- Thorsten Küfner - Redakteur

Commerzbank: Der schrumpfende Riese

Die Commerzbank will sich nach der enttäuschenden Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre zukünftig noch stärker auf ihr Kerngeschäft, die Finanzierung von Privat- und Firmenkunden in Deutschland, konzentrieren. Dieser nachvollziehbare Schritt birgt allerdings auch Risiken.

Es ist eigentlich tragisch: Kurz nachdem sich die Commerzbank im Jahre 2008 die Dresdner Bank einverleibt hatte und damit zum zweitgrößten Bankenriesen Deutschlands aufstieg, wurde die US-Investmentbank Lehman Brothers insolvent. Fortan waren die Frankfurter damit beschäftigt, sich wieder gesundzuschrumpfen. In diesem Prozess befindet sich die Bank auch jetzt noch. Denn die Großbank ist nach wie vor weit davon entfernt, die ehemals angestrebten Rendite- und Gewinnziele zu erreichen. Zu oft verhagelten diverse Geschäftsbereiche dem Gesamtkonzern das Ergebnis. Nach der Lehman-Pleite belastete vor allem die Investmentbankingsparte, in der Staatsschuldenkrise der Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo. Um diese Störfeuer in Zukunft zu vermeiden, will sich die Commerzbank nur noch auf weniger risikoreiche Geschäftssparten konzentrieren.

Dieser Schritt erscheint logisch, zumal die Commerzbank im Geschäft mit Firmen- und Privatkunden seit jeher stark aufgestellt ist. Die Fokussierung des Finanzriesen auf diese Sparten (sowie einem in den vergangenen Jahren bereits kräftig gestutzten Investmentbanking und dem Auslandsgeschäft in Polen mit der BRE Bank) birgt allerdings auch erhebliche Risiken.

Sehr stark von Deutschland abhängig

Abgesehen davon, dass die Ertragskraft des Konzerns durch die Abspaltung und die Abwicklung weiterer Geschäftsbereiche sinken wird, gibt es weitere Nachteile: So lassen sich im deutschen Privatkundenmarkt nicht gerade üppige Renditen erzielen. Schließlich ist der Markt sehr hart umkämpft und die demografische Entwicklung in Deutschland macht es den hierzulande aktiven Banken auch sehr schwer, zu wachsen.

Darüber hinaus läuft der Konzern damit Gefahr, im Falle einer wirtschaftlichen Abschwächung der Bundesrepublik erneut große Probleme zu bekommen. Im schlimmsten Fall drohen einer Commerzbank, die dann eigentlich nahezu alle riskanteren Geschäftssparten abgestoßen hat, dann dennoch wieder herbe Verluste.

Nichts für schwache Nerven

Es bleibt abzuwarten, ob die Commerzbank mit der Fokussierung auf wenige Geschäftsfelder ihre Probleme endlich gelöst hat oder sogar noch verstärkt haben wird. Die Commerzbank ist trotz der relativ niedrigen Bewertung angesichts der trüben Aussichten und der angeschlagenen Charttechnik derzeit lediglich eine Halteposition. Grundsätzlich sollten nach wie vor ausnahmslos mutige Anleger hier zugreifen, der Stopp sollte bei 1,10 Euro platziert werden. Konservative Anleger sollten von den DAX-Titeln weiterhin die Finger lassen.

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