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China tankt, Venezuela dankt

China will bis 2010 mindestens dreimal so viel Öl aus Venezuela importieren wie bislang. Das ist das Ergebnis von Verhandlungen, die vor wenigen Tagen zwischen der chinesischen Regierung und dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez in Peking geführt wurden. Das Abkommen sieht vor, dass Venezuela seine Ölausfuhren nach China in den nächsten vier Jahren von derzeit 150.000 Barrel auf 450.000 bis 500.000 Barrel pro Tag anheben wird.

Bei ihrer Suche nach neuen Ölquellen ist die Volksrepublik China in Venezuela fündig geworden. Davon profitieren vor allem chinesische Rohstoffgesellschaften.

China will bis 2010 mindestens dreimal so viel Öl aus Venezuela importieren wie bislang. Das ist das Ergebnis von Verhandlungen, die vor wenigen Tagen zwischen der chinesischen Regierung und dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez in Peking geführt wurden. Das Abkommen sieht vor, dass Venezuela seine Ölausfuhren nach China in den nächsten vier Jahren von derzeit 150.000 Barrel auf 450.000 bis 500.000 Barrel pro Tag anheben wird. Bis 2012 soll dann sogar eine Million Barrel am Tag geliefert werden. Noch 2004 betrugen die chinesischen Ölimporte aus dem lateinamerikanischen Staat nur 14.000 Barrel pro Tag.

Weltweit auf Ölsuche

Venezuela will damit vor allem seine Abhängigkeit von den USA reduzieren. Denn das ungeliebte Land im Norden ist trotz ideologischer Spannungen immer noch der wichtigste Abnehmer des venezolanischen Öls und kann deshalb immer wieder Druck auf die Führung in Caracas ausüben. Für China ist das neue Abkommen unter pragmatischen Gesichtspunkten interessant. Durch das rasche Wirtschaftswachstum im Land ist der Bedarf an Öl stark gestiegen. Schon seit Jahren ist China deshalb auf Ölimporte angewiesen. „Fündig“ geworden ist man unter anderem in Zentralasien und Afrika. So übernahm der chinesische Erdöl- und Erdgaskonzern China National Petroleum Ende 2005 über die Tochtergesellschaft CNPCI den kasachischen Konzern Petrokazakhstan. Dieser wird nun an Petrochina, den „Haus- und Hoflieferanten“ der chinesischen Ölversorgung, weitergereicht. Und im April 2006 unterzeichnete der chinesische Staatspräsident Hu Jintao in Nigeria und Kenia milliardenschwere Handelsabkommen. Kenia etwa sicherte in einem 20-Jahres-Vertrag dem chinesischen Ölunternehmen China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) Bohrrechte vor der Küste zu. Im Gegenzug versprach Jintao seinem kenianischen Amtskollegen Mwai Kibaki knapp 200 Millionen Euro für den Bau einer Straße an der Grenze zum Sudan und fünf Millionen Euro für Malaria-Medikamente.

Zu den größten Profiteuren dieser Entwicklung zählen die chinesischen Ölunternehmen CNOOC und Petrochina. Beide Konzerne werden vom chinesischen Staat massiv unterstützt. Während Peking den außenpolitischen Weg ebnet, haben CNOOC und Petrochina für die langfristige Sicherstellung der Energieversorgung des Landes zu sorgen. Dabei stellt Peking an seine Handelspartner kaum Ansprüche: Milliardenkredite für Entwicklungshilfe werden ohne nennenswerte Auflagen zur Verfügung gestellt. Einzige Bedingung ist, dass das Empfängerland keine diplomatischen Beziehungen mit Taiwan unterhält.

Die Gewinner

Der neue Deal mit Venezuela erfordert auf chinesischer Seite die Bereitstellung von Infrastruktur. Im Gespräch ist der Bau von zwölf Bohrplattformen, die dem venezolanischen Staat helfen sollen, die heimischen Ölvorkommen aus dem Boden zu holen. Aber auch der Bau von Öltankern, mindestens 18 sollen es sein, und die Errichtung von neuen Raffinerien, die das aus Venezuela angelieferte Rohöl verarbeiten, sind notwendig. Auf der Gewinnerseite stehen deshalb auch China Oilfield Services und Superior Energy Services. Die beiden Unternehmen bieten Dienstleistungen für Öl- und Gaskonzerne an. So verfügt China Oilfield Services, eine Tochter von CNOOC, über umfangreiche Kenntnisse im Bereich Offshore-Bohrungen. Und Superior Energy Services bietet Hilfestellungen bei der Errichtung und beim Betreiben von Ölplattformen. Zudem ist man als Logistikunternehmen tätig, das die Bohrinseln mit Equipment versorgt. Superior Energy Services arbeitet im Golf von Mexiko mit nahezu allen großen US-Ölkonzernen zusammen. Vom Ölhunger Chinas profitiert auch China Petroleum & Chemical. Das Unternehmen, das oft nur als „Sinopec“ betitelt wird, verfügt neben einer eigenen Öl- und Gasproduktion auch über Raffinerien zur Herstellung von petrochemischen Produkten, also unter anderem Benzin für Kraftfahrzeuge. Gerade hier gab es in den vergangenen Jahren weltweit Engpässe, die zu einem wesentlichen Teil zum starken Anstieg des Ölpreises beigetragen haben. China Petroleum & Chemical wird im laufenden Jahr nach Einschätzung von Analysten 0,62 Chinesische Renmimbi, das sind 0,06 Euro, Gewinn je Aktie erzielen. Das Papier ist mit einem KGV von 8 sehr günstig bewertet.

Sinopec kaufen

Vom Ölhunger des Riesenreiches profitieren vor allem chinesische Konzerne, die im Rohstoffgeschäft tätig sind. Unter bewertungs- und charttechnischen Erwägungen bietet sich derzeit ein Einstieg in China Petroleum & Chemical (Sinopec) an. Die Papiere des Unternehmens werden unter anderem in Frankfurt gehandelt und sollten stets mit engen Limits geordert werden.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 37/2006.

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