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Das Handy als Glotze

Die Entwicklung des Handys in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten ist eine erstaunliche. Noch Mitte der 90er-Jahre war als Wichtigtuer verpönt, wer ein Mobiltelefon mit sich führte. Zur Jahrtausendwende gehörte es dann schon zum guten Ton, zu jeder Zeit und an jedem Ort auf dem Handy erreichbar zu sein. Und heute gilt man sogar als Relikt einer längst vergessenen Zeit, wenn man sich noch zum Telefonieren in eine Telefonzelle stellt.

Wird Fernsehen auf dem Mobiltelefon bald ein Muss? Der texanische Chiphersteller Microtune hätte nichts dagegen.

Die Entwicklung des Handys in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten ist eine erstaunliche. Noch Mitte der 90er-Jahre war als Wichtigtuer verpönt, wer ein Mobiltelefon mit sich führte. Zur Jahrtausendwende gehörte es dann schon zum guten Ton, zu jeder Zeit und an jedem Ort auf dem Handy erreichbar zu sein. Und heute gilt man sogar als Relikt einer längst vergessenen Zeit, wenn man sich noch zum Telefonieren in eine Telefonzelle stellt. Doch diese rasante Entwicklung dürfte noch nicht am Ende angelangt sein. Bald werden vielleicht schon diejenigen zum alten Eisen gehören, die noch nicht auf ihrem Handy fernsehen können.

Kunden wie LG Electronics

Ob es wirklich notwendig ist, sich das aktuelle TV-Programm immer und überall zu Gemüte führen zu können, sei einmal dahingestellt. Allerdings schien es ja vor Jahren auch nur von bedingter Notwendigkeit zu sein, sich launige Klingeltöne oder Computerspiele auf sein Telefon zu laden – und trotzdem ist es mittlerweile ein Milliardenmarkt. Sinn hin oder her – technisch ist es jedenfalls schon möglich, das Handy als Fernseher zu benutzen: Das US-amerikanische Unternehmen Microtune entwickelt Chiplösungen für den Empfang von TV-Signalen in HDTV- und Röhrenfernsehern, in Set-Top-Boxen sowie in tragbaren DVD-Playern – und eben in Mobiltelefonen. Der koreanische Handy-Konzern LG Electronics etwa setzt die Microtune-Tuner-Technologie bereits in einigen Handymodellen mit übergroßem Display ein.

Üppig bewertet, aber nicht teuer

Für Microtune ist das Interesse am mobilen „Glotzen“ ein lohnendes Geschäft: Im jüngsten Quartal, das im Juni endete, steigerten die Texaner den Umsatz um rund 50 Prozent auf 19,2 Millionen Dollar. Und die Analysten sehen Potenzial für weitere Zuwächse. Nachdem sie im laufenden Jahr erstmals mit schwarzen Zahlen bei Microtune rechnen, schätzen sie das Gewinnwachstum für das kommende Jahr auf fast 90 Prozent. Vor diesem Hintergrund ist die Aktie der Texaner auch bei einem auf den ersten Blick üppigen 2007er-KGV von 33 nicht überteuert.

Nur für Risikobereite

Bis sich durchsetzt, dass die breite Masse auf dem Handy fernsieht, können durchaus noch ein paar Jahre vergehen. Wer dennoch schon einmal auf diese Entwicklung spekulieren will, kann sich ein paar Aktien von Microtune ins Depot legen. Unter anderem wegen ihrer Volatilität eignen sich die Papiere allerdings nur für risikobereite Anleger. Microtune lässt sich bislang nur über die US-Börse ordern. ISIN: US59514P1093.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 41/2006.

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