DAX
- Michael Schröder - Redakteur

DAX: Und täglich grüsst das griechische Murmeltier …

Das Wochenende hat keine Veränderungen im griechischen Schuldenstreit gebracht. Am Sonntag sind erneut Verhandlungen gescheitert, um die beiden Lager näher zusammenzubringen. Das Thema Griechenland bestimmt weiter die Schlagzeilen an der Börse. Andere wichtige Wirtschaftsthemen drohen, hinter dem Schuldenstreit zu verblassen.

Die neue Woche beginnt so wie die alte endete. Eine Lösung im griechischen Schuldenstreit ist nicht in Sicht. Am Sonntag war ein Vermittlungsversuch von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker gescheitert. Die weiteren Verhandlungen müssten jetzt in der Eurogruppe geführt werden. Das nächste Treffen der Euro-Finanzminister ist am Donnerstag geplant. Die Zeit drängt: Am 30. Juni läuft das schon zwei Mal verlängerte Hilfsprogramm für Griechenland auf europäischer Seite aus. Ohne Einigung droht dem Land der Staatsbankrott. Am 30. Juni muss Athen zudem rund 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen.

"Inzwischen ist es unberechenbar geworden, ob der Grexit kommt oder nicht", sagt Dirk Gojny, Kapitalmarktstratege bei der Essener National-Bank. "Die europäische Politik betont zwar weiterhin, man möchte das Land im Euroraum halten. Doch ob sich das tatsächlich verwirklichen lässt, hängt vor allem von Griechenland und der Flexibilität der dortigen Regierung ab."

Die Unsicherheit ist Gift für den DAX. Der Leitindex taucht zu Wochenbeginn wieder deutlich ab. Das charttechnische Bild trübt sich mehr und mehr ein. „Insgesamt stellt sich mit Blick auf die deutlicheren Kursverluste seit Mitte April eine eher unbefriedigende Erholungsbewegung beim DAX dar“, so die technische Analyse der DZ Bank. „Zwar konnte die Chance genutzt werden, aus der „überverkauften“ Lage heraus an der unteren Begrenzung seines abwärts gerichteten Trendkanals eine Aufwärtsreaktion zu initiieren, jedoch konnte noch nicht einmal eine Stabilisierung bis in den oberen Bereich des Trendkanals um 11.600/11.700 Punkte gelingen.“

Der mittelfristige Abwärtstrend beim DAX bleibt intakt. „Auch wenn gegenwärtig die politische Sensibilität der Kursentwicklung am Aktienmarkt sehr ausgeprägt ist, sehen wir insbesondere unter dem unverändert zu erkennenden Anlagenotstand der Investoren eine gute Basis, dass sich aktuell noch keine längerfristige Trendumkehr darstellt“, so die DZ-Bank-Analysten. „Trotz der erhöhen politischen Unwägbarkeiten sehen den DAX daher noch als gut unterstützt an.“

Setzt der heimische Leitindex seinen Abwärtstrend weiter fort, ist nach einem erneuten Rücksetzer bis 10.700 Punkten sogar ein Abrutschen bis zur 200 Tage-Linie bei aktuell 10.550 Punkten sehr wahrscheinlich. Vorerst heißt es daher: Abwarten und schauen, welche Gerüchte und Spekulationen rund um den griechischen Schuldenstreit heute die Richtung beim DAX vorgeben werden.

(Mit Material von dpa-AFX)

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