Curasan
- Markus Horntrich - Chefredakteur

curasan: „Einen Referenz-Standard gesetzt“

70 Prozent Kurspotenzial sieht die bei Warburg Research für die curasan AG zuständige Analystin. Im Interview mit dem AKTIONÄR erläutert die curasan-Expertin Susanne Schwartze die Gründe für ihren Optimismus.

Für curasan ist 2012 ein bedeutendes Jahr, denn der weltweit tätige Vertriebspartner Zimmer hat für Osbone® und Ceracell® den Vertrieb in den USA und Europa begonnen. DER AKTIONÄR hat die Analystin Susanne Schwartze von Warburg Research befragt, wie sie die Lage in der Entwicklungsfirma für Medizinprodukte, der curasan AG, einschätzt.


DER AKTIONÄR: Frau Schwartze, Sie kommen in Ihrer aktuellen Analyse zum Halbjahresbericht 2012 zu einem Kaufvotum mit einem Kursziel von 4,30 Euro pro Aktie. Dies ist ein Upside von mehr als 70 Prozent zum aktuellen Kurs. Meinen Sie nicht, dass Sie da etwas zu optimistisch sind?

Susanne Schwartze: curasan bedient den globalen Gesundheitsmarkt, der, getrieben von demografischen Veränderungen, steigenden Ansprüchen und neuen technischen Möglichkeiten, nachhaltig wächst. Das Unternehmen hat sich mit seiner Produktpalette rund um Knochenersatz- und Knochenaufbaumaterialien in einer aussichtsreichen Nische positioniert und kann dies künftig, nach dem langen Vorlauf durch Entwicklung und Zulassungsverfahren, in steigende Umsätze und entsprechende Margen ummünzen. Diese langfristige Betrachtung lässt sich am treffendsten in einem DCF-Modell abbilden, wie wir es einsetzen. Die kurzfristige Ertragslage scheint da in krassem Widerspruch zum Kurspotential zu stehen, hat aber nur eine untergeordnete Bedeutung in der DCF-Bewertung.

Können Sie unseren Lesern bitte erläutern, worauf Ihre Erwartung beruht, dass im zweiten Halbjahr 2012 ein Umsatz von 2,9 Millionen Euro erzielt werden kann, nachdem es im ersten Halbjahr gerade mal 1,5 Millionen Euro waren?

Haupttreiber für diese Annahme ist Zimmer Dental. Die Erstauslieferung und die Schulung des Vertriebes sind durch, es liegen bereits Nachbestellungen vor. Als internationaler Player mit entsprechender Vertriebskraft kann Zimmer den Umsatz von Curasan sehr schnell auf neue Höhen hieven.

Für das Gesamtjahr 2012 erwarten Sie einen Jahresfehlbetrag von 3,4 Millionen Euro, obwohl im ersten Halbjahr „nur" -1,6 Millionen Euro angefallen sind, und es curasan geschafft hat, Ihre Erwartungen ergebnismäßig leicht zu übertreffen.

Die meisten Aufwandspositionen liegen auf dem Niveau des ersten Halbjahres. Der sonstige betriebliche Aufwand war in der Vergangenheit eine stark schwankende Größe, zum Beispiel Zulassungskosten, Marketingaufwand. Hier habe ich fürs zweite Halbjahr eher vorsichtig kalkuliert. Auf dem jetzigen noch niedrigen Umsatzniveau schlägt dies stark sichtbar auf die Ergebnisschätzung durch.

Auf welchen Annahmen beruht Ihre Umsatzschätzung für 2013 mit mehr als sechs Millionen Euro?

Auch im kommenden Jahr wird Zimmer die Umsatzdynamik prägen. Darüber hinaus sollten auch die kleineren Vertriebspartner und der gerade aufgebaute eigene Vertrieb Erlöse generieren.

Obwohl die Anzahl der Mitarbeiter von 25 auf 38 im Jahresvergleich per 30. Juni 2012 gestiegen ist, konnte sich der Cashflow von -2,92 Millionen Euro auf +0,64 Millionen Euro verbessern.

Der Anstieg stammt allein aus der Auszahlung einer Lebensversicherung in diesem Jahr und dem Wegfall der Dividendenzahlung, die 2011 belastet hatte ist also nicht durch den normalen Geschäftsverlauf bestimmt.

Sie schreiben in Ihrer Analyse, dass die Finanzmittel von curasan so lange ausreichen würden, bis 2014 die schwarzen Zahlen erreicht werden. Mit welchen Ausgaben rechnen Sie denn für die nächsten anderthalb Jahre?

Ich erwarte einen Verbrauch an liquiden Mitteln in Höhe von 1,8 Millionen Euro in diesem und 1,6 Millionen Euro im kommenden Jahr. Dann stünden noch rund 3,0 Millionen Euro zur Verfügung. Ab 2014 sollen dann liquide Mittel aus dem operativen Geschäft generiert werden.

Wenn Sie die Produkte von curasan im internationalen Vergleich bewerten: Zu welchem Ergebnis kommen Sie?

curasan hat mit seiner Produktreinheit den Referenz-Standard weltweit gesetzt. Langfristig dürften die synthetischen Materialien, mit denen curasan arbeitet, den organischen, aus Tier- oder Menschenknochen gewonnenen, den Rang ablaufen, so dass zum Marktwachstum noch Marktanteilsgewinne kommen können. Um daraus Umsätze und Erträge zu generieren, sind Kundenzugang und laufende Innovationen erforderlich. Beides hat nach meiner Einschätzung bei curasan einen hohen Stellenwert. Allerdings herrscht auch intensiver Wettbewerb, Ausruhen kann man sich keineswegs.

Erfahrungsgemäß werden Übernahmen im medizinischen Bereich mit dem 20-fachen Umsatz bezahlt. Wäre es für Zimmer Dental nicht billiger, curasan mit 80 Millionen Euro vom Markt zu nehmen, anstelle die doch relativ hohen Einkaufspreise permanent zu bezahlen?

Das ist durchaus eine Möglichkeit. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Zimmer zunächst noch abwartet, wie der eigene Vertrieb und die Kunden auf die Produkte reagieren und wie die Entwicklung und Zulassung weiterer Produktvarianten voranschreitet, um dann gegebenenfalls 2013 oder später ein zwar betragsmäßig teureres, aber auch weniger riskantes Investment einzugehen. Die Frage ist auch, wann und unter welchen Bedingungen sich Herr Rössler als Gründer, CEO und Hauptaktionär mit knapp 30 Prozent von seinem Paket oder Teilen davon trennt. Mittel- bis langfristig erscheint mir der Einstieg eines strategischen Investors wahrscheinlich.

Frau Schwartze, besten Dank für das Interview.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema: