- Thorsten Küfner - Redakteur

Commerzbank: Weitere Kapitalerhöhungen müssen folgen

Mit der gestrigen Kapitalerhöhung hat die Commerzbank den Markt gewissermaßen gestestet. Weitere, wesentlich umfangreichere, Kapitalmaßnahmen müssen nun folgen. Allerdings nicht mehr im laufenden Quartal, wie die Bank mitteilte.

Die Commerzbank hat mit ihrer Kapitalmaßnahme gestern den Markt offenbar gestestet. Bei der Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage wurde Hybridkapital in Stammaktien des DAX-Konzerns umgewandelt. Das Grundkapital wurde durch die Ausgabe von rund 118 Millionen Anteilscheinen um zehn Prozent erhöht, der Preis für die jungen Aktien lag bei 5,30 Euro. Dies war ein erster Schritt des Kreditinstituts, sich auf die strengeren Eigenmittelvorschriften von Basel III vorzubereiten, wonach Hybridkapital nicht mehr zum Kernkapital hinzugerechnet wird, Stammaktien hingegen weiterhin. Daher wird die Commerzbank allein schon aus diesem Grund weitere, wesentlich umfangreichere Kapitalschritte vollziehen müssen. Allerdings werde dies nach Angaben der Commerzbank nicht mehr im laufenden Jahr geschehen.

Da das Bankenkonsortium bestehend aus der Credit Suisse, Goldman Sachs, UBS und Citigroup Hybridpapiere zum Teil unter dem Nennwert zurückgekauft hat, dürfte für die Commerzbank durch diese Maßnahme ein Buchgewinn von mehr als 300 Millionen Euro angefallen sein.

Staatsbeteiligung bleibt konstant

Die Staatsbeteiligung wurde durch diesen Schritt indes nicht verringert. Der Bund hält über die SoFFin weiterhin 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank und hat damit weiterhin die Sperrminorität inne. Um diesen Anteil konstant zu halten, hat die SoFFin etwa 150 Millionen Euro der stillen Einlage von insgesamt 16,4 Milliarden Euro in junge Aktien umgewandelt.

Bei Gewinn droht Zinszahlung in Milliardenhöhe

Um im laufenden Jahr für die stille Einlage nicht eine Zinszahlung von neun Prozent beziehungsweise fast 1,5 Milliarden Euro leisten zu müssen, müsste die Commerzbank die stille Einlage möglichst schnell zumindest teilweise zurückzahlen. Denn läuft alles nach Plan, wird die Commerzbank 2011 auch nach der deutlich konservativeren HGB-Bilanzierung einen Gewinn erwirtschaften. Dann muss die Bank auch erstmals Zinsen auf die stille Einlage bezahlen. 2009 erzielte der DAX-Konzern einen Verlust von mehreren Milliarden Euro und entging damit natürlich der Zahlung, die das damals angeschlagene Institut nur noch mehr belastet hätte. Im eigentlich sehr starken Jahr 2010 dürfte es der Commerzbank dank sehr vorsichtiger Bilanzierung und einer Abschreibung auf die Immobilientochter Eurohypo gelungen sein, einen HGB-Verlust auszuweisen, während der Konzern nach der eigentlich üblichen IFRS-Bilanzierung einen Gewinn in Milliardenhöhe erzielt haben dürfte.

Weitere Kapitalerhöhungen unumgänglich

Vor dem Hintergrund der drohenden Zinszahlung in Milliardenhöhe wäre es für die Commerzbank sehr wichtig, die Staatshilfen möglichst rasch zurückzuzahlen. Allerdings wird es angesichts einer aktuellen Marktkapitalisierung von knapp 6,5 Milliarden Euro sehr schwierig werden, einen zweistelligen Milliardenbetrag allein durch die Ausgabe neuer Aktien einzunehmen. Ein von der EU-Kommission bis 2014 ohnehin geforderter Verkauf der Tochter Eurohypo würde angesichts der Probleme des Immobilienfinanzierers derzeit auch keinen allzu großen Betrag in die Kassen spülen. Auch die einbehaltenen Gewinne des Jahres 2010 und 2011 dürften nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.

Die Commerzbank wird daher wohl kaum um einehorrende Zinszahlung an die SoFFin herumkommen.

Es bleibt spannend

Aufgrund der für das laufende Jahr wohl anstehenden Zinszahlung an die SoFFin wird der Gewinn der Commerzbank im laufenden Jahr wohl sinken. Dennoch ist das Kreditinstitut auf einem sehr guten Weg. Die Rückzahlung der Staatshilfen sowie die Vorbereitungen für Basel III werden sich allerdings noch über mehrere Monate, wahrscheinlich sogar Jahre hinziehen. Deshalb sollten derzeit nur risikobereite Anleger mit einem langen Atem bei der Commerzbank einsteigen, zumal kurz- bis mittelfristig weitere Kapitalerhöhungen belasten dürften.

Wem das Risiko bei der Commerzbank zu hoch ist, sollte einen Blick auf die Aktie der Deutschen Bank werfen, die derzeit der Favorit des AKTIONÄRs im Bankensektor ist.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV