- DER AKTIONÄR

Das Ei des Columbus?

Der Zwang zur Effizienzsteigerung im Kliniksektor beschert dem IT-Dienstleister und Börsenneuling Medical Columbus ein stürmisches Wachstum. Für risikofreudige Anleger ist das Papier ein Kauf.

Der Zwang zur Effizienzsteigerung im Kliniksektor beschert dem IT-Dienstleister und Börsenneuling Medical Columbus ein stürmisches Wachstum. Für risikofreudige Anleger ist das Papier ein Kauf.

Von Michael Lang

Es ist kein Ei des Columbus, das den Geschäftserfolg der Medical Columbus AG ausmacht, sondern eine der weltweit größten Datenbanken im Gesundheitswesen. MC Navigator nennt sich die Referenzdatenbank mit 1,3 Millionen standardisierten Einträgen, die der elektronischen Anbindung von Kliniken an die medizintechnische und pharmazeutische Industrie dient.

Jährliche Verdopplung

Der hohe Kostendruck im deutschen Gesundheitssektor, der durch die Einführung der Fallpauschalen noch verstärkt worden ist, beschert Medical Columbus eine Sonderkonjunktur. Das im Taunus ansässige IT-Unternehmen bietet so genannte E-Procurement-Lösungen an, die den Kliniken eine Optimierung ihres Materialeinkaufs ermöglichen. Dabei tritt die 1998 gegründete Gesellschaft als Dienstleister vergleichbar einer Börsenplattform auf, der mit einem Anteil von knapp einem Prozent am Umsatz beteiligt ist.

Das Marktpotenzial im europäischen Kernmarkt liegt Schätzungen zufolge bei 15,7 Milliarden Euro. Bisher haben sich Kliniken mit etwa 46.000 Betten vertraglich an Medical Columbus gebunden, was einem Marktanteil in Deutschland von zehn Prozent entspricht. Im laufenden Geschäftsjahr 2004/05 (Stichtag 30. September) sollen bereits Transaktionen im Volumen von 214 Millionen Euro abgewickelt werden.

Im Hintergrundgespräch mit dem aktionär zeigt sich Aufsichtsrat und Firmengründer Dr. Gert Frank zuversichtlich, dass es in den kommenden drei Jahren gelingt, das Transaktionsvolumen jährlich zu verdoppeln. Der Break-even sei in drei bis vier Monaten erreicht. Neben den laufenden Einnahmen generieren der Verkauf der Datenbanklizenzen sowie Projektgebühren für die Anpassung an die jeweiligen IT-Systeme der Kliniken zusätzliche Erlöse.

Neu im Freiverkehr

Am vergangenen Freitag feierte Medical Columbus im Rahmen eines "IPO light" sein Börsendebüt im Frankfurter Freiverkehr. Der erste Kurs lag bei 18,25 Euro, dies entspricht bei 1,7 Millionen ausstehenden Aktien einer Marktkapitalisierung von 31 Millionen Euro. Damit bringt die schuldenfreie Gesellschaft weniger als die branchenüblichen acht- bis zehnfachen Gebühren des Geschäftsjahres 2005/06 auf die Waage. Noch nicht berücksichtigt sind dabei zusätzliche Bezahl- und Informationsmodule, die eine Erhöhung der Umsatzbeteiligung um rund 0,5 Prozentpunkte bedeuten würden.

Mittelfristig hält Dr. Frank auch Akquisitionen für denkbar. Zur Finanzierung steht ein genehmigtes Kapital von 850.000 Aktien bereit, das ohne Bezugsrechtshandel platziert werden kann. VC-Gesellschaften sind bei Medical Columbus nicht an Bord, lediglich Geratherm Medical hält eine Finanzbeteiligung in Höhe von 5,03 Prozent. Für die notwendige Liquidität der Aktie wird die Wertpapierhandelsbank Close Brothers Seydler als Designated Sponsor sorgen.

Für Risikofreudige

Für die seit dem 3. Juni gelistete Medical Columbus AG sprechen die starke Marktstellung sowie hohe Wachstumsraten. Abschreckend könnte hingegen die mit einer Freiverkehrsnotiz verbundene geringe Transparenz wirken. Keine Sorgen müssen sich Anleger zunächst über Insiderverkäufe machen: Mehr als 90 Prozent der Aktien sind bis Jahresende gelockt.

Interessanter Börsenneuling

Medical Columbus

 

ISIN DE0006618309
Kurs am 13.06.2005 20,68€
Empfehlungskurs 18,25€
Ziel 25,00€
Stopp 14,00€
KGV 06e -
Chance/Risiko 4/4

Artikel aus DER AKTIONÄR (24/05).

 

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