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- Markus Horntrich - Chefredakteur

COR&FJA: Ein Goßauftrag jagt den nächsten

Die auf Software für Banken und Versicherungen spezialisierte COR&FJA AG konnte in den letzten Wochen zahlreiche Großaufträge vermelden. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät Vorstandschef Ulrich Wörner, welche Bedeutung die namhaften Neukunden wie ERGO haben und was 2011 noch von der Firma zu erwarten ist.

Bei COR&FJA überschlagen sich die Meldungen über Großaufträge: Wurde erst vor wenigen Wochen ein 5-Millionen-Auftrag aus Norwegen von der Lebens- und Rentenversicherungsgesellschaft Frende Livsforsikring AS gemeldet, so hat jetzt die schwäbische Softwareschmiede mit einem großen Softwareauftrag von der ERGO Versicherungsgruppe, die zu Munich Re gehört, ihre Anteilseigner überrascht. DER AKTIONÄR wollte von CEO Ulrich Wörner wissen, ob noch weitere Großaufträge in der Pipeline stecken und wie die Aussichten für 2012 aussehen.

Herr Wörner, Gratulation zum Großauftrag der ERGO Versicherungsgruppe. Das ist doch sicherlich einer der größten Aufträge in der Unternehmensgeschichte von COR&FJA?

Ulrich Wörner: Sicherlich handelt es sich bei dem ERGO-Deal in wirtschaftlicher Hinsicht um einen der wichtigsten Aufträge unserer Firmengeschichte. Fast genauso wichtig ist aber die strategische Bedeutung, denn mit ERGO setzt erstmals einer der Top 3 Lebensversicherer im deutschen Markt zur Abwicklung seiner Massengeschäftsprozesse sowie der Platzierung seiner zukunftsorientierten Versicherungsprodukte umfassend auf den Einsatz einer Standardsoftware-Lösung. Und dass diese Lösung nun von COR&FJA kommt, ist ein mehr als deutliches Zeichen an den Markt. Im Übrigen war ja genau das auch immer eine unserer Kernaussagen im Kontext der Fusion: Gemeinsam werden COR und FJA auch für die ganz großen Unternehmen in der Versicherungsbranche attraktiv.

Was bedeutet die Formulierung „im unteren zweistelligen Millionenbereich" in Bezug auf das Auftragsvolumen genau?

Der Auftrag umfasst mehrere Komponenten, die sich in Summe auf rund 15 bis 20 Millionen Euro Umsatz für die kommenden drei bis vier Jahre belaufen. Dabei ist der Lizenzbaustein erfolgsabhängig und wird entsprechend der über das System verwalteten Verträge in den kommenden Jahren aufgestockt. Außerdem werden wir Anpassungen an den bestehenden Systemen beim Kunden vornehmen und den Versicherungsvertragsbestand mit der COR&FJA Life Factory migrieren.

Ist schon absehbar, wie viel von diesem Auftrag dieses Jahr noch umsatz- und ertragswirksam wird?

Entsprechend der Vertragsgestaltung können wir einen guten Teil der Lizenz bereits in diesem Jahr umsatzwirksam realisieren. Den größten Anteil am Umsatzvolumen macht allerdings die Implementierung der Systeme aus, die in den kommenden zwei Jahren abgeschlossen sein soll.

Wie viel wird von dem Großauftrag aus Norwegen dieses Jahr noch ergebnisrelevant oder muss aufgrund der Größe des Auftrages ein Teil im nächsten Jahr ertragsmäßig verbucht werden?

Der Grund warum wir Marktführer in diesem wirtschaftlich potenten und dynamischen Markt sind, ist die Tatsache, dass wir über ausgereifte Standardlösungen verfügen, die wir auf die hoch komplexen und sehr individuellen Anforderungen unserer Kunden anpassen. Dem haben wir natürlich auch in der wirtschaftlichen Umsetzung unserer Softwareprojekte Rechnung zu tragen. Somit verteilt sich der Projektumsatz immer auch über die Laufzeit der Projekte.

Haben Sie noch weitere derartige Kaliber in der Pipeline, nachdem COR&FJA gerade einen neuen schönen Auftrag von der Generali einfahren konnte?

Sie dürfen davon ausgehen, dass wir im Laufe der kommenden Monate sicherlich die eine oder andere positive, kapitalmarktrelevante Nachricht in Hinblick auf die Gewinnung von Neukunden vermelden können.

Wie muss man eigentlich die jetzige Auftragswelle einstufen? Sind dies die ersten Früchte, die Sie aus der Fusion einfahren können?

Wir haben nach der Fusion enorme Investitionen in die technische und fachliche Weiterentwicklung unserer Produktpalette getätigt. Und wir haben zudem durch strategische Beteiligungen an der B+S Banksysteme AG, der WKA AG, der Metris GmbH und an der plenum AG unser Produkt- und Dienstleistungsangebot deutlich ausgeweitet. Insofern sind die von Ihnen angesprochenen Erfolge das logische Resultat der Unternehmensentwicklung.

Die COR&FJA Aktie wird derzeit knapp über ihrem Buchwert gehandelt. Sie haben schon wiederholt kundgetan, dass Sie mit dem Kursverlauf nicht zufrieden sind. Warum kauft COR&FJA nicht Aktien zurück?

Das würden wir tatsächlich tun. Leider stehen dem steuerliche Gründe entgegen. Durch die Aufstockung unserer eigenen Aktien würde die msg systems AG mit ihrem Anteil auf über 50 Prozent Beteiligungsquote rutschen, womit in diesem Moment steuerliche Verlustvorträge im Umfang von 50 Millionen Euro untergehen würden. Diesen riesigen Vermögenswert, der nur zu geringen Teilen bilanziell aktiviert ist, wollen wir natürlich nicht riskieren.

Welche Vision haben Sie, auf welches Umsatz- und Ergebniswachstum Sie COR&FJA bis zum Jahr 2015 führen?

Unsere internationalen Erfolge zeigen, dass wir mittlerweile auch bei deutschen Versicherungen, die ins Ausland expandieren wollen, wie auch bei Versicherungen im Ausland, zu einer festen Größe geworden sind.

Unser Ziel für die kommenden zwei Jahre ist es, wie vor der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder Wachstumsraten von jenseits der 5 Prozent und Renditen von jenseits der 10 Prozent zu schreiben.

Herr Wörner, besten Dank für das Interview.

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