- DER AKTIONÄR

David schlägt Goliath

Lange Zeit galt der Finanzdienstleister MLP als das Aushängeschild der Branche. Doch dies hat sich mittlerweile geändert und der Konkurrent AWD MLP den Rang abgelaufen.

Lange Zeit galt der Finanzdienstleister MLP als das Aushängeschild der Branche. Doch jetzt hat ihm Konkurrent AWD den Rang abgelaufen.

Von Michael Lang

Wenn sich Vorstände oder Aufsichtsräte von Aktien der eigenen Gesellschaft trennen, ist in der Regel Vorsicht angebracht. Schließlich kennen die Insider ihr Unternehmen besser als jeder Außenstehender. Aus diesem Grund werden Insidertransaktionen meist mit Argusaugen verfolgt.

Neue AWD-Investoren

Dass man einem Insiderverkauf durchaus positive Seiten abgewinnen kann, zeigt das Beispiel AWD. Mit einem Kursaufschlag von sechs Prozent reagierte die Börse am 14. März auf die Nachricht, dass AWD-Gründer und - Vorstandschef Carsten Maschmeyer seinen Anteil an der MDax-Gesellschaft von 51 auf 31 Prozent gesenkt hat. Die Anleger honorierten damit den Einstieg neuer institutioneller Investoren, sowie den auf 69 Prozent gestiegenen Freefloat, welcher der AWD-Aktie ein höheres Gewicht im MDax beschert. Befürchtungen, der AWD-Chef werde sich von weiteren Papieren trennen, zerstreute Maschmeyer. Auch nach eventuellen Kapitalerhöhungen will er mindestens 25,1 Prozent der Anteile halten.

Ein Etappenziel hat Maschmeyer bereits erreicht. Mit einer Marktkapitalisierung von 1,3 Milliarden Euro haben die Hannoveraner den früher unerreichbar scheinenden Konkurrenten MLP erstmals seit dem Börsengang überflügelt. Zudem läuft es operativ wie am Schnürchen. Im Vorjahr stieg der Umsatz um 22 Prozent auf 686 Millionen Euro, das operative Ergebnis kletterte überproportional um 28 Prozent auf 71 Millionen Euro. Damit erreichten die Niedersachsen erstmals eine zweistellige EBIT-Marge. Vormerken sollten sich alle AWD-Aktionäre den Hauptversammlungstermin am 8. Juni. Denn die geplante Dividende von 1,25 Euro entspricht einer ansehnlichen Rendite von 3,7 Prozent.

MLP abgestraft

Ein Rekordergebnis für 2004 konnte auch MLP präsentieren, trotzdem wurde die Aktie abgestraft. Mit Gesamterträgen von 703,3 Millionen Euro sowie einem Vorsteuergewinn von 87,7 Millionen Euro erreichten die Heidelberger zwar die eigenen Prognosen, doch Analysten hatten im Vorfeld mit einem Ergebnis von deutlich über 90 Millionen Euro gerechnet. Während die Einnahmen erwartungsgemäß von der Sonderkonjunktur im Lebensversicherungsbereich profitierten, spiegelte sich dies in den Erträgen nicht wie erhofft wieder. Auch bei der Dividende zeigt sich MLP weniger spendabel als AWD. Die angestrebte Ausschüttung von 0,22 Euro je Aktie entspricht einer Rendite von etwa 1,8 Prozent.

Für das laufende Geschäftsjahr stellt Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Schroeder-Wildberg erneut ein Rekordergebnis in Aussicht. Die durch die Straffung des MLP-Geschäftsstellennetzes erreichte Effizienzsteigerung soll zu einem Vorsteuergewinn von 100 Millionen Euro führen. Gleichzeitig soll die Kundenzahl um mindestens zehn Prozent auf 680.000 anwachsen. Angesichts der hohen Abhängigkeit vom Hauptprodukt Lebensversicherung, das nach dem Boomjahr 2004 deutlich rückläufige Abschlusszahlen erwarten lässt, erscheint dieses Ziel sehr ambitioniert. Insbesondere das erste Quartal dürfte schwach ausfallen, wenngleich Schroeder-Wildberg für die ersten drei Monate einen Gewinn in Aussicht gestellt hat.

AWD bleibt vorn

Obwohl beide Gesellschaften derzeit eine vergleichbare Bewertung aufweisen, spricht vieles dafür, dass AWD auch in den kommenden Monaten die Nase weiter vorn haben wird. Die internationale Aufstellung und der erfolgreiche Vorstoß in die MLP-Domäne der Besserverdienenden lassen für 2005 ein erneutes Rekordergebnis erwarten. Allerdings würde dem AWD-Papier nach dem Erreichen des Aktionärs-Kursziels von 36 Euro zunächst eine schöpferische Pause gut tun, so dass Neueinsteiger Kurse im Bereich von 30 Euro abwarten sollten. Bei MLP mahnt die Charttechnik zur Vorsicht, so dass Anleger vor dem Einstieg zunächst die Zahlen zum ersten Quartal abwarten sollten.

 

Artikel aus DER AKTIONÄR Ausgabe# 13/2005.

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