- DER AKTIONÄR

Das riecht nach Ärger

Die Investoren fiebern gespannt der diesjährigen Hauptversammlung von DaimlerChrysler am Mittwoch entgegen. Kein Wunder, denn zwei Fondsgesellschaften gehen auf Konfrontationskurs, wollen Vorstandschef Jürgen Schrempp die Entlastung versagen. Das weckt Erinnerungen an 2004.

Die Investoren fiebern gespannt der diesjährigen Hauptversammlung von DaimlerChrysler am Mittwoch entgegen. Kein Wunder, denn zwei Fondsgesellschaften gehen auf Konfrontationskurs, wollen Vorstandschef Jürgen Schrempp die Entlastung versagen. Das weckt Erinnerungen an 2004.

Von Martin Weiß

Die Aktien der DaimlerChrysler AG (WKN 710 000) verlieren zum Wochenauftakt im Xetra-System 0,7 Prozent auf 34,11 Euro. Der Deutsche Aktienindex DAX büßt im gleichen Zeitraum 0,9 Prozent auf 4.336,01 Punkte ein. Marktbeobachter äußerten sich erstaunt über die Kursstabilität der Daimler-Chrysler-Aktie. Es sei schon eigenartig, wie verhältnismäßig stabil sich das Papier trotz der Hiobsbotschaften der Vorwoche entwickele, so der Tenor. DaimlerChrysler hat zuletzt durch den Rückruf von 1,3 Millionen Mercedes Benz-Fahrzeugen und anhaltender Probleme beim Smart für negative Schlagzeilen gesorgt. Als möglicher Grund für die relative Kursstärke wird am Montag die verstärkte Suche nach Lösungen genannt.

Fondsgesellschaften gehen auf Konfrontationskurs

Die Begründung dürfte vielen Aktionären wie Hohn in den Ohren klingen, denn die Probleme, mit denen DaimlerChrysler zu kämpfen hat - sei es bei der Qualität oder dem Milliardengrab Smart - sind nicht erst seit ein paar Monaten bekannt. Passiert ist seither wenig und so muss sich Vorstandschef Jürgen Schrempp auch nicht wundern, dass sich erneut Widerstand gegen ihn formiert. Wie am Wochenende bekannt wurde, wollen zwei Fondsgesellschaften dem Top-Manager (geschätztes Jahresgehalt neun Millionen Euro) die Entlastung versagen. Union Investment werde sich bei der Entlastung des Konzernvorstandes der Stimme enthalten, meldete dpa-AFX unter Berufung auf den Union-Investment-Sprecher Rolf Drees. Die Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken hält eigenen Angaben zufolge insgesamt 15 Millionen Stückaktien, entsprechend 1,5 Prozent am Grundkapital der AG. Medienberichten zufolge geht auch die SEB auf Konfrontationskurs mit dem ungeliebten Manager.

Déjá vu für Jürgen Schrempp

Die Ankündigung dürfte bei Jürgen Schrempp unangenehme Erinnerungen an die Hauptversammlung im vergangenen Jahr wecken. Damals hatten sich DWS-Top-Manager Klaus Kaldemorgen und einige seiner Kollegen den Firmenlenker vorgenommen und harsche Kritik geübt - ein bis dato undenkbarer Vorgang in Deutschland. Insbesondere warfen die Moneymanager Schrempp vor, viel zu langsam auf Probleme zu reagieren. Der Daimler-Boss erhielt die Quittung in Form des Abstimmungsergebnisses: nur 88,49 Prozent entlasteten den Vorstand nach mehr als 99 Prozent 2003. Die DWS will dem Handelsblatt zufolge erst nach der Stellungsnahme des CEOs entscheiden, ob sie ihn entlastet. Der Frust unter den Investoren ist verständlich, denn seit der Übernahme von Chrysler im Jahr 1998 befindet sich der Aktienkurs auf Talfahrt. Allein in den letzten fünf Jahren hat sich der Anteilswert halbiert, seit Jahresbeginn beträgt das Minus vier Prozent. Damit hinkt das Papier deutlich dem Gesamtmarkt hinterher, der seit dem 1. Januar um ein Prozent an Wert gewonnen hat.

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