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Was für eine Show - als am vorletzten Wochenende der US-Luftfahrtkonzern Boeing sein neues Flugzeugmodell 787 „Dreamliner“ vorstellte, waren Besucher, potenzielle Kunden und Journalisten gleichermaßen beeindruckt. Mit Lichterspielen, Videoeinspielungen und einer musikalischen Untermalung wie im Kino machte Boeing die Präsentation in Seattle zu einer hollywoodreifen Vorstellung.

Die Luftfahrtkonzerne Boeing und EADS buhlen mit ihren Flugzeugen um die Gunst der Airlines. Wer hat bei den Aktionären die Nase vorn?

Was für eine Show - als am vorletzten Wochenende der US-Luftfahrtkonzern Boeing sein neues Flugzeugmodell 787 „Dreamliner“ vorstellte, waren Besucher, potenzielle Kunden und Journalisten gleichermaßen beeindruckt. Mit Lichterspielen, Videoeinspielungen und einer musikalischen Untermalung wie im Kino machte Boeing die Präsentation in Seattle zu einer hollywoodreifen Vorstellung.

Doch nicht nur die aufwändige Premiere des neuen Fliegers war überzeugend. Eindrucksvoll war auch der Umstand, dass Boeing bereits am Premierentag 677 Bestellungen für den „Dreamliner“ aufweisen konnte. Zu den jüngsten unter den insgesamt 47 auftraggebenden Airlines gehört die deutsche Billigfluglinie Air Berlin mit einer Order über 25 Maschinen. Das für die Fluggesellschaften wohl attraktivste Merkmal des neuen Boeing-Modells: Der „Dreamliner“ verbraucht nach Unternehmensangaben rund 20 Prozent weniger Sprit als vergleichbare Jets. Das ist unter anderem der Verwendung leichterer Verbundstoffe statt des sonst üblichen Aluminiums geschuldet. Zudem besteht der Rumpf des Flugzeugs aus einem einzigen Stück. Dadurch soll die Reparaturanfälligkeit sinken, die Wartungskosten sollen um ein Drittel niedriger ausfallen.

Druck auf der Aktie...

Einige tausend Kilometer weiter östlich, in der EADS-Zentrale in Paris, dürfte man die Show in Seattle eher mit Wehmut zur Kenntnis genommen haben. Immerhin ist man beim europäischen Boeing-Konkurrenten derzeit weniger mit opulenten Inszenierungen als vielmehr mit Streitereien über die künftige Führungsstruktur beschäftigt. So meldete der Konzern Anfang vergangener Woche, dass „die Diskussionen der Aktionäre zur Vorbereitung des Treffens Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy am 16. Juli in Toulouse weiter anhalten“. Es seien noch keine Entscheidungen getroffen, „weder über Management-Strukturen des EADSKonzerns noch über Nominierungen für Führungspositionen“. Zwar dürften auch beim Treffen zwischen Merkel und Sarkozy wieder die Interessen der Länder Deutschland und Frankreich, beides Aktionäre von EADS (Frankreich direkt, Deutschland über die Staatsbank KfW), im Vordergrund stehen. Und die Frage, wann die bislang aktive französisch-deutsche Führungsspitze abgeschafft werden soll und wer dann allein am Ruder sitzen darf, muss auch dann nicht zwangsläufig geklärt sein. Aber die Meldung zeigt, dass man bei EADS mit den anhaltenden Spekulationen der Öffentlichkeit um die eigene Führung hadert.

...trotz guter Aussichten

Und das zu Recht. Denn die politisch bedingten Querelen um die EADS-Führung drücken die Stimmung der Aktionäre schon seit Längerem: Während die Boeing-Aktie seit Anfang des laufenden Jahres bereit um 13 Prozent zugelegt hat, hat das EADS-Papier seitdem sogar leicht an Wert verloren. Dabei könnte es um die Notierung wesentlich besser bestellt sein: Am Rand der Luftfahrtmesse im französischen Le Bourget bei Paris in der vorletzten Juni-Woche hatte die EADS-Tochter Airbus bekannt gegeben, dass bei ihr bereits 400 neue Bestellungen eingegangen seien, insgesamt habe sie im ersten Halbjahr Orders für 680 Maschinen erhalten und damit 131 mehr als Konkurrent Boeing – dessen 677 „Dreamliner“- Bestellungen werden erst im zweiten Halbjahr berücksichtigt. Zudem verfüge Airbus über ein Auftragsvolumen von mehr als 200 Milliarden Euro. Darüber hinaus gab der staatlich kontrollierte Fonds Dubai International Capital in der vorletzten Woche bekannt, dass er mit einer 3,12-prozentigen Beteiligung bei EADS einsteige. Damit wolle das Emirat Dubai, mit seiner Fluglinie Emirates einer der größten Kunden bei Airbus, die gegenseitigen Geschäftsbeziehungen vertiefen.

Damokles gegen Dreamliner

Beim Aktien-Duell Boeing gegen EADS haben derzeit die Amerikaner die Nase vorne. Angesichts der guten Aussichten für die 787 „Dreamliner“ verfügt ihr Papier über mehr Kursfantasie. Unter Chartaspekten und angesichts der etwas niedrigeren Bewertung hat die EADS-Aktie zwar Nachholpotenzial. Wegen der nach wie vor ungeklärten Führungsfrage, die wie ein Damoklesschwert über der Aktie hängt, ist das Papier konservativen Anlegern aber zurzeit nicht zu empfehlen.

Kursziel bei Boeing: 90,00 Euro. Stopp bei 60,00 Euro.

Kursziel bei EADS: 30,00 Euro. Stopp: 19,30 Euro.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 30/2007.

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