- Markus Horntrich - Chefredakteur

Das erste deutsche IPO des Jahres: Ist onoff ein Kauf?

Mit der Onoff AG wagt voraussichtlich Ende Februar das erste deutsche Unternehmen in diesem Jahr den Sprung an die Börse. Die auf Prozessautomatisierung und Digitalisierung für Industrie-4.0-Lösungen spezialisierte Firma strebt ein Notierung im Scale an. Ist der Börsenneuling ein Kauf?

Der erste Test des Jahres am IPO-Markt steht in wenigen Tagen an. Der auf Prozessautomatisierung und Digitalisierung für Industrie-4.0-Lösungen spezialisierte Systemintegrator Onoff plant sein Börsendebüt im Scale, dem Segment für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der Deutschen Börse. Begleitet wird der Börsengang von der MWB Wertpapierhandelsbank.

Das Angebot

Aktuell gibt es von der Onoff AG zwei Millionen Aktien, die von drei Aktionärsgruppen gehalten werden: Je 47 Prozent besitzen die Familie des Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Arneke und die Brüder Günter und Manfred Bergmann, die im Unternehmen tätig sind. Die restlichen sechs Prozent der Aktien gehören der GILSA Unternehmensberatung und Beteiligungsgesellschaft mbH. Im Rahmen des geplanten Börsengangs sollen neben 500.000 Aktien aus einer Kapitalerhöhung bis zu 750.000 von den Altaktionären angeboten werden, wovon bis zu 150.000 aus einer Mehrzuteilungsoption stammen. Die Altaktionäre platzieren die Aktien entsprechend ihres Anteilsbesitzes um. Nach dem IPO wird es 2,5 Millionen Onoff-Aktien geben. Damit hat die geplante Transaktion ein Gesamtvolumen von schätzungsweise 23 Millionen Euro. Onoff dürften je nach Platzierungspreis acht bis neun Millionen Euro an frischem Kapital zufließen. Insgesamt wird das niedersächsische Unternehmen zum IPO mit 40 bis 45 Millionen Euro bewertet.

Konjunkturresistentes Geschäft

Das 1988 gegründete Unternehmen mit Sitz im Wunstorf bei Hannover beschäftigt rund 160 Mitarbeiter. Der unabhängige, etablierte Systemintegrator hat sich innerhalb der Automatisierungsbranche auf regulierungsintensive Branchen wie Pharma/Biotech und Nahrungsmittel spezialisiert. Aus der Verschmelzung von Digitalisierung und Automatisierung erhofft sich der Börsenneuling in den kommenden Jahren kräftiges Wachstum. Die drei wesentlichen Wachstumstreiber sind die Digitalisierung – Stichwort Industrie 4.0 –, Pharma 4.0 und Green Tech. Rund 50 Prozent der Umsätze von 18,2 Millionen Euro im Jahr 2018 erwirtschaftete Onoff mit Kunden der Pharma- und Biotech-Branche, darunter namhafte Größen wie Boehringer Ingelheim und Roche. Weitere 15 Prozent stammen von Kunden aus der Nahrungs- und Genussmittelbranche wie Frischli, Storck oder Barry Callebaut. Der Rest verteilt sich auf die Bereiche Wasser und Abwasser sowie Chemie und Industrie (jeweils zehn Prozent) und Green Energy (fünf Prozent).

Abgesehen vom übergeordneten Trend Industrie 4.0 und Digitalisierung eröffnen sich mit Pharma 4.0 gute Wachstumsmöglichkeiten. Auf die sich intensivierende Regulierung und den steigenden Wettbewerbsdruck reagieren auch Pharmafirmen mit zunehmender Digitalisierung und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz. Durch bestehende Kundenkontakte hat Onoff bereits einen vielversprechenden Marktzugang. Weiteres Potenzial bietet der letztgenannte Bereich Green Tech. Die International Maritime Organization (IMO) hat neue Emissionsgrenzwerte ab 1.1.2020 für die Schifffahrt festgelegt. Das heißt, dass entweder sämtliche Schiffe mit Filtern nachgerüstet werden oder, was die nachhaltigere Lösung wäre, neue Antriebe wie Flüssiggas (LNG) oder Wasserstoff zum Einsatz kommen. Onoff hat bereits vier LNG-Schiffe erfolgreich automatisiert, sodass sich aus dem Bereich Green Tech in den nächsten Jahren interessante Wachstumsperspektiven ergeben sollten. Zum überwiegenden Teil will Onoff die Erlöse aus dem Börsengang in Forschung und Entwicklung fließen lassen, um organisch zu wachsen. Ein Teil, etwa ein Viertel, soll auch für Zukäufe genutzt werden.

Eine Frage der Bewertung

Wachstumsfantasie besteht alleine schon aufgrund der Chancen aus der Digitalisierung und der Industrie 4.0. Heute hat die onoff AG die Bookbuilding-Spanne (16,00 bis 18,00 Euro) festgelegt. Zugutehalten kann man der Firma, dass Erlöse aus dem neuen Geschäftsbereich Clean Tech in den Prognosen dem Vernehmen nach noch nicht enthalten sind, sodass ein gewisses Upside-Potenzial besteht. Gleichzeitig ist das Geschäft aufgrund der Branchenfokussierung (Pharma und Nahrung/Genuss) relativ konjunkturstabil, während die Markteintrittsschranken hoch sind. Angesichts des untenstehenden Peergroupvergleichs ist der Börsenneuling am unteren Ende der Preisspanne ein Investment wert.

onoff im Peergroupvergleich:

Aktie BörsenwertKUVEV/EBITDAKGV 
 Mio. Euro19e20e19e20e19e20e
 PSI 255,1 1,2 1,1 9,9 8,6 19,4 17
 Rockwell Automation 18.304 3 2,8 13,4 12,8 18,9 17,5
 Adesso 323,6 0,8 0,8 9,6 8,2 19,6 17,1
 Mittelwert   1,7 1,6 11 9,9 19,3 17,2
 onoff 42,5 1,8 1,5 14 9 30,8 18,8

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