- Thorsten Küfner - Redakteur

Commerzbank: Hier brennt es

Die Commerzbank hat gestern die Zahlen für das abgelaufene Jahr 2012 auf den Tisch gelegt. Dabei gab es Licht und Schatten. Im folgenden Artikel wird aufgezeigt, wo es bei Deutschlands Nummer 2 derzeit die größten Probleme gibt.

Das wohl derzeit größte Problem hat die Commerzbank mit ihren Altlasten. Im Bereich Non-Core Assets werden derzeit die Schiffsfinanzierungen sowie zahlreiche ausfallgefährdete Kredite - viele davon von der Tochter Eurohypo, die nun Hypothekenbank Frankfurt heißt - verwaltet. 2012 gelang es zumindest, das Portfolio dieser internen „Bad Bank" um 17 Prozent zu verringern - allerdings auf Kosten von Abschreibungen von 1,4 Milliarden Euro und einem operativen Minus in nahezu gleicher Höhe. Das Hauptproblem: Die Non-Core Assets machen mit 151 Milliarden Euro noch immer fast ein Viertel der Bilanzsumme des DAX-Konzerns aus. Bis 2016 soll dieser Posten wertschonend (!) auf 90 Milliarden Euro gesenkt werden. Dies dürfte aller Voraussicht nach sehr schwer werden

Auslandsgeschäft und Investmentbanking

Das Segment Central & Eastern Europe verbuchte einen Rückgang des operativen Gewinns von 427 auf 240 Millionen Euro. Selbst unter Herausrechnung des Sondergewinns durch den Verkauf der Promsvyazbank (PSB) Ende 2011, bleibt ein Minus von rund zwölf Prozent. Besonders ärgerlich: Der Verkauf der ukrainischen Bank Forum belastete das Konzernergebnis mit 268 Millionen Euro und war einer der Hauptgründe für den Fehlbetrag im vierten Quartal. Dabei war die Commerzbank erst im Jahre 2007 mit 60 Prozent eingestiegen und hatte die Beteiligung sogar ab 2010 auf bis zu 96 Prozent aufgestockt - erneut kein Glanzstück der Konzernführung. Zumindest bei der polnischen Tochter BRE Bank läuft es aktuell halbwegs rund.

Ebenfall enttäuschend entwickelt sich der Investmentbankingbereich Corporates & Markets, der einen Ergebniseinbruch von 583 auf nur noch 197 Millionen Euro erwirtschaftete. Zwar spielten auch hier Sondereffekte eine Rolle, dennoch lief es auch operativ schwach, im vierten Quartal wurde sogar ein Verlust von 69 Millionen Euro verbucht.

Privatkundengeschäft

Das niedrige Zinsniveau und anhaltend schwache Margen machen dem Privatkundengeschäft weiterhin schwer zu schaffen. Im Jahresvergleich halbierte sich der Betriebsgewinn der für den Konzern bedeutenden Sparte auf nur noch 245 Millionen Euro. Besonders in diesem Segment soll massiv investiert werden, um zum einen die Kundenzahl von elf auf zwölf Millionen zu erhöhen und zum anderen die Erträge pro Kunde zu steigern. In dem ohnehin schon hart umkämpften, margenschwachen deutschen Privatkundenmarkt, in dem zahlreiche Direktbanken mit kostenlosen Girokonten und vielen weiteren Extras werben, sind diese beiden Ziele gleichzeitig wohl kaum erreichbar.

Derzeit kein Kauf

Angesichts der Tatsache, dass sich im Konzern derzeit deutlich mehr Baustellen finden lassen als Lichtblicke, ist die Aktie derzeit kein Kauf. Zumal die Aussichten angesichts einer steigenden Risikovorsorge, anhaltend niedriger Erträge und erneut hoher Restrukturierungskosten eher trüb sind. Bereits investierte Anleger können die Aktie wegen der niedrigen Bewertung (KBV von 0,4) halten und den Stopp bei 1,20 Euro belassen.

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