- DER AKTIONÄR

D+S Europe - Ziel: Nummer 1

Nach dem erfolgreichen Turnaround ist D+S Europe mit der Übernahme der dtms - Deutsche Telefon- und Marketing Services AG ein viel beachteter Coup gelungen. Noch hat der Kapitalmarkt das Potenzial der "neuen" D+S nicht erkannt. Dies eröffnet Anlegern große Chancen. Wir haben beim Vorstandsvorsitzenden Dipl.-Ing. Achim Plate die Hintergründe des rasanten Wachstums erfragt.

Nach dem erfolgreichen Turnaround ist D+S Europe mit der Übernahme der dtms - Deutsche Telefon- und Marketing Services AG ein viel beachteter Coup gelungen. Noch hat der Kapitalmarkt das Potenzial der "neuen" D+S nicht erkannt. Dies eröffnet Anlegern große Chancen. Wir haben beim Vorstandsvorsitzenden Dipl.-Ing. Achim Plate die Hintergründe des rasanten Wachstums erfragt.

DER AKTIONÄR: Herr Plate, seit Mitte 2004 hat die D+S Europe AG nach ihrem erfolgreichen Turnaround einen offensiven Wachstumskurs eingeschlagen. Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Achim Plate: Ich möchte die D+S Europe AG zur Nummer 1 unserer Branche machen. Dazu nutze ich die gegenwärtige Entwicklung in der Anbieterlandschaft unseres Marktes. Denn die Anteile in dem dynamischen Markt für Communication-Center-Dienstleistungen sowie für die damit verbundenen Mehrwertdienste befinden sich noch in der Aufteilung.

Als First Mover richtet sich D+S als Business Process Management (BPM)-Dienstleister aus, der die Wertentwicklung der Endkunden in den Mittelpunkt des Kundenbeziehungsmanagements rückt. Diese Dienstleistung wird schon in sehr naher Zukunft für die Unternehmen im deutschsprachigen Raum erheblich an Bedeutung gewinnen. Wir sind in einer hervorragende Ausgangsposition, um uns damit an die Spitze der Branche zu setzen.

Wie wirkt sich das Wachstum des D+S-Konzerns auf dessen Ergebnissituation aus?

Unsere erfolgreiche Wachstumsstrategie wirkt im doppelten Sinne positiv. Auf einer ganz erheblich vergrößerten Umsatzbasis erreichen wir zugleich eine signifikante Steigerung unserer Ertragskraft. Gemessen am Netto-Umsatz bedeutet unsere Planung für das kommende Jahr eine EBIT-Marge von über zehn Prozent. Im Jahr 2007 erwarten wir eine entsprechende Rendite von mehr als zwölf Prozent. Bedenken Sie dabei bitte auch das Ergebnispotenzial, das wir aus der intelligenten Konzeption integrierter Dienstleistungen von D+S und dem kürzlich akquirierten Telefon-Mehrwertdienstleister dtms generieren können, woran wir auf Hochtouren arbeiten.

Schon im ersten Halbjahr 2005 haben Sie mit einem Halbjahres-EBIT von einer Millionen Euro einen Anstieg um 2,5 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum erreicht. Wie stark wird die Verbesserung im dritten Quartal sein?

Das erste Halbjahr war noch eine Betrachtung ohne die dtms AG, die wir mit Wirkung ab Juli 2005 übernommen haben. Bezogen auf die D+S in ihrer Konzernstruktur ohne dtms erwarten wir im dritten Quartal eine erneute Ergebnissteigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um etwa 1,5 Millionen Euro. Im Neun-Monats-Vergleich 2005 zu 2004 wird die D+S in ihrer alten Gruppenstruktur damit eine EBIT-Steigerung um rund vier Millionen Euro erreichen.

Wegen der erstmaligen Einbeziehung der dtms AG rechnen wir nunmehr allerdings allein im dritten Quartal 2005 mit einem Konzern-EBIT von mehr als vier Millionen Euro nach einem Vorjahreswert von 0,1 Millionen Euro. Durch dieses Ergebnis des ersten Quartals nach der Integration des dtms-Konzers in die D+S sehen wir auch unsere Planung eines Jahres-EBIT von über 18,5 Millionen Euro im kommenden Jahr deutlich bestätigt.

Sind Sie demzufolge auch zuversichtlich das prognostizierte Ergebnis von 20 Cent je Aktie im laufenden Jahr zu erreichen?

