- Thorsten Küfner - Redakteur

Commerzbank: Blessing gerät unter Druck

Commerzbank-Chef Martin Blessing hat am Freitag die detaillierten Zahlen für das Jahr 2012 vorgelegt. Bei näherer Betrachtung war aber auch das Jahr 2012 eine einzige Enttäuschung. Allmählich dürfte daher auch Blessing unter Druck geraten.

„Eines ist klar: Wenn der Vorstand seine Ziele ohne sehr triftigen Grund verfehlt und die erwartete Leistung nicht bringt, muss der Aufsichtsrat handeln", diesen Satz hatte der Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller im Gespräch mit der WirtschaftsWoche gesagt. Er zeigt, dass das Gremium offenbar allmählich die Geduld mit dem Kurs Blessings verliert. Verständlich, schließlich liefert die Commerzbank seit Jahren immer wieder äußerst enttäuschende Ergebnisse. Die Aussichten für die zweitgrößte Privatbank Deutschlands sind angesichts wieder einmal hoher Restrukturierungsaufwendungen, dem anhaltend niedrigen Zinsumfeld und hohen Altlasten weiterhin eher trüb. Mittlerweile kritisieren auch immer mehr Politiker die Führung des DAX-Konzerns, an dem der Staat noch 25 Prozent plus eine Aktie hält.

„Heute hü, morgen hott"

SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Sieling erklärte etwa, dass der Vorstand der Commerzbank zu oft nach dem Motto „heute hü, morgen hott" verfahre. „Die ständigen Kurswechsel des Managements irritieren den Markt, die Angestellten und nicht zuletzt die Anteilseigner." Damit hat er in einigen Punkten sicher recht. So wurde etwa der Anteil an der ukrainischen Bank Forum erst 2010 von ursprünglich 60 auf 96 Prozent erhöht - und das Institut 2012 mit einem Verlust von 268 Millionen Euro verkauft.

Auch innerhalb der schwarz-gelben Regierungskoalition regt sich Widerstand am Kurs der Commerzbank. FDP Finanzexperte Björn Sänger erklärte, der Bund habe großes Interesse daran, dass die Commerzbank ohne Verlust wieder privatisiert werden könne und betonte zugleich: „Die bislang getroffenen Entscheidungen machen auf mich nicht den Eindruck, dass dies gelingt."

Derzeit kein Kauf

Angesichts der Tatsache, dass sich im Konzern derzeit deutlich mehr Baustellen finden lassen als Lichtblicke, ist die Aktie derzeit noch kein Kauf. Zumal die Aussichten angesichts einer steigenden Risikovorsorge, anhaltend niedriger Erträge und erneut hoher Restrukturierungskosten eher trüb sind. Bereits investierte Anleger können die Aktie wegen der niedrigen Bewertung (KBV von 0,4) halten und den Stopp bei 1,20 Euro belassen.

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