Clariant
- Werner Sperber - Redakteur

Clariant: Solide 40 Prozent

Das Schweizer Chemieunternehmen Clariant sorgt unter anderem dafür, dass Farbe ins Leben kommt. Falls die Übernahme der Süd-Chemie AG vom US-amerikanischen Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) für rund 2,5 Milliarden Franken gelingt, eröffnen sich für Clariant weitere (Kurs)chancen.

Die jüngere Vergangenheit war für die Clariant AG schwierig. Akquisitionen und Restrukturierungen funktionierten nicht so wie gewünscht und zumeist wies der Chemiekonzern Verluste aus. Aus dem Unternehmen wurde ein Übernahmekandidat, dem die Anleger alleine kaum Chancen einräumten. Dazu kam die Rezession. Schließlich übernahm Hariolf Kottmann am 1. Oktober 2008 den Vorstandsvorsitz und seit März 2009 geht es mit dem Kurs unaufhaltsam nach oben. 

Das ist Clariant

Die Clariant AG mit Sitz in Muttenz bei Basel in der Schweiz gibt es seit dem Jahr 1995, als das Unternehmen vom Chemiekonzern Sandoz abgespalten worden ist. Sandoz wiederum ist im Jahr 1886 in Basel gegründet worden. Seit dem Spinn-off hat sich Clariant wiederholt durch Firmenverkäufe und Zukäufe verändert und das Unternehmen setzt diesen stetigen Wandel fort. Zu den Akquisitionen zählen die Spezialchemiesparte der deutschen Hoechst, die britische BTP, die Schweizer Ciba Masterbatches, die US-Firma Rite Systems and Ricon Colors, zum 1. April die kanadische Prairie Petro-Chem sowie aktuell die geplante Übernahme der Süd-Chemie AG (WKN 729 200; A1K RL2). Die restlichen Süd-Chemie-Aktionäre können noch bis zum Dienstag, 14. Juni, 24 Uhr, dem Kaufangebot von 126,38 Euro je Anteilschein zustimmen. Zur Finanzierung der Süd-Chemie-Akquisition möchte Clariant insgesamt 65.591.085 neuen Namensaktien ausgeben und die Zahl der ausstehenden Anteilscheine so auf 295.751.085 Stück erhöhen.

Süd-Chemie unterteilt das Geschäft in die Sparten "Adsorbentien (Aufsaugende Mittel)" und "Katalysatoren (Reaktionsbeschleunigende Mittel)". Adsorbentien gewährleisten in der Getränke-, Konsumgüter-, Verpackungs- und Gießereiindustrie die Herstellung von Produkten mit optimalen Eigenschaften. Die Süd-Chemie Katalysatoren sind eine wesentliche Voraussetzung für effiziente chemische und petrochemische Prozesse und bieten Lösungen für die Wasserstoffproduktion und in der Abluft- und Abgasreinigung. Die Produkte von Süd-Chemie sollen so für den schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen Energie und Wasser sorgen und mehr Lebensqualität für Mensch und Umwelt schaffen.

Clariant ist weltweit mit mehr als 100 Tochtergesellschaften tätig und bezeichnet sich als führenden Chemiekonzern für Farben, Oberflächeneffekte und Spezialchemie. Das Unternehmen gliedert die operativen Geschäfte mit Pigmenten, Zusatzstoffen, Wasch- und Zwischenprodukten, Emulsionen, Chemikalien für die Verwendung bei Leder, Textilien, im Garten, in Minen, im Ölbereich und bei der Papierherstellung in die sieben Sparten "Spezialitäten für den Industrie- und Privatkunden (Industrial & Consumer Specialties)", "Spezialchemie (Performance Chemicals)", "Masterbatches", "Pigmente (Pigments)", "Textilchemikalien (Textile Chemicals)", "Öl & Minen Dienstleistungen (Oil & Mining Services)" und "Lederchemikalien (Leather Services)".

Im Jahr 2010 steigerte Clariant den Umsatz um 7,7 Prozent auf 7,19 Milliarden Schweizer Franken. Dazu steuerte Industrial & Consumer Specialties 21,4 Prozent bei, Performance Chemicals 19,9 Prozent, Masterbatches 17,7 Prozent, Pigments 16,4 Prozent, Textile Chemicals 11,5 Prozent, Oil & Mining Services 8,5 Prozent und Leather Services 4,6 Prozent. Das Konzern-Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich von minus 20 Millionen auf plus 366 Millionen Franken. Die EBIT-Marge von Pigments belief sich auf 12,0 Prozent, die von Industrial & Consumer Specialties auf 11,9 Prozent, die von Oil & Mining Services auf 11,8 Prozent, die von Leather Services auf 11,3 Prozent, die von Performance Chemicals auf 10,3 Prozent, die von Masterbatches auf 8,3 Prozent und Textile Chemicals erwirtschaftete ein EBIT von minus 32 Millionen Franken. Insgesamt verbesserte sich das Nettoergebnis von minus 206 Millionen auf plus 180 Millionen Franken beziehungsweise plus 0,73 Franken je Aktie.

Überzeugendes Auftaktquartal

Im ersten Quartal 2011 erlöste Clariant 1,72 Milliarden Franken. Das sind 5,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das EBIT stieg jedoch um 172 Prozent auf 201 Millionen Franken und der Nettogewinn um 1.650 Prozent auf 105 Millionen Franken respektive 0,40 Franken pro Anteilschein. Zum 31. März erhöhten sich die Nettoschulden von 126 Millionen auf 250 Millionen Franken. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich seit dem Jahresende 2010 allerdings auf 30,1 Prozent und der Bestand an flüssigen Mitteln auf 975 Millionen Franken.

Solide 40-Prozent-Chance

Der Vorstand erwartet für das Gesamtjahr 2011 einen Gewinn je Aktie von 1,55 Franken und für 2012 von 2,35 Franken. Analysten schätzen diese Ergebnisse pro Anteilschein auf 1,90 Franken beziehungsweise 2,15 Franken. Aus den Gewinnschätzungen der Analysten leiten sich Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 10 respektive 8 ab. Sophie Jourdier, Dominik Frauendienst und Andrew Benson, Analysten der Citigroup, erhöhten nach den Erstquartalszahlen ihre Einstufung für die Aktie von "Hold" auf "Buy" und ihr Kursziel von 18 auf 26 Franken. Aufgrund der derzeit stabilen Entwicklung der Chemiebranche an den Börsen sowie aufgrund der günstigen Bewertung der Aktien von Clariant und der Chancen aus der Übernahme der Süd-Chemie sollten Anleger die Anteilscheine mit einem Kursziel von 25 Franken beziehungsweise 20 Euro kaufen. Bei 22,50 Franken befindet sich ein stärkerer Widerstand. Der Stoppkurs sollte bei 13,75 Franken respektive elf Euro gesetzt werden.

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