Curasan
- Michael Schröder - Redakteur

Curasan-Vorstand Rössler: "Wer jetzt nicht zugreift, verpasst etwas"

Curasan-Aktionäre machen sich Sorgen. Die Aktie des Spezialisten für Regenerative Medizin hat nach Presseberichten über eine angespannte Liquiditätssituation zuletzt deutlich an Wert verloren. Auch eine erweiterte Vertriebskooperation und ein neues US-Patent für die Cerasorb-Technologie konnten den Kursverfall nicht stoppen.

Nach Angaben des Unternehmens wäre eine Überbrückungsfinanzierung bis zum Erhalt der Schadenersatzleistung von Stryker „hilfreich, aber nicht zwingend notwendig“. DER AKTIONÄR sprach mit Vorstandschef Hans Dieter Rössler über die aktuelle Liquiditätslage, das Umsatzplus von 30 Prozent im ersten Halbjahr und eine mögliche außergerichtliche Einigung mit Stryker.

DER AKTIONÄR: Herr Rössler, die Curasan-Aktie ist zuletzt sogar kurzzeitig unter die Marke von einem Euro gerutscht. Presseberichte über die angespannte Liquiditätssituation haben nicht wenige Anleger verunsichert. Zudem hat Warburg Research das Rating „bis zur Sicherstellung der Durchfinanzierung“ ausgesetzt. Wie ist es aktuell um die finanzielle Leistungsfähigkeit der Curasan AG bestellt?

Hans Dieter Rössler: Ein Abgleich der Liquiditätsplanung zeigt, dass auf der Basis der Umsätze des ersten Halbjahres 2014 und einer Umsatzsteigerung in 2015 um rund 20 Prozent die Liquidität der Gesellschaft bis Ende 2015 ausreichen würde. Selbst ohne Umsatzsteigerung, würde uns nur ein relativ geringer Betrag von 0,5 Millionen Euro fehlen, der kein Grund für Verunsicherung sein sollte. Für das Aussetzen des Ratings durch Warburg Research habe ich vor diesem Hintergrund kein Verständnis. Es muss einem Unternehmen doch wohl noch erlaubt sein, einen Liquiditätsengpass aus eigener Kraft zu bewältigen, ohne dafür sanktioniert zu werden.

Ist in dieser Liquiditätsbetrachtung ein Geldzufluss aus dem Verfahren im Schadenersatzverfahren gegen die Stryker S.A. bereits berücksichtigt?

Nein, das ist nicht enthalten. Ein solcher Geldzufluss würde die Liquidität schlagartig und nachhaltig positiv verändern und uns in die Lage versetzen, zurzeit aus Kostengründen geparkte Projekte rasch zu aktivieren.

Wie ist der aktuelle Stand der Vergleichsverhandlungen mit Stryker? Sind Sie nicht schon bald gezwungenn, aus Liquiditätsgründen ein niedrigeres Vergleichsangebot anzunehmen, um allen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen?

Es finden Vergleichsgespräche neben dem laufenden Gerichtsverfahren statt, wobei die Vorstellungen der Parteien noch zu weit auseinander liegen. Unser umfangreiches und bereits umgesetztes Sparprogramm, das seine volle Wirkung erst in den nächsten Monaten entfaltet, soll ermöglichen, die Zeit bis zu einem Urteil oder einem annehmbaren Vergleich zu überbrücken.

Im ersten Halbjahr konnte Curasan den Konzernumsatz vor allem dank des Hauptumsatzträgers Cerasorb um 30 Prozent auf 2,98 Millionen Euro steigern. Wie zufrieden sind Sie mit dem operativen Abschneiden im ersten Halbjahr?

Wir haben margenschwache Produkte und unrentable Vertriebskanäle bereinigt und dadurch etwas weniger Umsatz erzielt als möglich gewesen wäre. Für die Ergebnisverbesserung waren diese Maßnahmen hilfreich, so dass wir insgesamt mit dem operativen Abschneiden zufrieden sind.

Was steckt hinter dem reduzierten Ordervolumen eines Großkunden?

