Daimler
- Werner Sperber - Redakteur

Daimler brennt auf die Zelle

Daimler gibt sich vor der am Donnerstag beginnenden Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main "grün". Der Konzern möchte die weltweite Nummer 1 bei Premium-Fahrzeugen werden, und mit der Elektro- und Brennstoffzellen-Technologie dafür sorgen, dass der Kohlendioxid-Ausstoß der gesamten Flotte sinkt.

Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender von Daimler, ist vor der 64. Internationalen Automobilausstellung (IAA; Fachbesuchertage: Donnerstag, 15. September und Freitag, 16. September 2011; Publikumstage: Samstag, 17. September, bis Sonntag, 25. September) in Frankfurt am Main optimistisch: "Für das nächste Jahr sehe ich eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein gedämpftes Wachstum als für eine Rezession." Dr. Zetsche erkenne bislang keine Auswirkungen der Turbulenzen an den Finanzmärkten auf den Auftragseingang bei dem Konzern aus Stuttgart. In den nächsten Jahren dürfte die Auto-Branche sogar stärker wachsen als die Gesamtwirtschaft, wobei Hersteller von hochpreisigen Premium-Fahrzeugen noch einmal stärker zulegen sollten. Dr. Zetsche erklärte erneut, bis zum Jahr 2020 der führende Premiumhersteller vor BMW und Audi sein zu wollen. Im Vergleich mit den Wettbewerbern werde Mercedes-Benz Marktanteile gewinnen. Unter anderem möchte Dr. Zetsche dafür in den nächsten vier Jahren zehn neue Fahrzeuge auf den Markt bringen, die noch keine Vorläufer in der aktuellen Modellpalette haben.

"Grün" muss sein

Die Debatte um den Kohlendioxid-Ausstoß beschäftigt auch den Daimler-Chef. Um bei der Mercedes-Flotte einen niedrigeren Emissions-Wert zu erreichen, setzt der Konzern zum einen auf den Elektro-Smart. Zum anderen belebt Dr. Zetsche die Brennstoffzelle wieder. Er sagt: "Wasserstoff ist heute das bessere Öl." Daimler arbeitet seit mehr als zehn Jahren an Brennstoffzellen-Fahrzeugen. Ende der 1990er Jahre versprach der Konzern, innerhalb der nächsten Jahre ein solches Auto in Serie zu produzieren. Nun verspricht Dr. Zetsche: Nicht im Jahr 2015 sondern im Jahr 2014 werde die B-Klasse F-Cell als Serienmodell auf den Markt kommen. Die Grundlage in der Größe einer Luxuslimousine ist das Forschungsfahrzeug F125!.

Zuerst die Autos oder doch die Tankstellen

Zum Wasserstoff-Antrieb hat der F125! noch eine Lithium-Ionen-Batterie, die an der Steckdose oder induktiv geladen werden kann. Diese Brennstoffzellen-Plug-In-Kombination soll eine Reichweite von bis zu eintausend Kilometern ermöglichen. Die Dauerleistung des F125! soll 231 PS und die Spitzenleistung 313 PS betragen. Der Konzernchef gibt sich stolz: "Die Brennstoffzelle bietet alles, was Sie von herkömmlichen Autos gewöhnt sind - außer den Emissionen." Zwar engagiert sich Daimler bereits mit seinem Technologiepartner Linde um den Ausbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes, doch dürfte ein Konzern nicht ausreichen, um das "Henne-Ei-Problem", wie Dr. Zetsche es nennt, zu lösen.

Günstig, aber zu unruhig

Insgesamt haben die Analysten ihre Schätzungen für die Gewinne je Aktie in den Jahren 2011 bis 2013 erneut gesenkt. Sie gehen nun von Ergebnissen von 5,25 Euro, von 5,24 Euro und von 5,84 Euro aus. Das entspräche Kurs-Gewinn-Vielfachen von 6 und von 5. Bei einem Eigenkapital pro Anteilschein von 36,30 Euro beträgt das Kurs-Buchwert-Verhältnis nun etwa 0,9. Vor einem Einstieg sollte dennoch eine Beruhigung an den Märkten und eine Bodenbildung im Chart der Aktie abgewartet werden.

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