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- Markus Horntrich - Chefredakteur

COR&FJA AG: „2013 wieder deutlich besseres Ergebnis“

Bei der COR&FJA AG scheint die Fusion vor zwei Jahren eine Nummer zu groß gewesen zu sein. Der Kurs ist in den Pennystock-Bereich abgerutscht. Im Interview mit dem AKTIONÄR erklärt Vorstandschef Ulrich Wörner, wo es hakt und wie er die Firma wieder auf Kurs bringen will.

Beim Blick auf die Entwicklung der letzten drei Jahre bei der COR&FJA AG könnte man zum Schluss kommen, dass die Fusion der ehemaligen Konkurrenten COR und FJA im Jahr 2010 für die Gesellschaft eine Nummer zu groß war. Zwar konnte das Umsatzvolumen beider Gesellschaften in etwa verdoppelt werden, jedoch sind die Erträge spürbar zurückgegangen. Dies zeigt nicht nur das komplette Jahr 2011, sondern auch die ersten sechs Monate 2012. DER AKTIONÄR wollte von CEO Ulrich Wörner wissen, wie der Anbieter von Standardsoftware mit der aktuell schwierigen Situation umgeht.

DER AKTIONÄR: Herr Wörner, die Kursentwicklung Ihrer Aktie signalisiert nichts Gutes. Hat dies nicht auch Einfluss auf Ihr Ansehen bei Ihren Kunden?

Ulrich Wörner: Unsere Kunden schauen in erster Linie auf die Produkte und die Dienstleistungen, die COR&FJA anbietet. Und hier zeigen die Vertriebserfolge 2011 genauso wie im aktuellen Geschäftsjahr, dass die Kunden uns vertrauen. Insofern gehe ich nicht davon aus, dass die schlechte Kursentwicklung der letzten Monate Einfluss auf unsere Kundenbeziehungen nimmt, die zudem ja auch auf jahrzehntelang guter und vertrauensvoller Zusammenarbeit basieren. Dass wir davon unabhängig mit der Kursentwicklung überhaupt nicht zufrieden sind, steht natürlich außer Frage.

Im Halbjahresbericht haben Sie gemeldet, dass ein großes Versicherungsprojekt deutlich mehr Kosten verschlingt, als kalkuliert. Wie konnte so etwas passieren?

So etwas kann leider immer mal vorkommen. Wir hatten in den letzten Jahren aufgrund des bewährten Projektmanagements in dieser Hinsicht keine Probleme. In dem von Ihnen angesprochenen Projekt verursachen der gleichzeitige Einsatz mehrerer Komponenten aus unserem Lösungsportfolio sowie der geplante Auslandseinsatz diese unerwarteten Mehrkosten. So etwas ist bedauerlich, lässt sich aber nie gänzlich ausschließen.

Wieviel genau wird Sie dieses Projekt noch kosten?

Wir rechnen damit, dass im Rahmen dieses Projekts Zusatzkosten in Höhe von etwa 2,0 bis 3,0 Millionen Euro entstehen und direkt Auswirkungen auf die diesjährige Profitabilität haben werden. Dies war ja auch mit ein Hauptgrund, dass wir im August dieses Jahres unsere Planzahlen 2012 insbesondere in Hinblick auf das vormals geplante EBITDA deutlich nach unten korrigiert haben.

Zum 30.06.2012 hatten Sie Bankverbindlichkeiten in Höhe von 14,8 Millionen Euro und nur noch ein Guthaben von 11,3 Millionen Euro. In früheren Zeiten hatten Sie 14 Millionen Euro Nettocash. Wie kam es zu dieser negativen Entwicklung?

