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- Jochen Kauper - Redakteur

China steht vor schweren Herausforderungen

Seit Anfang des Jahres überschlagen sich in dem Handelsstreit zwischen den USA und China die Ereignisse. Im April hatte der US-Präsident erstmals gezielt US-Strafzölle auf Importe aus China angedroht. China hatte sofort reagiert und vergleichbare Ankündigungen verlauten lassen.
"Betroffen von den avisierten US-Zöllen waren zuerst nur chinesische Lieferungen im Umfang von 50 Mrd. USD. Nun hat sich der Handelsstreit weiter verschärft und könnte auch die Produktpalette der möglichen Strafzölle auf 200 Mrd. USD ausweiten. Das entspricht rund 40 Prozent aller chinesischen Exporte in die USA und rund 1,2 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts. Damit wurde jedoch kein vorläufiges Ende markiert, sondern die Auswirkungen könnten sich noch bis auf ein Gesamtvolumen von 500 Milliarden Dollar belaufen", sagt Asien-Experte Andreas Lipkow.

Abschwächungseffekt für China-BIP?
Beide Länder verfügen über große volkswirtschaftliche Märkte. In den USA erwirtschaften  327 Millionen Einwohner ein Bruttoinlandsprodukt von ca. 18 Billionen Dollar. Dagegen stehen ungefähr 1,4 Milliarden Chinesen mit einer wirtschaftlichen Leistung von min. 11 Billionen Dollar.
"Dagegen weisen die USA aber ein Leistungsbilanzdefizit gegenüber China in Höhe von 375 Milliarden Dollar groß auf. Dieses soll nun durch die angestrebten Strafzölle reduziert werden.
Für China könnte sich der Abschwächungseffekt auf das chinesische BIP bei rund 0,5 Prozent auswirken. Viele der betroffenen Produkte werden in China nur endgefertigt und schlagen somit nicht voll auf das BIP durch. Allerdings trifft es China und die südostasiatischen Zulieferländer zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die negativen Wachstumseffekte wirken in einer Zeit in der China dabei ist, sich von den Gefahren des gigantischen Schattenbanksektors, eines überhitzten Immobilienmarkts und eines ohnehin nachlassenden Konjunkturwachstums zu erholen.
Die Reaktionen an den Finanzmärkten waren entsprechend volatil und auch bei den mittel- bis langfristigen Stimmungsindikatoren sind klare Bremsspuren und Zurückhaltung zu erkennen gewesen", sagt Lipkow.

Wachstumszurückhaltung
Dies führt zu langfristigen Investitionszurückhaltungen und spürbaren Wachstumsrückgängen in beiden Ländern. "China hat in den letzten Jahren den Anschluss an die Weltgemeinschaft gesucht und gefunden. Nun kann der Handelskonflikt zu Paradigmenwechsel in Bezug auf außen- und handelspolitische Themen führen.
Noch sind die angedrohten Zölle nicht voll in Kraft. Der verbale Schlagabtausch befindet sich weiterhin in vollem Gang und nach den jüngsten Ankündigungen steht für beide Seiten noch wesentlich mehr auf dem Spiel. Sollte es nicht zu einer möglichen Einigung kommen, können die wirtschaftlichen und politischen Schäden erheblich sein. Der in den letzten Jahrzehnten vorangetriebene globale Handel wird durch Handelsprotektionismus eingeschränkt und könnte stark eingegrenzt werden.   
Auch wenn es zuerst den Eindruck erwecken mag, dass China in der bevorstehenden Auseinandersetzung im Vorteil ist, wird es durch den Handelsstreit nur Verlierer geben. Insgesamt wird es zu einer merklichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaftskraft kommen. Die Gesamtlage ist für China aber nicht wirklich bedrohlich und bietet zugleich die Möglichkeit, dass es zu einem engeren Verbund mit z.B. der EU kommen kann. Für Investoren in chinesische Unternehmen bedeutet dies weiter besonders auf den chinesischen Binnensektor zu setzen. Ebenfalls sind Unternehmen mit klarem Fokus auf den Absatzmarkt EU zu bevorzugen. Die Kursrückgänge könnten eine gute Chance für Investoren mit langfristigen Anlagehorizont bedeuten", lautet das Fazit von Andreas Lipkow Marktexperte von der comdirekt.   

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