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Das 1x1 der Börse TEIL 1

DER AKTIONÄR startet mit dem "1x1 der Börse" eine neue Serie für Börsen-Einsteiger. Wir erklären Ihnen die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur ersten eigenen Aktie und zur erfolgreichen Geldanlage mit Wertpapieren.

DER AKTIONÄR startet mit dem "1x1 der Börse" eine neue Serie für Börsen-Einsteiger. Wir erklären Ihnen die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur ersten eigenen Aktie und zur erfolgreichen Geldanlage mit Wertpapieren.

Von Sebastian Grebe

Seit Jahresanfang notieren die meisten Indizes weltweit deutlich im Plus. Der Dax bewegt sich stetig auf die Marke von 5.000 Punkten zu, Neuemissionen sind einmal mehr hoffnungslos überzeichnet und mit Einzelwerten können Spekulanten kurzfristig hohe Summen verdienen. Vor diesem Hintergrund beginnen viele Verbraucher, sich wieder für Aktien & Co zu interessieren. Die Statistik gibt ihnen Recht: Langfristig gesehen wurden Aktien und Aktienfonds in den letzten 100 Jahren von keiner anderen Anlageform übertroffen.

DER AKTIONÄR wendet sich mit seiner aktuellen Serie "Das 1x1 der Börse" an alle, für die das Börsenparkett noch absolutes Neuland ist. Auf den folgenden Seiten sollen die wichtigsten Grundbegriffe erläutert und die grundlegenden Mechanismen erklärt werden.

Was ist eine Aktie?

Beginnen wir mit der einfachsten Frage: "Mit was wird da überhaupt gehandelt?" Eine Aktie ist per Definition ein Wertpapier, das seinem Eigentümer den Anteil an einem Unternehmen verbrieft. Einfach ausgedrückt ist eine Aktie also nichts anderes als ein Anteil an einem Unternehmen.

Im Regelfall ist dieses Unternehmen eine Aktiengesellschaft. In Deutschland ist zur Gründung einer AG ein Stammkapital in Höhe von mindestens 50.000 Euro nötig (daher auch der Name "Kapitalgesellschaft" für derartige Rechtsformen). Bei der Gründung wird festgelegt, in wie viele Anteile das Grundkapital gestückelt wird. Der Anteil einer Aktie am Grundkapital ergibt den so genannten "Nennwert" pro Aktie. Vorsicht: Dieser stellt weder den fairen Wert des Unternehmens dar, noch ist er mit dem Aktienkurs zu verwechseln. Letzterer wird durch Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt. Grundsätzlich wird zwischen Stammaktien und Vorzugsaktien unterschieden. Häufig haben Besitzer von Vorzugsaktien kein Stimmrecht, erhalten aber eine höhere Dividende.

Wie kommen Aktien an die Börse?

Die Anteile einer AG werden nicht automatisch an der Börse gehandelt. Dazu muss die Gesellschaft einen "Börsengang" (englisch: Initial Public Offering = IPO) durchführen. Das geschieht mit- hilfe einer oder mehrerer Banken, den so genannten Konsortialbanken. Diese legen die Bookbuildingspanne fest, also den Preisrahmen, in dem die ausgegebenen Aktien platziert werden sollen. Interessierte Anleger können im Vorfeld des Börsengangs im Rahmen dieser Spanne bei ihrer depotführenden Bank ein Angebot abgeben. Man spricht hierbei vom "Zeichnen". Besteht innerhalb der Zeichnungsfrist nur wenig Interesse, so kann ein Börsengang abgesagt werden. Bei hoher Nachfrage kann es dagegen passieren, dass mehr Aktien gezeichnet werden, als verfügbar sind. Dann spricht man von einer Überzeichnung.

In diesem Fall werden die Aktien zu einem Preis ausgegeben, der dem oberen Ende der Bookbuildingspanne entspricht. Damit ist der Weg für einen erfolgreichen Börsengang und steigende Kurse frei.

Was ist ein Depot?

Wer Aktien erwerben möchte, der benötigt zunächst ein Depot, in dem seine Wertpapiere virtuell verwahrt werden. Ein solches Depot kann man direkt bei der kontoführenden Hausbank eröffnen. Der Vorteil: Anleger erhalten auf Anfrage auch eine Anlageberatung. Der Nachteil: Zumeist sind die Kosten ziemlich hoch. Eine Alternative sind so genannte Discount- oder Onlinebroker. Diese sind meistens günstiger als die Hausbanken, allerdings bieten sie keine Beratung.

Wo, wann und wie kann ich kaufen?