Ja, wir liegen voll im Plan. Dabei ist anzumerken, dass unser Geschäft zu einem wesentlichen Anteil auf langfristigen Verträgen mit festen Auftraggebern aufgebaut ist. Wir arbeiten zum überwiegenden Teil mit langjährigen Auftraggebern und haben meistens bereits vor Jahresmitte den Löwenanteil unseres Periodenumsatzes fest unter Vertrag. Das macht unser Geschäft planbar und erlaubt uns zuverlässige Aussagen zur weiteren Entwicklung. Das gibt uns die Gewissheit, jetzt schon für 2006 eine erwartete Steigerung des Ergebnisses auf 0,38 Euro pro Aktie und für 2007 auf 0,50 Euro je Aktie anzukündigen.

Trotz aller Berechenbarkeit Ihres Geschäfts sind das sehr hohe Ziele. Was macht Sie so sicher, bis 2007 diese hohen Gewinnsteigerungen zu schaffen?

Die D+S Europe AG ist dank ihrer Wachstumsstrategie am Markt sehr stark positioniert. Mit unserer Ausrichtung auf Business Process Management, das mein Vorstandskollege Tobias Hartmann mit geballter Vertriebskraft voranbringt, erreichen wir eine deutliche Verlängerung unserer Wertschöpfungskette. Daher können wir in den Jahren 2006 und 2007 ein überproportionales Wachstum erwarten und sehen in unserem Kerngeschäft eine durchschnittliche Zuwachsrate von rund 20 Prozent als absolut realistisch an.

Nehmen Sie als weiteren Beleg die Entwicklung unseres Pro-Kopf-Umsatzes. Die Verlängerung unserer Wertschöpfungskette vor allem in weniger personalintensiven Bereichen führt hier zu einer ganz signifikanten Erhöhung. In naher Zukunft werden wir den durchschnittlichen Pro-Kopf-Umsatz im Vergleich zum Jahr 2004 weit mehr als verdoppeln können.

Über das starke organische Wachstum hinaus haben Sie mit der Übernahme der dtms AG einen weiteren Größensprung vollzogen. Wie ist es überhaupt möglich, derart scharfe Wachstumsraten unter Kontrolle zu behalten?

Um es vorweg zu sagen: Wir haben unser Wachstum und den Ausbau unserer Wertschöpfungskette aus gutem Grund forciert. Denn damit es uns gelungen, die D+S Europe AG von einem austauschbaren Dienstleistungsunternehmen zu einem marktführenden Konzern mit unverwechselbarem Leistungsportfolio zu entwickeln.

Grundlegend für unser gesundes Wachstum ist unsere klare Strategie, nur Unternehmen zu akquirieren, die insgesamt zu einer Steigerung der Ertragskraft unserer Gruppe beitragen. Im Alltag ist ein Trumpf, den wir zur Kontrolle unseres wachsenden Geschäfts in Händen halten, unsere Prozess-Steuerung Intraday Complete Control (ICC).

Hat die bevorstehende Abschaffung der 0190er-Nummern negative Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

Ganz im Gegenteil: Wir sehen in der Ablösung der 0190 durch die neue Rufnummernkategorie 0900 erhebliche Potenziale für Outsourcing-Partner wie D+S, die auch die komplexesten Dialog-Strukturen abbilden können. Denn erst mit dem Konzept der neuen 0900er-Nummern erhalten Unternehmen die Möglichkeit, ihren Kunden über ein Sprach-Portal eine ganze Palette an Diensten und Inhalten gleichzeitig zur Wahl zu stellen. Die technische und organisatorische Umsetzung von 0900-Portalen ist somit prädestiniert für Outsourcing-Dienstleister, die im Zuge des professionellen Kunden-Dialogs über Information und Interaktion hinaus auch die Transaktion inklusive Bezahlvorgang vereinigen.

Mit dem Know-how unserer Tochtergesellschaft dtms Deutsche Telefon- und Marketing Services AG sind wir in einer besonders guten Ausgangsposition. dtms ist eines der wenigen Telekommunikationsunternehmen am Markt, dessen Abrechnungs-Plattform sowohl das bislang in der Service-Rufnummernwelt praktizierte online-Billing mit festgelegten Verbindungstarifen abbildet, aber gleichzeitig auch die für die 0900-Abrechnung unumgängliche offline-Variante mit dienstabhängig variierender Tarifierung integriert hat. Der wesentliche Vorteil von offline-Billing auf einen Nenner gebracht: Unsere Auftraggeber erhalten größtmögliche Flexibilität in der Preisgestaltung der Dienste innerhalb ihres 0900-Portals.

