- Alfred Maydorn - Redakteur

DAX, Dow Jones: Debakel-Dienstag oder Turnaround-Tuesday?

Aus der heutigen Ausgabe von Maydorns Meinung: Wer sich zuletzt über eine fehlende Korrektur beklagt hatte, kommt jetzt voll auf seine Kosten. Der Dow Jones stürzte gestern zeitweise um über 1.500 Punkte ab und beendete den Handel mit einem satten Minus von 1.175 Punkten, was immerhin 4,6 Prozent entspricht. Und über Nacht ging es dann zeitweise nochmal um rund 1.000 Punkte in den Keller. Aktuell zeigt der Dow-Jones-Future ein weiteres Minus von rund 200 Punkten an. 

Gemessen an den 23.360 Punkten des aktuellen Dow-Futures summiert sich das Minus im Vergleich zum am 26. Januar erreichten Allzeithochs auf rund 11 Prozent. Damit hat der Markt die von vielen erwartete 10-Prozent-Korrektur schon erreicht. Natürlich weiß niemand, ob es auch dabeibleibt, aber es besteht durchaus eine gute Chance, dass es heute keine Debakel-Dienstag wird, sondern ein Turnaround-Tuesday. 

Programm-Verkauf lässt Kurse einbrechen

Der DAX war im sehr frühen Handel bereits weit unter die Marke von 12.000 gerutscht und notiert nun immerhin wieder bei gut 12.400 Punkten. Klar, der Tag ist noch lang, aber es scheint so, als habe die Verkaufspanik ihren Höhepunkt schon erreicht. Hauptverantwortlich für den gestrigen Einbruch waren automatische Verkaufsprogramme. Im gestrigen US-Handel wurden bestimmte Marken erreicht, die bei zahlreichen automatischen Programmen Verkäufe ausgelöst haben. Und weil mittlerweile rund 70 Prozent des Handels von ETFs und anderen Indexorientierten Fonds bestimmt wird, kamen die Kurse dann in sehr kurzer Zeit sehr stark ins Rutschen. 

Nur Zinsangst?

Die „offizielle“ Begründung für die abstürzenden Kurse sind vor allem Zinsängste. Aber der eigentliche Grund ist ganz einfach der, dass eine Korrektur seit Monaten mehr als überfällig war. Seit der Wahl von Donald Trump hat der US-Markt um 40 Prozent zugelegt, ohne auch nur minimal zu korrigieren. Insofern muss man fast schon froh sein, dass die Korrektur jetzt endlich da ist. Denn je länger sie nicht gekommen wäre, desto schlimmer wäre sie geworden.

Bleibt die Frage, wie lange sie noch andauern wird? Ich bin der Meinung, sie wird genauso schnell wieder enden, wie sie begonnen hat. Die Schnäppchenjäger haben sich schon in Position gebracht und wollen die zum Teil arg unter die Räder gekommenen Kurse zum günstigen Einstieg nutzen. Viele haben Monate auf eine solche Gelegenheit gewartet – ja warten müssen. 

Umfeld für Aktien weiter positiv

An den nahezu durchweg positiven Rahmenbedingungen für Aktien hat sich praktisch nichts verändert: Die Unternehmensgewinne legen derzeit so stark zu wie schon lange nicht mehr, die Zinsen sind zwar zuletzt gestiegen, bleiben aber historisch weiterhin sehr niedrig und diejenigen die eine fehlende Korrektur bemängelt haben, haben jetzt keine Argumente mehr. Ganz nebenbei hat sich natürlich auch die Bewertung des Aktienmarktes reduziert, die meiner Ansicht nach aber ohnehin nicht sonderlich hoch war. 

Also, folgen Sie der lebenden Börsenlegende Warren Buffett, der sagt: „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind.“ Bevor die Angst wieder vorbei ist. Denn schnell wird aus dem von vielen erwarteten Debakel-Dienstag der Turnaround-Tuesday. 

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