- Thorsten Küfner - Redakteur

Commerzbank: Der Countdown läuft

Für die Commerzbank werden die nächsten Tage sehr spannend: Der DAX-Konzern muss bis zum 20. Januar ein Konzept vorgelegt haben, das zeigt, dass die Frankfurter die Kapitallücke von rund fünf Milliarden Euro aus eigener Kraft schließen können. Ansonsten dürfte der Staat erneut eingreifen.

Spätestens am 20. Januar dürfte Klarheit herrschen: Schafft es die Commerzbank auch ohne Hilfe, bis zum 30. Juni eine harte Kernkapitalquote von 9,0 Prozent auszuweisen, oder benötigt sie Hilfe - etwa wieder vom Staat. Finanzvorstand Eric Sturz zeigte sich kürzlich erneut zuversichtlich, dass es dem DAX-Konzern gelingen wird, die Voraussetzungen zu erfüllen. Schließlich soll der Staatsanteil von 25 Prozent plus einer Aktie nicht weiter erhöht werden und eine weitere Kapitalerhöhung wäre angesichts der Probleme, die jüngst die Unicredit hatte (siehe unter: Unicredit-Aktie stürzt ab) äußerst unattraktiv. Daher setzt der Bankenriese nun nahezu alle Hebel in Bewegung, um die Kernkapitalquote zu stärken.

Eurohypo bleibt das Sorgenkind

Neben der Einbehaltung von Gewinnen, dem Abbau von Risikopositionen und dem Verkauf von Randbereichen dürfte die Commerzbank zu einer Reihe weiterer Mittel greifen. So könnte beispielsweise die stille Einlage des Großaktionärs Allianz in hartes Kernkapital umgewandelt werden. Zudem könnten Steuergutschriften von knapp 500 Millionen Euro aktiviert werden. Viel hängt auch davon ab, wie viel Gewinn die Commerzbank 2011 erwirtschaftet hat. Nachdem es im Halbjahr bereits 1,4 Milliarden Euro waren, fielen im zweiten Halbjahr jedoch herbe Verluste an, sodass sich der Gewinn wohl auf deutlich weniger als eine Milliarde Euro belaufen wird.

Ein Verkauf des Sorgenkindes Eurohypo, das für mehr als vier Milliarden Euro der von der EBA ermittelten Kapitallücke verantwortlich ist, scheint kurzfristig ad acta gelegt worden zu sein. Schließlich dürfte sich für den Immobilienfinanzierer ohnehin kein Käufer finden, der auch noch einen für die Commerzbank attraktiven Preis bezahlen könnte.

Günstig, aber riskant

DER AKTIONÄR hält an seiner Einschätzung fest: Es sollten nach wie vor nur mutige Anleger darauf setzen, dass es der Commerzbank auch tatsächlich gelingen wird, ohne fremde Hilfe die harte Kernkapitalquote auf 9,0 Prozent zu erhöhen. Wer bei der günstig bewerteten Aktie einsteigt, sollte den Stopp bei 0,90 Euro platzieren. Konservativere Anleger sollten den DAX-Wert hingegen vorerst weiterhin meiden.

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