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- Michael Schröder - Redakteur

DAX im Grexit-Fieber: Alle Fragen und Antworten im Überblick – das müssen Anleger jetzt wissen

Die Geldgeber und die griechische Regierung rüsten sich in dem seit mehr als fünf Jahre andauernden Schuldendrama für den großen Showdown. Warum können sich die beiden Parteien eigentlich nicht einigen? Wie geht es weiter? Und vor allem wann?


In den Medien wird derzeit sehr viel über das Top-Thema berichtet. Gerüchte, Spekulationen und Szenarien werden diskutiert. Die dpa Deutsche Presse-Agentur hat die Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengestellt.

Liegen die Geldgeber und die Griechen-Regierung so weit auseinander?

Zwischen den Forderungen und Zugeständnissen der internationalen Geldgeber und den Vorschlägen der griechischen Regierung liegt angeblich noch eine Summe von zwei Milliarden Euro. Das klingt wenig, und man könnte meinen, daran dürfte eine Einigung nicht scheitern. Es ist aber alles andere als trivial.

Warum ist die 2-Milliarden-Lücke keine Kleinigkeit?

Schon gemessen an der Größe des griechischen Etats und der Wirtschaftsleistung des Landes ist das kein Pappenstiel. Es geht auch nicht nur um eine Haushaltslücke für ein Jahr, sondern um langfristig ausgewogene Einnahmen und Ausgaben. Daher lassen Internationaler Währungsfonds (IWF), Europäische Zentralbank (EZB) und EU-Kommission nicht locker: Die Griechen müssten später in Rente gehen, Pensionsausgaben gekürzt, der Mindestlohn nicht wieder angehoben sowie Privatisierungen endlich angegangen werden.

Wann steht die nächste Entscheidung an?

An diesem Mittwoch wird die EZB über weitere Nothilfen für griechische Banken beraten. Die Euro-Notenbank hat durchblicken lassen, dass sie den Geldhahn - zumindest während der Verhandlungen - nicht zudrehen wird und bis Monatsende die Notfall-Kredithilfen (ELA) für Hellas-Institute weiter verlängert. Vorgabe ist, dass die griechischen Banken solvent sind und über ausreichende Sicherheiten verfügen. Die Obergrenze für diese Liquiditätsspritzen liegt inzwischen bei 83 Milliarden Euro.

Wie lange bleibt der Geldhahn der EZB geöffnet?

Sollten die Krisengespräche endgültig scheitern und Griechenland in die Staatspleite rutschen, sieht die Sache komplett anders aus. Stoppt die EZB die Nothilfen, droht griechischen Banken der Kollaps. Die vier größten griechischen Banken gelten aktuell noch als ausreichend kapitalisiert. Die Griechen räumen aber weiter täglich Geld von ihren Konten ab.

Und wann beraten die Euro-Partner?

Am Donnerstag kommen die 19 Euro-Finanzminister in Luxemburg zusammen. Auch die Spitzen von IWF, EZB und EU-Kommission dürften am Nachmittag dabei sein. Große Fortschritte werden von der Runde aber nicht erwartet, zumal der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis ankündigte, dass seine Regierung keine neuen Vorschläge machen werde. Schon am Morgen, um 9.00 Uhr, tritt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ans Rednerpult im Plenarsaal des Bundestages.

Weshalb befasst sich der Bundestag damit?

Merkel nimmt in ihrer Regierungserklärung den EU-Gipfel am 25. und 26. Juni in den Blick, aber es wird wohl auch um Griechenland gehen. Die Kanzlerin wird erneut betonen, dass sie Athen in der Euro-Zone halten wolle. Dazu müssten die Griechen aber Einigungswillen zeigen. Es geht auch darum, bei einem Scheitern der Griechenland-Rettung die Verantwortlichen klar zu benennen. Die sieht Merkel in Athen.

Wann könnte auf EU-Ebene wieder in größerer Runde getagt werden?