Bei dem Großkunden handelt es sich um Zimmer Dental Inc., die nicht so performen, wie wir es erwartet haben. Deren Minderabnahmen zeigten bereits Auswirkungen im ersten Halbjahr, die sich fortsetzen werden. Ohne diesen Effekt wäre unsere Umsatzsteigerung von 30 Prozent noch etwas größer ausgefallen.

Mit welchen Maßnahmen haben Sie darauf reagiert?

Wir bereiten uns darauf vor, die davon betroffenen Produkte zusätzlich unter eigenem Label in USA selber zu vertreiben und in Europa und andere Märkte über lokale Vertriebspartner zu verkaufen, um damit die ursprünglichen Umsatzziele zu erreichen. Auch haben wir bislang eigen getätigte Umsätze an Vertriebspartner übertragen und zeigen nun dafür, bedingt durch die eingeräumten Margen, vorübergehend entsprechend geringere Umsätze. Allerdings fallen auch die Marketing- und Vertriebskosten sowie die damit verbundenen Personalkosten weg. Bedingt durch die größere Vertriebskraft unserer Partner werden die Umsätze nach einer gewissen Anlaufphase deutlich anziehen.

Inwiefern könnten die Minderabnahmen Ihre bisherige Umsatzprognose von 6,5 bis 7,5 Millionen Euro für das Gesamtjahr gefährden?

Vor dem Hintergrund der angesprochenen vielfältigen Veränderungen, ist nicht auszuschließen, dass wir das gesteckte Umsatzziel nicht ganz erreichen, was aufgrund des besseren Abschneidens beim Ergebnis und den künftigen Wachstumsaussichten jedoch vernachlässigbar ist. Alle Maßnahmen sind auf das Erreichen des Break-evens und die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit ausgerichtet. Deshalb muss sich der Blick stets auf die Umsatz- und die Ergebnisentwicklung gleichzeitig richten, wobei die Umsätze zwar wichtig, aber nicht alleinbestimmend sind, weil z. B. Verkäufe in Ländern mit historisch gewachsenen sehr langen Zahlungszielen unsere Liquidität zusätzlich strapazieren würden.

Trotz des eingeleiteten Kostensenkungsprogramms ist das EBIT im ersten Halbjahr 2014 mit minus 0,54 Millionen Euro noch negativ ausgefallen. Wann werden die Einsparmaßnahmen voll greifen und welche Erwartungen haben Sie an das zweite Halbjahr hinsichtlich des operativen Ergebnisses?

Bekanntlich verursachen Kostensenkungsmaßnahmen zunächst einmal zusätzliche Kosten, z.B. durch Rechts- und Beratungskosten, Abfindungen u.a.m. Trotzdem konnten wir das EBIT verbessern. Ab dem vierten Quartal werden wir ein konstant niedrigeres Kostenniveau haben, da wir durch die diversen Vertriebskooperationen, die wir in den letzten zwölf bis 18 Monaten etabliert haben, unsere eigenen Marketing- und Vertriebsaufwendungen und die entsprechenden Personalaufwendungen erheblich reduzieren konnten. So wurde der Personalstand von 52 auf 39 per 30.06.14 und derzeit 36 verschlankt. Unser Ziel ist es das Ergebnis im zweiten Halbjahr zu stabilisieren und damit die Basis für eine weitere Ergebnisverbesserung in 2015 zu legen.

Zum 1. Juli 2014 hat Curasan die bereits bestehende Vertriebskooperation mit der TriMedicales GmbH erweitert. TriMedicales vertreibt nun exklusiv die Produkte Cerasorb, Curavisc und stypro im deutschen Klinikbereich. Wann erwarten Sie erste spürbare Effekte von dieser erweiterten Zusammenarbeit und welche Erwartungen haben Sie mittelfristig?