Für die ICC ist die D+S Europe AG Ende September in Birmingham mit dem renommierten "European Call Centre Award" für "Best Use of Technology" ausgezeichnet worden. Was ist ICC und was macht sie so besonders?

Mit der Intraday Complete Control (ICC) haben wir ein wegweisendes Instrument zur Qualitäts- und Effizienzsteuerung unserer Vertriebs- und Kundenkontaktprozesse entwickelt, mit dem wir in bisher nicht da gewesener Präzision und Aktualität Voraussagen zum bevorstehenden Kontaktvolumen treffen und daraus unter Berücksichtigung der Servicevorgaben eine präzise Personaleinsatzplanung ableiten können. Das Herausragende an der ICC sind ihre Schnelligkeit, ihre Präsizion und ihre Planungsfunktionen.

Es gibt unseres Wissens - und das hat die Award-Verleihung bestätigt - kein vergleichbares Instrument, das in Echtzeit so zuverlässige Daten zur Prozesssteuerung liefert. Andere Systeme, die noch als State-of-the-Art gelten, sind deutlich ungenauer, bieten weniger konkreten Nutzen und erlauben schon gar keine tagesaktuellen Anpassungen. Mit der ICC haben wir einen Quantensprung gemacht.

Welche Bedeutung hat die Auszeichnung mit dem "European Call Centre Award" für Sie?

Zum dritten Mal in Folge seit 2003 waren wir bei der Preisverleihung, für die es jährlich mehr als 500 Bewerbungen aus ganz Europa gibt, der einzige deutsche Preisträger. Das ist ein aussagekräftiger Nachweis für unsere Auftraggeber, dass D+S sich zu Recht als Qualitätsführer sieht. Speziell die diesjährige Auszeichnung mit dem Award für "Best Use of Technology" ist ein wichtiges Signal in den Markt, dass wir mit der ICC ein wegweisendes Tool zur Qualitäts- und Effizienzsteuerung von Vertriebs- und Kundenkontaktprozessen geschaffen haben. Wir setzen die ICC bereits seit über einem Jahr im Konzern ein und haben sie zur Marktreife geführt. Wir sind jetzt bereit, die ICC in Kürze offensiv mit dem Focus auf Inhouse-Call Center als Produkt für Lizenznehmer zu vertreiben.

Bereits jetzt verzeichnen wir großes Interesse an der ICC, zumal die wachsende Komplexität im Kundenkontaktmanagement über verschiedene Medienkanäle den Bedarf eines multifunktionalen Instruments zur ganzheitlichen Steuerung von Geschäfts- und Produktionsabläufen weiter verstärkt. Über die Call-Center-Branche hinaus ist die ICC auch auf die Steuerung von Prozessen in anderen, von Forecasts abhängigen Branchen ausgerichtet.

Hat sich die Wahrnehmung der D+S Europe AG am Kapitalmarkt aufgrund der jüngeren Entwicklungen etwas geändert?

Mit einem KGV von 13 für 2006 liegen wir deutlich unter dem durchschnittlichen KGV des SDax mit ca. 16 und des TecDAX mit ca. 23. Ich werte das als ein klares Anzeichen dafür, dass der faire Wert unserer Aktie über der aktuellen Notierung liegt. Gleichzeitig erkennen wir ein stark gestiegenes Interesse von Investoren an unserer Gesellschaft. Wir werden deshalb die Kommunikation unserer Zahlen und unserer Marktposition intensivieren und planen nächsten Monat eine Roadshow mit in- und ausländischen Terminen. Damit können wir die Lücke zwischen aktuellem Kurs und von uns gesehenem fairen Wert hoffentlich verkleinern.

Das Interview führte Michael Lang.

Fazit: Unter Wert gehandelt

Obwohl sich D+S Europe seit der ersten Kaufempfehlung vom aktionär in Ausgabe 41/2004 zu 2,56 Euro fast verdoppelt hat, ist die Gesellschaft auf aktuellem Niveau noch deutlich unterbewertet. Billigt man der Aktie ein 2007er-KGV von 15 zu, so hat sie auf Sicht von zwölf Monaten Potenzial bis 7,50 Euro. Weitere positive Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Artikel aus DER AKTIONÄR (44/05).

 

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