Die Finanzminister der Eurozone sitzen mit ihren Kollegen der anderen EU-Staaten auch am FREITAG an einem Tisch. Dann könnten auch die Staats- und Regierungschefs der EU oder nur der 19 Euro-Länder zu einem außerordentlichen Krisengipfel in Brüssel zusammenkommen. Vielleicht auch erst am Sonntag.

Macht ein weiterer Sondergipfel überhaupt Sinn?

Es wäre zumindest die womöglich letzte Chance, dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras noch einmal ins Gewissen zu reden. Aber Entscheidungen über die Auszahlung der Hilfsmilliarden können auch die Staats- und Regierungschefs nicht treffen. Das ist Sache der drei Geldgeber-Institutionen. Ein Sondergipfel macht also nur dann Sinn, wenn ein Einigungsvorschlag auf dem Tisch liegt.

Sind schon an diesem Wochenende Krisenmaßnahmen möglich?

Durchaus. Die liegen aber in der Hand der griechischen Regierung. Nur sie allein kann Kapitalverkehrskontrollen beschließen und die Banken eine Zeit lang schließen. Mit solchen Schritten hat schon das Euro-Land Zypern in der Krise den Geldabfluss ins Ausland erfolgreich gestoppt. Inzwischen sind die Sperren aufgehoben. Das ist aber kein Notplan, den die anderen Euro-Länder beschließen.

Ende Juni läuft das Hilfsprogramm aus. Kommt die Schicksalswoche?

as Zeitfenster für eine Lösung wird immer kleiner. In der nächsten Woche ist alles möglich. Der reguläre EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag kommt eventuell zu spät. Vielleicht müssen sich die "Chefs" dann schon mit den Konsequenzen einer Staatspleite beschäftigen: Schuldenschnitt, humanitäre Hilfe, innenpolitische Verwerfungen. Auch Neuwahlen in Griechenland sind nicht ausgeschlossen.

Und falls es doch noch zu einer Einigung in letzter Minute kommt?

Einigen sich die drei Geldgeber-Institutionen mit der Athener Links-Rechts-Regierung, muss Tsipras die Vereinbarungen auch durch das griechische Parlament bringen. Erst wenn die Reformen Gesetz sind, können die Geldgeber die blockierten 7,2 Milliarden Euro Kredithilfen sowie fast elf Milliarden, die für eine Bankenstabilisierung reserviert sind, freigeben. Die Auszahlung müssten zuvor auch der Bundestag und andere Parlamente absegnen. Der letzte Sitzungstag des Bundestags vor der Sommerpause ist der 3. Juli. Aber in dieser Griechenland-Tragödie ist alles möglich.

Auch wenn es an Tagen wie diesen nur bedingt aussagekräftig ist: Was sagt die Charttechnik?

„Aus charttechnischer Sicht dominiert ein intakter mittelfristiger Abwärtstrend – bisher sind jegliche Gegenbewegungen lediglich als Aufwärtsreaktionen zu klassifizieren“, so die charttechnische Analyse der DZ Bank. „Mit 10.865 Punkten wurde in der vergangenen Woche ein wichtiger Referenzpunkt markiert, da sich nur weniger Zähler davon entfernt – bei 10.850 Punkten – das wichtige 38,2-Prozent-Fibonacci-Retracement der gesamten Aufwärtsbewegung von Oktober 2014 befindet. „Daher sei es in den kommenden Tagen wichtig, dass der DAX dieses in der letzten Woche etablierte Tief nachhaltig verteidigen kann, so die Experten. „Gelingt dies, bleibt ein erneuter Vorstoß in Richtung der oberen Begrenzung des laufenden mittelfristigen Abwärtstrendkanals im Bereich um 11.600 bis 11.700 Punkte auf der Agenda.“ Setzt der heimische Leitindex dagegen seinen Abwärtstrend weiter fort, ist nach einem erneuten Rücksetzer bis 10.700 Punkten sogar ein Abrutschen bis zur 200 Tage-Linie bei aktuell 10.550 Punkten sehr wahrscheinlich.

Was sagen Analysten, Volkswirte und Kapitalmarkstrategen?


(Mit Material von dpa-AFX)

 

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