Der Übergang ist recht zügig und glatt verlaufen. Trotzdem wird es erfahrungsgemäß ein knappes Jahr dauern, bis sich entsprechende Effekte, insbesondere durch Umsatzsteigerungen, zeigen. Das Klinikgeschäft lässt aufgrund der formalen Strukturen einen spontanen Verkauf nur in Ausnahmefällen zu. Schon jetzt ist die Ansprache der Anwender unserer Produkte wesentlich intensiver als wir es zuvor in Eigenregie darstellen konnten. TriMedicales verfügt nun über ein für die orthopädischen/chirurgischen Fächer in den Kliniken attraktives Sortiment, mit dem sie schneller und kostengünstiger zum Erfolg kommen werden.

Anfang August haben Sie ein weiteres US-Patent für die Cerasorb-Technologie erhalten. Welche Bedeutung hat dieses Patent für Curasan?

Es handelt sich dabei um ein Basispatent für die spezielle Cerasorb-Technologie. Damit werden die Struktur, die Porosität, die innere Oberfläche, die Phasenreinheit und das Herstellverfahren für Cerasorb-Produkte aus Beta-Tricalciumphosphat geschützt. Die Erteilung dieses Patents ist in insofern besonders bedeutsam, als dadurch nicht nur das Endprodukt Cerasorb M geschützt ist. Das Basispatent schützt die gesamte Cerasorb-Produktlinie, da seine unterschiedlichen Module auf alle Produktvarianten anwendbar sind.

Ihr Vorstandsvertrag endet am 31.12.2014. Wie weit sind die Gespräche über eine Nachfolgeregelung mit potenziellen Kandidaten inzwischen gediehen? Ist auch eine Vertragsverlängerung Ihrerseits als Plan B denkbar?

Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass ich in den 25 Jahren seit der Gründung der Gesellschaft durch mich, noch nie etwas habe anbrennen lassen und das wird auch dieses Mal so sein. Aufgrund der Informationen vom für die Nachfolgeregelung zuständigen Aufsichtsrat, gehe ich davon aus, dass eine Vertragsverlängerung nicht erforderlich sein wird. Als größter Aktionär der Gesellschaft ist mir an einer positiven Entwicklung besonders gelegen, weswegen ich auch weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung stehen werde.

Die aktuellen Turbulenzen bei der Curasan-Aktie dürften die Durchführung von Finanzierungsmaßnahmen erschweren. Haben Sie nicht Angst, dass ein Konkurrent jetzt die Gelegenheit nutzen könnte, um sich die Technologie und Produkte der Curasan AG günstig einzuverleiben?

Wie bereits ausgeführt tun wir alles, um aus eigener Kraft den Break-even und danach eine nachhaltige Profitabilität zu erreichen. Eine Überbrückungsfinanzierung bis zum Erhalt der Schadensersatzleistung würde dies wesentlich vereinfachen, ist nach meiner derzeitigen Einschätzung jedoch nicht zwingend erforderlich. In nur gut sieben Monaten haben wir in unserer Aktie ein Mehrfaches an gehandelten Stücken im Vergleich zu ganzen Vorjahren gesehen. Trotzdem gibt es keinen meldepflichtigen Investor oder Aktionär. Obwohl also in den letzten zwölf Monaten mit fünf bis sechs Millionen Aktien mehr als der gesamte Freefloat umgesetzt wurde, ist niemand dazu gekommen, der auch nur rund 220.000 Stück halten würde. Dem stehen meine Aktien und die meiner Familie und dem Unternehmen verbundener Aktionäre entgegen, so dass ich nicht erkennen kann, wie ein Konkurrent ein solches Vorhaben in die Tat umsetzen will. Außerdem wird der Markt wieder in geordnete Bahnen zurückkehren. Schließlich hatten wir Ende 2012 bei einem Umsatz von nur 3,3 Millionen Euro und einem negativen Ergebnis von 3,4 Millionen Euro einen Aktienkurs von gut 3,00 Euro. Den Umsatz haben wir nahezu verdoppelt und das negative Ergebnis in Reichweite Break-even gebracht und trotzdem hat sich der Kurs in etwa gedrittelt. Wer jetzt nicht zugreift, verpasst etwas!

Herr Rössler, vielen Dank für das Interview.

 

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