DAX
- Thomas Bergmann - Redakteur

US-Feiertag am Montag - Experten sehen DAX-Entwicklung skeptisch

Die kräftige Erholung nach dem Brexit-Schock am deutschen und internationalen Aktienmarkt stimmt einige Experten für die neue Woche skeptisch. Sie raten Anlegern daher zur Vorsicht, auch wenn insgesamt nur wenige wichtige Daten und Nachrichten anstehen, und die US-Börsen am Montag wegen des amerikanischen Unabhängigkeitstags geschlossen bleiben. Technisch betrachtet steht der deutsche Leitindex vor sehr hohen Hürden.

Gefahr noch nicht gebannt

"Insgesamt ist die Gefahr eines Ausverkaufs an den Aktienmärkten aber noch nicht gebannt", warnt Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Helaba in Frankfurt. Dass die Verunsicherung der Marktteilnehmer so rasch wieder zurückgegangen sein soll, kann er kaum glauben. "Zwar lautet eine alte Börsenweisheit 'Kaufen, wenn die Kanonen donnern!' Dennoch wäre es ungewöhnlich, wenn die Marktteilnehmer nahezu emotionslos wieder zum Tagesgeschäft übergingen", sagt er.

Seine Kollegin Claudia Windt bezeichnet die aktuelle Situation pragmatisch als "Burgfrieden". Bis das Thema EU-Austritt tatsächlich anstehe, dürfte es dauern. "Und so lange läuft es eben in gewohnter Manier weiter." Ähnliches erwartet auch Uwe Streich. Der Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) meint: Nach dem Brexit-Votum dürften nun wieder Daten zur gesamtwirtschaftlichen Lage im Vordergrund stehen, was sich aber jederzeit ändern könne, wenn der offizielle Antrag der Briten zum EU-Ausstieg in Brüssel eintreffe.

US-Arbeitsmarktbericht am Freitag

Der spannendste Tag der neuen Woche dürfte der Freitag werden. Denn dann wird der monatliche US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Wegen der gestiegenen Risiken infolge der Brexit-Entscheidung wird an den Märkten aber kaum noch mit einer zeitnahen Zinsanhebung durch die US-Notenbank gerechnet - egal wie erfreulich Stellenaufbau und Lohnentwicklung im Juni ausgefallen sein mögen. Vergleichsweise positive Daten werden mehrheitlich auf jeden Fall erwartet, da die Stellenbilanz im Mai wegen eines großen Streiks verzerrt worden war.

Weitere wichtige Konjunkturdaten stehen ansonsten nur für Deutschland an. Am Mittwoch wird der Auftragseingang der Industrie im Mai bekannt gegeben und am Donnerstag die Industrieproduktion. In beiden Fällen gehen die Postbank-Experten von einer leichten Steigerung im Vergleich zum Vormonat aus.

Entschädigungsklage von E.on

Die meisten Nachrichten zu deutschen Großkonzernen dürfte es zum Wochenstart geben: Neben Fakten zu den heimischen Pkw-Neuzulassungen im Juni wird das Landgericht Hannover am Montag über eine millionenschwere Entschädigungsklage des Energiekonzerns E.on entscheiden. Infolge der Nuklearkatastrophe von Fukushima vor fünf Jahren war E.on damals gezwungen worden, mehrere Atomkraftwerke für drei Monate abzuschalten. Nun fordert der Konzern dafür rund 380 Millionen Euro Entschädigung.

Unternehmen mit Quartalszahlen

Zudem werden einige wenige Unternehmen ihre Quartalsbilanzen vorlegen. Den Auftakt macht – ebenfalls am Montag – der im SDAX notierte Leasing-Spezialist Grenke, von dem die britische Bank HSBC erwartet, dass das Neugeschäft im zweiten Quartal erneut stark gewachsen ist. Am Donnerstag stehen dann im MDAX der Zuckerhersteller Südzucker und der Spezialverpackungskonzern Gerresheimer mit ihren Dreimonatsbilanzen im Blick. Dabei dürfte der Umsatz von Gerresheimer laut der Commerzbank im zweiten Geschäftsquartal vor allem dank Zukäufen prozentual zweistellig gewachsen sein.

Hohe Kante bei 9.850

Aus charttechnischer Sicht hat der DAX in der abgelaufenen Woche vieles gutmachen können. Nach dem Brexit-Schock und dem Rücksetzer auf 9.214 Zähler ging es Tag für Tag nach oben. Im Zuge dessen konnten die Marke bei 9.500 sowie der Widerstandsbereich zwischen 9.720 und 9.737 Punkten überwunden werden. Jetzt kommt es darauf an, dass der deutsche Leitindex zügig das Gap bei 9.850 Zählern schließt. Gelingt dies, wartet bei 10.060 Punkten mit der 200-Tage-Linie der vorerst wichtigste Widerstand.

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