DAX
- Michael Schröder - Redakteur

DAX im Grexit-Fieber: Wann ist das Thema endlich vom Tisch und was kommt danach? (Teil 2)

Seit fünf Jahren hält Griechenland Europa in Atem. Die Fragen, die die Börse quälen: Sind die Griechen pleite? Müssen sie raus aus dem Euro? Zerfällt dann die ganze Währungsunion? Doch das leidige Kapitel könnte bald vorbei sein.

DER AKTIONÄR fragte nach bei Ralf Zimmermann, Kapitalmarktstratege beim Bankhaus Lampe.

DER AKTIONÄR: Wie wahrscheinlich ist ein zeitnaher Grexit?

Ralf Zimmermann: Ein harter Grexit ist nach wie vor wenig wahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist eine Zwischenlösung“, in der Griechenland weiterhin Mitglied im Euroraum ist, zumindest formal. Zu diesem Paket können zählen: Kapitalverkehrskontrollen, eine Parallelwährung, weitere Finanzierung über die EZB, eine Umwidmung bestehender Rettungstöpfe, wie den Bankenrettungsfonds. Und vielleicht gibt es auch Neuwahlen in Griechenland, weil die Regierungkoalition zerbricht. Das Land wird aus den Nachrichten nicht verschwinden.

Was passiert dann mit dem Euro?
Die Euro ist in den nächsten Monaten den Themen Griechenland und US-Leitzinswende ausgesetzt. Die Volatilität der Wechselkursbewegungen dürfte zunehmen, der Kurs zum Dollar überwiegend zwischen 1,05 und 1,15 notieren.

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr für andere europäische Staaten?
Eher gering, auch wenn kurzfristig die Unsicherheit zunehmen und die Risikoprämien für Portugal, Italien und Spanien steigen dürften. Griechenland spielt in einer eigenen Liga. Und die Politik und die EZB haben mittlerweile ein Sicherheitsnetz gespannt. Wenn es nötig sein sollte, kann der ESM mit den ungenützten Rettungsgeldern von 450 Milliarden Euro eingreifen.

Wie reagiert die Börse, wenn der Grexit kommt – kurz- und mittelfristig?
Kurzfristig wäre das negativ. Der DAX könnte durchaus auf 10.000 Punktefallen. Aber er würde sich dort wieder fangen und erholen.

Und wie geht es weiter, wenn in Sachen Griechenland vorerst alles beim Alten bleibt?
Der DAX gewinnt dann wieder ein paar Prozentpunkte, die er zuvor verloren hatte, und marschiert Richtung 12.000 Zähler – mehr aber auch nicht. Die Aktienmärkte werden dann wieder von anderen Themen getrieben werden.

Worauf müssen Sich Anleger im laufenden Jahr sonst noch einstellen?
Die erste Zinserhöhung der US-Notenbank seit 2009 und ein nach wie vor sehr verhaltenes globales Wachstum. Das wird weiter zu Schwankungen führen. Wir sehen den DAX zwischen 10.500 und 12.500 Punkten in den nächsten Quartalen. Der Markt dürfte angesichts der bestehenden Risiken Schwierigkeiten haben, nach oben auszubrechen.

Zum Abschluss: Wie sollten Anleger in Zeiten wie diesen agieren?
Antiyzyklisch. Nach deutlicheren Kursrückgängen kaufen. Und umgekehrt: Nach deutlicheren Gewinnen verkaufen. Da wir nicht an eine Zinswende in Deutschland glauben, sind Werte, die zuletzt unter den steigenden Zinsen gelitten haben, attraktiv. Dazu zählen vor allem deutsche Immobilienaktien.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 


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