Daimler
- Jochen Kauper - Redakteur

Daimler-Aktie: Neue Elektroflitzer kommen

Daimler will den Anteil der verkauften Autos mit Elektroantrieb in den kommenden Jahren deutlich ausbauen und plant weitere Modelle. "Bis 2020 wird Elektromobilität bei Daimler sechsstellig", sagte Entwicklungsvorstand Thomas Weber bei einer Veranstaltung des Autoherstellers. Auf dem Pariser Autosalon im September wollen die Stuttgarter den Ausblick auf ein rein batterieelektrisches Fahrzeug geben. Es soll mit einer Ladung bis zu 500 Kilometer weit fahren und in den nächsten Jahren auf den Markt kommen, wie der Hersteller schon früher angekündigt hatte.

Ausbaufähig: Nur 3.000 E-Autos im Jahr 2015 abgesetzt

Wie viele Wagen mit Elektro- oder Hybridantrieb, der E- und Verbrennermotor vereint, Daimler derzeit verkauft, veröffentlicht das Unternehmen nicht. Derzeit liegen alle deutschen Oberklasseanbieter Branchenschätzungen zufolge im fünfstelligen Bereich pro Jahr. Weltweit verkaufte Daimler 2015 knapp zwei Millionen Autos.
In Deutschland hat Daimler im vergangenen Jahr nach Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamtes rund 3000 Autos mit Elektroantrieb abgesetzt. 1161 davon hatten einen reinen E-Motor im Smart und in der B-Klasse, der Rest fuhr als Hybridauto mit Strom und Benzin. Zum Vergleich: Insgesamt verkaufte Daimler bundesweit rund 310.000 Autos.

„Der Markt ist reif“

Weber hält den Markt für Elektroantriebe trotzdem für reif. "Wir sind überzeugt, dass der Markt jetzt so weit ist" - obwohl er einräumte, dass kein Hersteller derzeit Geld damit verdiene. "Ich glaube, dass die Kaufprämie dazu beitragen kann, die Masse zu unterstützen." Entscheidend sei aber der Aufbau der Infrastruktur für E-Autos.
Auch andere Hersteller geben sich optimistisch. Bis zum Jahr 2025 erwartet Volkswagen laut einem Bericht der "Automobilwoche" einen E-Auto-Marktanteil von 25 Prozent in der EU, China und den USA. 2030 könnten dann die Hälfte aller verkauften Autos Elektrofahrzeuge sein.

Neue Modelle 2017

Die Plug-in-Technologie, die Verbrennungs- und Elektromotor vereint, sei der entscheidende, auch mentale Einstieg in die Elektromobilität, meinte Weber. Aus diesem Grund sollen in Zukunft alle Modelle mit der Technik angeboten werden. "Schritt für Schritt werden wir auf diese Weise alle Mercedes-Benz-Cars-Pkw elektrifizieren", sagte der Manager. 2017 sollen zehn Modelle als Hybrid verfügbar sein.
Auch das 2017 in Serie geplante Brennstoffzellen-Auto auf Basis des sportlichen Geländewagens GLC soll auf der Pariser Messe gezeigt werden. Es wird mit einem Plug-in-Hybrid-Motor ausgestattet, der sowohl mit Wasserstoff also auch mit Strom betankt werden kann. Die Stückzahlen dürften sich allerdings in Grenzen halten. Die Produktion werde sich im vierstelligen Bereich bewegen, sagte Harald Kröger, Entwicklungschef für Elektromobilität bei Mercedes-Benz.

14,5 Milliarden Euro werden investiert

Daimler investiert in den kommenden beiden Jahren 14,5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. "Mehr als die Hälfte davon fließt erneut in "grüne Technologien"", sagte Weber. In die Pkw-Forschung gingen davon 5,4 Milliarden Euro pro Jahr.
An einen Abschied vom Verbrennungsmotor sei aber noch nicht zu denken, so Weber: "Wir glauben, dass effiziente Diesel und Benziner noch jahrzehntelang im Straßenverkehr darüber entscheiden, wie viel CO2 tatsächlich eingespart werden kann." Gleichzeitig bereitet sich Daimler auch auf eine strengere Gesetzgebung für Ottomotoren vor. Von 2017 an sollen auch Benziner serienmäßig mit Partikelfiltern ausgestattet werden. "Wir warten nicht, bis der Gesetzgeber uns dazu zwingt", sagte Weber.

 

 

Schwache Performance

Bei Blick auf die Aktie wird deutlich: DER AKTIONÄR hat sehr lange an der Daimler-Aktie festgehalten, fast zu lange. Das Papier hat sich weitaus schlechter als der DAX entwickelt. Der Abgas-Skandal von VW und die Angst vieler Anleger, auch BMW und Daimler könnten geschummelt haben, hat der Aktie schwer zugesetzt und das Papier wieder auf unter 60 Euro abkippen lassen.

 

Bodenbildung?

Die letzten Wochen stellten die Anleger auf eine harte Probe. Klar ist, dass die Autobauer vor einem radikalen Wandel stehen. Verbrennungsmotoren gehören über kurz oder lang der Vergangenheit an. Immense Investition in Elektroautos, autonomes Fahren, Car-Sharing müssen getätigt werden, oder man bleibt auf der Strecke. Das wird nicht nur viele Milliarden Euro verschlingen. Daimler hat in den letzten Jahren aber gezeigt, mit seinen Modellen den Nerv der Zeit und den Geschmack der Konsumenten zu treffen. Jetzt muss man mit neuen Ideen und Konzepten punkten. Dann wird auch die Aktie wieder Boden gut machen. Seit Freitag hat sich das Bild an den Börsen wieder gewandelt: Die nächsten Wochen werden sehr holprig werden. Der US-Zinsentscheid sowie ein möglicher Brexit belasten die Börsen. Neukäufe sollten derzeit zurückgestellt werden. Stopp: 54,90 Euro.   

 

 (Mit Material von dpa-AFX).

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