Der Erwerb von Aktien geschieht im Regelfall über die Börse. Die wichtigsten Börsenplätze in Deutschland sind die Parkettbörse in Frankfurt und die elektronische Handelsplattform XETRA. In Frankfurt können Anleger Aktien wochentags von 9.00 bis 17.30 Uhr handeln, auf XETRA ist der Handel bis 20.00 Uhr möglich. Die Börsen in den USA haben von 15.30 Uhr bis 22.00 Uhr unserer Zeit geöffnet.

Den Kauf einer Aktie wickelt man über seinen Broker oder über seine Bank ab. Das geschieht im Regelfall per Telefon oder per Internet. Dazu benötigt der Broker einige Angaben. Die Aktie, die man kaufen möchte, ist neben dem Namen der Gesellschaft durch eine Wertpapierkennnummer (WKN oder ISIN) eindeutig identifizierbar. Daneben benötigt der Broker die gewünschte Stückzahl sowie Angaben zu einem eventuellen Limit und der Gültigkeitsdauer der Order.

Wie viel muss ich investieren?

"Wie viele Aktien muss ich mindestens kaufen?" Die Antwort auf diese oft gestellte Frage lautet: eine. Es gibt bei Aktien kein Mindestkontingent, das man abnehmen muss. Allerdings ist es unter Renditeaspekten sinnvoll, zumindest in der Größenordnung von deutlich über 1.000 Euro zu investieren.

Wie lange bleibt die Order bestehen?

Die Gültigkeitsdauer einer Kauf- oder Verkauforder beträgt normalerweise einen Handelstag. Soll ein Auftrag länger bestehen bleiben, muss man dies extra angeben. Anleger können die Gültigkeitsdauer bis zu einem bestimmten Termin verlängern oder auch "unendlich" lange laufen lassen. In diesem Fall bleibt die Order so lange bestehen, bis sie ausgeführt wird. Das nennt man "ultimo". Eine Variante ist das englische "Good till cancelled" (GTC). Hier bleibt die Order bestehen, bis sie ausgeführt wird oder man selbst sie wieder storniert. Achtung: Für "Extrawünsche" wie Limits oder Streichungen berechnen viele Broker gerne Extragebühren.

Wie kommt ein Kurs zustande?

Wie immer im Wirtschaftsleben bestimmen auch an der Börse Angebot und Nachfrage den Preis. An der Börse gibt es für jedes Wertpapier immer zwei aktuelle "Preise": das höchste Kaufangebot und die niedrigste Verkaufofferte. Der Preis des höchsten Kaufangebots wird "Geld-Kurs" (englisch: "bid") genannt. Der Preis des niedrigsten Verkaufangebots wird "Brief-Kurs" oder englisch "ask" genannt.

Ein Beispiel: Käufer A ist bereit, 100 Stück der Aktie X für maximal 9,80 Euro zu kaufen. Verkäufer B ist bereit, 100 Stück der Aktie X für minimal 10,20 Euro zu verkaufen. Im Fachjargon sagt man dann: "Bei Aktie X stehen 100 Stück für 9,80 auf der Geldseite und 100 Stück für 10,20 auf der Briefseite". In diesem Fall kommt natürlich kein Kurs zustande.

Angenommen, Käufer C ordert nun 80 Stück der Aktie X unlimitiert, dann kauft er zum aktuellen Brief-Kurs von 10,20 Euro. In diesem Moment ist eine Transaktion und somit ein Kurs zustande gekommen. Nun stehen nur noch 20 Stück der Aktie X zu 10,20 Euro auf der Briefseite. In der Realität werden bei den meisten Aktien permanent sehr viele Kauf- und Verkauforders platziert, so dass im Regelfall immer zueinander passende Orders vorliegen. Diese Orders zusammenzuführen ist die Aufgabe des Maklers. Er soll Geld- und Briefkurse so stellen, dass möglichst viele anstehende Orders ausgeführt werden können. Somit kommen bei großen Werten jeden Tag mehrere hundert Kurse zustande.

Kann man immer verkaufen?

Prinzipiell ja. Bei großen und liquide gehandelten Werten liegen immer so viele Kauf- und Verkauforders vor, dass eine Position problemlos im Bereich des letzten festgestellten Kurses verkauft werden kann. Bei kleineren und unbekannten Titeln, so genannten "marktengen" Papieren, kann es allerdings geschehen, dass die "beste" Geld-Order weit unter dem gewünschten Kurs liegt. Dann kann man zwar verkaufen, muss aber einen Verlust hinnehmen.

 

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