Zum einen haben wir in den zurückliegenden Jahren sehr viel internen Entwicklungsaufwand in unser Produktportfolio gesteckt. Zum anderen sind wir vor allem im letzten Jahr sehr stark anorganisch gewachsen und haben mit den Beteiligungen an der COR&FJA Metris und der plenum sowie mit dem Kauf der schweizerischen WKA bewusst einiges an Geld in die Hand genommen. Zu diesen strategischen Beteiligungen stehen wir nach wie vor, weil sie - jede für sich - Sinn machen und uns mittelfristig eindeutig weiterhelfen werden. Im Übrigen ist das Unternehmen aus unserer Sicht trotz der von Ihnen angesprochenen Zahlen auch weiterhin finanziell solide aufgestellt.

Bis wann glauben Sie die Bankverbindlichkeiten wieder ganz abgebaut oder spürbar reduziert zu haben?

Wir erwarten im kommenden Geschäftsjahr 2013 ein wieder deutlich besseres Ergebnis und wollen damit einen Teil unserer Bankverbindlichkeiten zurückführen.

Auch an der Auftragsfront stockt das Geschäft in unerwartetem Umfang. Wann kommt hier die Trendwende?

Sicherlich spüren auch wir aufgrund der anhaltenden Finanzkrise ein etwas zögerliches Neugeschäft, weil Entscheidungsprozesse insbesondere für größere Neuinvestitionen bei unseren Kunden momentan einfach länger dauern als wir das bislang kannten. Dies ändert aber nichts daran, dass wir weiterhin zuversichtlich auf die entsprechenden Akquisitionsprozesse blicken. Was ich an dieser Stelle aber betonen möchte, ist das überaus stabile Bestandskundengeschäft mit den entsprechenden Folgebeauftragungen, womit wir das von Ihnen angesprochene zögerliche Neugeschäft zumindest in Teilen kompensieren können.

Warum liefert der Banking-Bereich im Moment keine besseren Zahlen?

Unser Unternehmensbereich Banking war in der Vergangenheit immer profitabel. Der Ausreißer in 2011 gründete insbesondere auf bilanziellen Gründen, wie beispielsweise die innerhalb der fusionsbedingten Abschreibungen festgelegten, sehr hohen Kundenbewertungen sowie die außerplanmäßigen Abschreibungen auf unsere Beteiligung an der B+S Banksysteme. Wir rechnen aber bereits in diesem Jahr mit einem dann wieder profitablen Segment Banking.

Haben Sie die Verlustlöcher im Sachversicherungsbereich in der Zwischenzeit stopfen können?

Wir haben immer wieder betont, dass man in unserem neuen Bereich Sachversicherungen aufgrund der hohen Anfangsinvestitionen, die wir dort vorgenommen haben, die entsprechende Geduld aufbringen muss. Seit Mitte des Jahres ist unsere Sachversicherungslösung fertig, und wir können dem Markt somit eine konkurrenzfähige Lösung anbieten.

Ist diese Lösung auch ausgetestet?

Unsere Sachversicherungslösung befindet sich momentan bei einem Kunden im Abnahmetest.

Also hat der Markt doch nicht ranz Recht?

Wir sind in zahlreichen Ländern sehr gut in der Versicherungswirtschaft verankert, und das Bestandsgeschäft bringt jedes Jahr Umsätze über 125 Millionen Euro, die deutlich profitabel sind. Wenn die Investitionsphase abgeschlossen ist und wir die Verlustquellen abgestellt haben, dann sind wir schnell wieder profitabel. Dies haben wir ja auch im Q2-Bericht schon angekündigt.

Welche Erwartungen haben Sie für das kommende Jahr?

Aufgrund unserer guten Produkt- und Dienstleistungspalette rechnen wir trotz der Finanzkrise mit dem Gewinn weiterer Großaufträge. Zudem werden wir im kommenden Jahr unsere Investitionen weitestgehend auf ein normales Level zurückfahren und damit wieder auf ein deutlich besseres Ertragsniveau kommen.

Dann ist der Tiefpunkt bald durchschritten und die Aktie ein Kauf?

Ja, das sehe ich auch so.

Herr Wörner, besten Dank für das Interview.

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