Globus in Folge der Schuldenkrise in den USA und Europa fortgesetzt. Neben den Nachwehen der Herabstufung der US-Bonität kommt bei den Anlegern zunehmend die Angst vor einer Rezession auf. Sie befürchten, dass der Sparkurs zahlreicher schuldengeplagter Staaten die Weltkonjunktur abwürgen wird. "Bis vor zwei, drei Wochen war eine gewisse Sorglosigkeit zu beobachten", erklärt der Deutschland-Chefvolkswirt von Unicredit, Andreas Rees. Inzwischen sei klar, dass es die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums deutlich stärker ausfallen werde als bisher erwartet. "Wir haben mittlerweile einen synchronen Abschwung der Frühindikatoren." Es gehe nicht mehr nur um die USA und Europa, sondern auch um Länder, die zuletzt sehr stark gewachsen sind wie China, Brasilien oder Indien.

Kursrutsch am Vormittag

Der DAX rutschte nach einem überraschend freundlichen Handelsstart schnell wieder in die Verlustzone. Zwischenzeitlich verlor der Leitindex über sieben Prozent und notierte bei 5.502 Punkten - der tiefste Stand seit Februar 2010. Das Minus der vergangenen zehn Handelstage lag damit bereits bei rund 25 Prozent. 

Kursrallye am Mittag

Doch dann setzte eine starke Gegenbewegung ein. Ausgehend vom Tief bei 5.502 Punkten gelang dem DAX mit einer 400-Punkte-Rallye bis zum US-Handelsstart sogar die Rückkehr in den grünen Bereich - um direkt danach erneut wieder deutlich abzurutschen.

Greift die FED ein?

Es gibt einen Hoffnungsschimmer. Heute Abend tagt die US-Notenbank und FED-Chef Ben Bernanke hatte angekündigt, dass er bereit sei, notfalls erneut in den Markt einzugreifen. Dagegen spricht allerdings die leicht gestiegene Inflationsrate in den USA. Viele Marktteilnehmer erwarten aus diesem Grund kein neues Notfall-Programm der FED. Umso größer wäre die Überraschung, wenn es doch dazu käme. Bis zu einem Ergebnis, mit dem um 20:15 Uhr (MESZ) zu rechnen ist, dürften sich die hektischen Bewegungen an den Märkten fortsetzen.

Absturz nicht gerechtfertigt

Der massive Absturz der internationalen Aktienmärkte hat nach Ansicht vom Wirtschaftsweisen Peter Bofinger wenig mit der Entwicklung der Realwirtschaft zu tun. Die Aktienmärkte hätten zwar "die konjunkturelle Wende verschlafen und reagierten jetzt umso panischer", aber die fundamentalen Daten der Volkswirtschaft rechtfertigten keinen solchen Kurzsturz, so Bofinger.

Erinnerungen an Lehman

Drei Jahre nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers geht erneut die Angst vor einer weltweiten Rezession um. "Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten rufen Erinnerungen an die Zeit nach Lehman wach", schreibt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. Damals stürzten die Börsenkurse ins Bodenlose, der Geldfluss zwischen den Banken riss ab, Kreditinstitute mussten mit Milliarden gerettet werden, die Weltwirtschaft rutschte in eine tiefe Rezession. "Eine Eskalation der Krise würde ähnlich wie die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 weltweit einen Unsicherheitsschock auslösen und die Konjunktur nach unten ziehen", ergänzt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Die Stunde der Wahrheit droht aus seiner Sicht Ende August, wenn die nächste Auktion italienischer Staatsanleihen ansteht.

Aktienmarkt überverkauft

Der Börsenguru Marc Faber erklärt, dass der Markt derzeit "unglaublich überverkauft" ist. Er geht zudem davon aus, dass QE3 und wohl auch QE4 und weitere Programme folgen werden. Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA hat indes seiner Ansicht nach auch positive Folgen für den Aktienmarkt.  Der Börsenexperte Heiko Thieme freut sich über den laufenden Ausverkauf an den Märkten. Nicht etwa, weil er frühzeitig short gegangenen ist, sondern vielmehr deshalb, weil er jetzt zahlreiche sehr günstige Einstiegsgelegenheiten findet.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Martin Weiß | 0 Kommentare

Wall Street Marktbericht: Schonfrist für Huawei treibt Dow Jones an; Tesla (10 Dollar?), Alibaba, Baidu, Apple, Amazon, Microsoft im Fokus

Versöhnlichere Töne im Handelsstreit zwischen den USA und China treiben am Dienstag die Kurse an der Wall Street nach oben. Indikationen sprechen für einen Anstieg des Dow Jones in der Eröffnungsphase um 120 Punkte. Ob das Plus die Stimmung der Tesla-Aktionäre ebenfalls aufhellt, ist allerdings … mehr
| Stefan Sommer | 0 Kommentare

Mit dieser Strategie schlagen Sie den Markt

Eine Strategie zu finden, die langfristig klare Überrenditen bringt ist schwer. Börsenexperte Thomas Gebert hat bereits vor Jahrzehnten solch eine Strategie entwickelt und real gezeigt, dass sie funktioniert. Mit dem Börsenindikator-Zertifikat von Morgan Stanley mit der WKN MF04W6 können Anleger … mehr
| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

DAX verliert 200 Punkte: Jetzt wird's echt brenzlig!

Nach einer stabilen Eröffnung in den Handelstag dreht der DAX ins Minus. Mittlerweile droht der deutsche Leitindex wieder unter die wichtige 12.000-Punkte-Marke zu fallen. Sollte der Verkaufsdruck anhalten, könnte dies fatale Folgen für den DAX haben. DER AKTIONÄR beobachtet die Situation NOCH von … mehr